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Wertingen

14.09.2018

Das Wertinger Ochsengässchen zeigt sich jetzt bunt

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An der Stelle der ehemaligen Schreinerei Mehler steht jetzt ein neues Mehrfamilienhaus. Die Fassade, die extra im schwäbischen Stil gebaut wurde, ist fertig. Im Inneren wird allerdings noch gebaut.<b>  </b>

Fast ein Jahr lang war die kleine Gasse im Herzen von Wertingen gesperrt. Jetzt ist sie wieder offen. Was sich inzwischen verändert hat

Schon seit Dezember 2017 gab es eine Möglichkeit weniger, um die Wertinger Altstadt zu erreichen: Das Ochsengässchen war wegen einer Baustelle gesperrt. Seit neuestem kann man es jedoch wieder nutzen – und das neue Mehrfamilienhaus betrachten, das dort anstelle der ehemaligen Schreinerei Mehler gebaut wurde.

Das Gebäude stand schon seit geraumer Zeit leer, bevor es verkauft wurde. Zuletzt wurde die Schreinerei, die seit 1899 im Besitz der Familie Mehler war, von Ewald Mehler betrieben, dann übernahmen für kurze Zeit seine Söhne Ewald und Jürgen die Leitung. Schon bald wurde die Arbeit jedoch komplett eingestellt.

Ein farbenfrohes Haus steht nun in der Altstadt

Heute steht dort ein farbenfrohes, zweistöckiges Wohngebäude in L-Form. In dem zusammenhängenden Winkelbau finden sechs Wohnungen Platz, zusätzlich zwei Wohnungen im Dachgeschoß. Der Innenhof mit acht Stellplätzen ist über eine Durchfahrt vom Ochsengässchen aus zu erreichen. „Zum ersten Mal wurde 2016 im Bauausschuss über den Abriss der Schreinerei diskutiert“, berichtet Dieter Nägele, der Geschäftsleiter der Wertinger Hauptverwaltung. Den Antrag für das Mehrfamilienhaus mit Gewerbeeinheit und Garagen stellte der Eigentümer Markus Balletshofer. „Ursprünglich sollte das Gebäude nur renoviert werden, aber die Bausubstanz war so schlecht, dass es sich nicht eignete“, erinnert sich Balletshofer. Deshalb sei der Abriss die bessere Möglichkeit gewesen.

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Im Mai 2017 wurde schließlich vom Bauausschuss einstimmig die Zustimmung dazu erteilt. Beim Neubau wurde besonders darauf geachtet, dass das neue Gebäude gut in das Wertinger Stadtbild passt. So wurden die geplanten Dachvorsprünge zum Beispiel nicht genehmigt, weil diese nicht für Gebäude im schwäbischen Stil typisch sind.

Das alte "Mehlerhaus" in Wertingen wurde abgerissen

Das alte „Mehlerhaus“ wurde samt der nebenstehenden Werkstatt mangels verwertbarer Bausubstanz abgerissen und ein neues Gebäude in L-Form errichtet. Der selbständige Diplom-Ingenieur sagt über sein Bauvorhaben mitten in der Zusamstadt: „Es war von Anfang für alle Beteiligten klar, dass der dem Bauausschuss vorgelegte Plan bezüglich der äußeren Gestaltung nur ein vorläufiger Entwurf war und die Details in Abstimmung mit der Stadt noch festgelegt werden.“

Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier und Stadtbaumeister Anton Fink sind sich einig: „Dieser Bauherr war sehr kooperativ und ist auf die Wünsche und Vorstellungen der Stadt, die Bauweise auf das nähere Umfeld anzupassen, immer eingegangen.“ Die besondere Lage direkt neben der Martinskirche und mitten im historischen Kern von Wertingen erfordere besondere Aufmerksamkeit im Baustil. Balletshofer habe Vorschläge und Angebote angenommen und entsprechend umgesetzt.

„Die aufwändige Bauweise wirkt sich deutlich auf die Ausgaben aus“, sagt der Bauherr und erklärt hierzu Details: „Zum Beispiel die Fassadengestaltung war sehr kostspielig.“ Allein die sogenannte Bossierung, das sind die waagrechten Zierbänder in Erdgeschosshöhe, seien nicht nur aufgemalt, sondern mit Putz ausgeführt, gleiches gelte für die Faschen und Lisenen, welche die optische Umrahmung der Fenster und das Hervorheben der Gebäudeecken unterstreichen. „Die Gauben wurden verputzt und nicht mit Blech verkleidet und der Dachstuhl ist mit Biberschwanzziegeln gedeckt“. Auch hier schlage sich die Wahl solcher Ziegel auf die Kosten nieder.

Balletshofer hat sich oft mit dem von der Stadt Wertingen mit einbezogenen Diplom-Farbberater, Helmut Röhm und der bauausführenden Firma Ausperger zusammengesetzt. „Neben den stilistischen Details ging es auch darum, wie das farbliche Absetzen der einzelnen Gebäudeteile harmonisch zusammenspielt.“ Sogar über das große Tor auf der Seite des Ochsengäßchens machte sich der Bauherr Gedanken: „Früher wäre hier ein zweiflügliges Holztor mit Eisenbeschlägen einbaut worden, das ist aber nicht mehr zeitgemäß.“ Kurzerhand ließ er eigens dafür ein modernes, sogenanntes Sektionaltor optisch mit Holz anpassen und Beschläge aufsetzen. „Jetzt sieht es fast so aus, wie man solche Tore aus früheren Zeiten kennt.“

Die Anfänge des Vorhabens waren strapaziös

Auch an die Belebung der Innenstadt und das Schaffen von neuen Arbeitsplätzen hat Balletshofer gedacht. „Meine Frau wird zukünftig eine Salzgrotte im Erdgeschoß betreiben.“ Der Bauherr erinnert sich an die strapaziösen Anfänge bei der Realisierung seines Bauvorhabens: „Der Boden dort ist durch die Zusam sehr feucht, wir mussten noch vor den Rohbauarbeiten 42 Stahlbetonpfähle in bis zu 15 Meter Tiefe in den Boden rammen, erst dann konnte die Bodenplatte aufgesetzt werden.“ Insgesamt ist sich Balletshofer mit Lehmeier und Fink aber einig, dass sich die Mehrkosten als Mehrwert des schönen Gebäudes buchstäblich und in jeder Beziehung bezahlt machen

Einer historische Besonderheit gibt es noch, was das Anwesen betrifft: Zwischen der Schreinerei und der benachbarten Pfarrkirche gab es einst eine Verbindung: Die fünf Altäre, die heute in der St. Martins-Kirche zu finden sind, wurden von der Schreinerei um Balthasar Amann, die am selben Ort stand, hergestellt. Auch die Kirchen in Gottmannshofen, Lauterbach und Pfaffenhofen zieren Stücke aus dieser Werkstatt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war die Amann einer der gefragtesten Fachmänner für Kirchenstühle, Altäre und Kanzeln.

Ganz fertig ist das neue Mehrfamilienhaus im Ochsengässchen allerdings noch nicht: Im Inneren wird noch fleißig gearbeitet. „Wir vermuten aber, dass das Haus noch bis Ende 2018 bezugsfertig ist“, meint Stadt-Geschäftsleiter Dieter Nägele. Der Bauausschuss versprach sich 2017 wieder mehr Leben im Innenstadtbereich von dem Neubau.

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