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Baumfällungen

07.11.2018

„Dann kommt ihr mit der Motorsäge“

Sieben von 21 Bäumen werden im Binswanger Baugebiet an der Hetze und in der Schertlinstraße entfernt. Die Ahornbäume seien zu groß für die schmalen Streifen am Straßenrand, heißt es als Begründung. Die Wurzeln zerstörten die Mauern, die den Zaun halten und auch die Straße werde bald Schaden nehmen.
Bild: Brigitte Bunk

Bürger in Binswangen fordern, dass Bäume vor ihren Grundstücken entfernt werden. Das führt zu einer kontroversen Diskussion im Rat. Dass Natur zerstört werden soll, stößt bei manchen auf Unverständnis

In der Binswanger Schertlinstraße und im Baugebiet „an der Hetze“ werden sieben von insgesamt 21 Bäumen entfernt. Mit drei Gegenstimmen beschloss das der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend. Leicht gemacht hätten sich die Ortsvertreter die Entscheidung nicht, wie Bürgermeister Anton Winkler sagte.

Der Grund für die Maßnahme war der Antrag von Anwohnern, die darauf hingewiesen hatten, dass die Wurzeln der Ahornbäume inzwischen so gewachsen seien, dass sie den Gehweg und die daran angrenzenden Mauern, die den Zaun tragen, anheben und damit zerstören. Nur diesen Grund ließen die Gemeinderäte gelten: Anträge auf Baumfällungen, weil die Bäume „zuviel Dreck machen“, seien nicht berücksichtigt worden.

Die geplanten Baumfällungen in Binswangen rufen heftige Kritik hervor

Um eine tragfähige Entscheidung zu treffen, zog der Bauausschuss, der sich die Lage vor Ort angeschaut hatte, noch Kreisfachberater Manfred Herian zu Rate. Auch der Binswanger Baumexperte Franz Endres, der die Bäume vor rund 20 Jahren gepflanzt hat, war bei der Ortsbesichtigung dabei. Laut Bürgermeister Winkler erklärte Herian, dass ein großer Teil der Bäume durchaus erhalten werden könne. Winkler führte aus: „Dann müssen sie öfter als einmal im Jahr geschnitten werden.“ So kämen sie wieder in die richtige Form und könnten sich erholen. Die Bäume stehen alle auf Gemeindegrund, aber nahe an den Grenzen der privaten Grundstücke.

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Während Erika Heindel anregte, die sieben Bäume nicht gleichzeitig wegzumachen, sah Bürgermeister Winkler dafür einen guten Grund: „Wenn wir die Ersatzbepflanzung in einem Zug machen, gibt das ein einheitliches Bild.“ Alexander Gumpp betonte: „Mir tut es in der Seele weh, die Allee ist so schön.“ Doch wenn die Wurzeln den Zaun anheben, greifen sie in privaten Grund ein. An seinem eigenen Grundstück möchte er, dass ein entsprechender Baum bleibe, doch das könne er anderen nicht vorschreiben. Und wenn Kreisfachberater Herian sage, die Bäume seien zu groß für diesen Ort, sei das ein guter Grund, sie zu entfernen und dort etwas anderes anzupflanzen.

Erika Heindel ergänzte, dass Herian sagte, dass heutzutage andere Baumarten in Wohngebieten angepflanzt würden. Roland Karl konnte sich bei bestimmten Bäumen nicht damit anfreunden, dass sie umgesägt werden sollen: „Jetzt haben wir endlich einen schönen Baum, wo Insekten und Vögel ihren Raum haben, dann kommt ihr mit der Motorsäge. Und das in Zeiten des Klimawandels.“ Daraufhin meinte der Bürgermeister, dass Roland Karl und Erika Heindel sich als Baumbeauftragte der Gemeinde engagieren könnten. Heindel erklärte, dass Herian anregte, ein Baumkataster zu erstellen, in dem eingetragen würde, wann welche Bäume eingepflanzt wurden. Johannes Rigel hält das nicht für sinnvoll: „Da geben wir 6000 bis 7000 Euro aus, dann kommen noch die Folgekosten für die Baumpflege. Mit diesem Geld könnten wir viel Gutes machen.“ Winkler entgegnete allerdings, dass dieses Kataster für Bäume auf öffentlichem Grund vorgeschrieben sei. Reiner Bühler fügte hinzu, dass er eine professionelle Baumpflege im Dorf vermisse: „Durch den Hausmeisterschnitt im Frühjahr werden die Bäume unansehnlich.“ Erika Heindel bat angesichts der anstehenden Neupflanzungen noch: „Wenn die Ersatzpflanzung vorgenommen wird, bitte wählt keine Mutanten aus, zu denen keine Biene mehr hinfliegt.“

Die Gebühren für Abwasser steigen in Binswangen stark an

Weitere Themen, die in der Sitzung behandelt wurden:

Bauanträge: Die Anträge auf Bau eines Einfamilienhauses mit Doppelcarport am Lindenbühl und eines Einfamilienhauses mit Doppelgarage im neuen Baugebiet an der Zollstraße nahmen die Ratsmitglieder zur Kenntnis. Da die Pläne den Vorgaben der Bebauungsplans entsprechen, war keine weitere Beratung nötig.

Abwasserentsorgung: Die neue Beitrags- und Gebührensatzung tritt zum Jahresbeginn 2019 in Kraft. Unter anderem ändert sich die Grundgebühr bei der Verwendung von Wasserzählern mit Nenndurchfluss bis 2,5 Kubikmetern pro Stunde von 1,50 Euro monatlich, das sind 18 Euro jährlich, auf 50 Euro pro Jahr. Pro Kubikmeter Abwasser beträgt die Gebühr 2,81 Euro bei Grundstücken, von denen das gesamte Schmutz- und Niederschlagswasser in der gemeindlichen Kanalisation entsorgt wird. Vorher waren das 2,33 Euro. Bei Grundstücken, von denen das Niederschlagswasser nicht in die Kanalisation abgeleitet wird, ermäßigt sich die Einleitungsgebühr auf 2,08, vorher 1,68 Euro.

Laut Bürgermeister Winkler wäre der Preis für das Abwasser noch höher gewesen, wenn die Grundgebühr nicht angehoben worden wäre. Das wäre wiederum ungerecht gewesen gegenüber denjenigen, die mehr verbrauchen, weil gewisse Fixkosten für die Gemeinde unabhängig vom jeweiligen Verbrauch anfallen. Alle vier Jahre müssen die Gebühren neu kalkuliert und festgesetzt werden, dabei darf die Gemeinde weder einen Gewinn noch Verlust machen.

Lesen sie weitere Geschichten zu diesem Thema: Von der Behandlung der „Grünen Lunge“ oder Bäume: Kampf der Bürger hat sich gelohnt



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