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17.10.2009

Das Schlickerhaus - ein Problem für alle

Pfaffenhofen Seit 1995 ist Dr. Ralph Pöllat Eigentümer der denkmalgeschützten ehemaligen "Schlicker-Wirtschaft" in Pfaffenhofen. Inzwischen will Pöllat aber nur noch eins: Verkaufen! Das Anwesen liegt an einem Eckgrundstück am Ortsrand, gegenüber die Pfaffenhofener Kirche.

Das Haus sieht alles andere als schön aus, die alten Ziegelsteine sind freigeschlagen, vieles liegt dort im Argen. Bis vor wenigen Jahren haben Pöllat und seine Familie viel Herzblut in das gewünschte Objekt gesteckt. Ein lebenswertes Wohnhaus sollte es werden. Das Mauerwerk wurde saniert, Fenster und Dach neu gemacht, der Gewölbekeller gestützt.

Jetzt aber hat sich der Eigentümer ganz anders besonnen: "Aus privaten und dadurch auch aus finanziellen Gründen kann und will ich mich jetzt nicht mehr mit dem alten Haus belasten", erklärt Pöllat seinen Entschluss.

Er zählt mehr als 5000 von ihm geleistete Arbeitsstunden auf und addiert noch 200 000 Euro dazu, "…die dann für mich einfach weg sind, selbst wenn ich heute einen Kaufpreis von nur 100 000 Euro bekäme." Spricht man ihn auf die erhaltenen Fördergelder an, bleibt er dennoch bei seiner Rechnung. Zum einen machen diese nur 22 Prozent aus, zum anderen sei man in seinen Entscheidungen gebunden.

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Bereits 370 000 Euro investiert

Die zuständige Regierungsdirektorin des Landratsamtes Dillingen, Christa Marx, sagt dazu: "Natürlich, das Haus steht unter Denkmalschutz! Veränderungen müssen halt mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht verkauft werden könnte." Bislang hätten alle zusammen, Eigentümer samt Denkmalschutz, rund 370 000 Euro mit Sanierungsarbeiten investiert.

Das Anwesen bietet seit Jahren Gesprächsstoff im Ort. Der eine regt sich auf, es sei ein Schandfleck, der andere fordert, das altehrwürdige Gemäuer unbedingt zu erhalten. So zum Beispiel Heimatpfleger Alois Sailer aus Lauterbach. Aus dem Stegreif erzählt er über die Historie der ehemaligen Wirtschaft. "Früher baute man immer im sogenannten Dreiklang, also eine Schmiede, ein Gasthaus und die Kirche dazu, das war städtebaulich wichtig." Das sei hier gegeben. Ein weiterer Dreiklang seien die unterschiedlichen Höhenverhältnisse der Dächer, was man nur erkennen könne, kommt man vom Ried. "Aus vielerlei Gründen ist das ein ganz wertvolles Haus."

Eine weitaus pragmatischere Sichtweise hat Buttenwiesens Bürgermeister Norbert Beutmüller. Zu seiner Gemeinde gehört auch der Ortsteil Pfaffenhofen. "Die Gemeinde könnte sich das Anwesen leisten, wir haben aber kein Nutzungskonzept." So ein denkmalgeschütztes Haus sei ohnehin eine "Knochenaufgabe", umso mehr äußerst schwierig für Privatleute zu halten, meint das Gemeindeoberhaupt.

Die Kommune sorgte schon für einen gesicherten Gehweg und umzäunte "aus verkehrstechnischen Gründen" das ganze Areal. "Die Gemeinde ist ja nicht dafür da, "Auffänger für privates Eigentum" zu sein, auch die Denkmalbehörde ist hier gefordert", antwortet Beutmüller auf die Frage, wie und ob Erhaltenswertes zu schützen sei.

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