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Brauchtum

17.02.2015

Das „Mäschgerle“ kommt am Faschingsdienstag

Alois Sailer
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Alois Sailer

Aber die Tradition lässt immer mehr nach. Hat der Rückgang mit Halloween zu tun?

„Lustig ist die Fasenacht, wenn mei Mutter Küchle backt, wenn sie aber keine backt, dann pfeif I auf die Fasenacht.“ Mit diesem Sprüchlein versuchen maskierte Kinder schon seit Jahrzehnten ihr Glück und laufen am Faschingsdienstag von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu erbitten. So auch heute in der Region.

Der Brauch findet sein ursprüngliches Motiv im sozialen Ausgleich, so der Dillinger Kreisheimatpfleger Alois Sailer aus Lauterbach. Demnach war der so genannte „Heischebrauch“ vor allem nach dem zweiten Weltkrieg sehr verbreitet. Damals zogen die Kinder armer Bürger um die Häuser, um mit Sprüchen oder Gebeten die zur Faschingszeit beliebten Küchlein zu erheischen. Den Bauernkindern wurde es währenddessen meist untersagt, als Maskenträger um die Häuser zu ziehen, da dies unter wohlhabenderen Bürgern oft als unehrenhaft galt. Dennoch war man stets erfreut, wenn die meist als Kasperle oder Hanswurst verkleideten Kinder das eigene Grundstück betraten, da dies dem Besitzer stets Glück brachte. Denn die „Mäschgerle“ waren Boten des nahenden Frühlings und waren zudem dafür bekannt, böse Geister zu verjagen. Diesen wurde nachgesagt, dass sie sich vor den Maskeraden fürchten würden.

Besondere Orte im Landkreis waren damals die Gemeinden Binswangen und Buttenwiesen, in denen sich viele Juden niedergelassen hatten. Hier wurden die „Küchle“ zur Fastnacht nicht wie gewöhnlich in Schweineschmalz, sondern in koscherem Butterschmalz gebraten. Dadurch waren dies auch die einzigen Küchlein, die am Aschermittwoch, zu Beginn der Fastenzeit, noch gegessen werden durften. Allerdings geht dieser, früher weit verbreitete Brauch, immer mehr zurück. Vor allem in den Städten sieht man von Jahr zu Jahr weniger maskierte Kinder, meinen Passanten, die wir in der Wertinger Innenstadt befragt haben.

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Laut dem Fachpersonal der Bäckerei Wagner gerät auch die Tradition, Süßes durch das Aufsagen eines Spruches zu erbitten, immer mehr in den Hintergrund.

Erna Höchstädter aus Wertingen hat deswegen ganz klare Regeln: „Wenn die Kinder keinen Spruch aufsagen, dann bekommen sie bei mir auch nichts.“ Eine Fachkraft der Blumenbinderei Neumeier vertritt eine weitverbreitete Meinung mit der Vermutung, dass der Rückgang des „Mäschgerles“ vor allem mit dem Aufkommen des US-amerikanischen Brauches Halloween zu tun habe. Schließlich ziehen am Faschingsdienstag sowie an Halloween Kinder um die Häuser, um sich Süßes zu erbitten.

Der Ursprung Halloweens sei aber ein vollkommen anderer, entgegnet Alois Sailer. Anfänglich war dieser Brauch als ein Totenessen gedacht und habe deshalb nichts – wie das „Mäschgerle“ – mit einem sozialen Ausgleich zu tun. Seiner Ansicht nach tragen die vielen Faschingsumzüge die Schuld daran, dass diese alte Tradition langsam verschwindet. Schließlich können die Kinder dort mühenlos Süßigkeiten vom Boden auflesen. Und dennoch wird es heute trotz allem Kinder geben, die als Mäschgerle von Haus zu Haus ziehen.

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