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14.12.2016

Das jüdische Badhaus wird noch im nächsten Jahr saniert

So sah das Haus, in dem das jüdische Ritualbad untergebracht ist, im Jahr 2011 aus, als das Foto entstand. In den Folgejahren wurde es von den Denkmalpflegern erforscht. Archäologie-Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf, leitete die die Ausgrabungen in der Mikwe. Die Stufen führen in das Tauchbecken. Jetzt soll das Gebäude saniert und für museale Zwecke hergerichtet werden.
Bild: Hertha Stauch

Einzigartiges Zeugnis der Vergangenheit soll musealen Zwecken dienen

Bürgermeister Hans Kaltner drückte aufs Tempo in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Denn die Instandsetzung des jüdischen Badhauses in Buttenwiesen soll noch im Jahr 2017 erledigt werden und dafür brauchte es den entsprechenden Beschluss. Der fiel denn auch einstimmig, nachdem Architektin Nele Reichel vom beauftragten Büro in Donauwörth ihren Sachvortrag abgehalten hatte.

Vor einigen Jahren schon hat die Gemeinde das kleine Haus hinter der Synagoge gekauft, das sich zu einer Besonderheit entpuppen sollte. Es diente der jüdischen Bevölkerung bis 1938 als Badhaus – Mikwe genannt – für rituelle Reinigungen. Das Häuschen, das zwischen Synagoge und jüdischem Friedhof angesiedelt ist, zerfiel, nach dem die Juden ausgewandert oder vertrieben waren. Während des zweiten Weltkriegs wurde es zeitweise für den Arrest von Kriegsgefangenen genutzt, berichtete die Architektin, die die Geschichte des Hauses darlegte. Danach zerfiel es zusehends, geriet fast in Vergessenheit, bis die Gemeinde es kaufte und die Denkmalpfleger anrückten, um ihre Forschungen zu betreiben.

Das Ritualbad, erbaut 1860, gilt als herausragendes Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung. Denn selten sind Tauchbecken und Wassersammelbecken im Originalzustand erhalten und geben so Aufschluss über jüdische Bräuche und Religion.

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Eine Besonderheit: Im Unterschied zu anderen Mikwen wurde das Buttenwiesener Bad nicht mit Grundwasser gespeist, sondern es wurde Regenwasser gesammelt und in die Becken geleitet. Im Haus wohnte wahrscheinlich eine Familie – die entsprechende Nebenzimmer weisen darauf hin – die die rituellen Waschungen überwacht hat, erklärte Architektin Reichel. Für eine höhere Wassertemperatur wurde Wasser in einem Ofen erhitzt und mit dem gesammelten – koscheren – Regenwasser gemischt. Entsprechende Leitungen befinden sich zwischen dem Sammel- und dem Tauchbecken. Vom diesem Bautyp eines rituellen jüdischen Bades existieren in ganz Deutschland nur wenige vergleichbare Beispiele.

Bei den Untersuchungen wurden schöne Wandbemalungen gefunden und auch die Zimmertüren sind aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten.

Was in Buttenwiesen einzigartig ist, ist das noch bestehende Ensemble aus Synagoge, Mikwe und jüdischem Friedhof – einzigartig auch in Deutschland, wie in der Gemeinderatssitzung erklärt wurde.

Auf Grundlage der Untersuchungen erstellte die Architektin ein Instandsetzungskonzept. Das Haus soll so hergerichtet werden, dass es museal genutzt werden kann. Ein Anschauungsobjekt also, Veränderungen in der Struktur des Hauses sind nicht vorgesehen. Wichtig sei es, die Ursachen für die Feuchtigkeit zu beseitigen, die an den Wänden aufsteigt, meinte die Architektin. Das Haus bekommt keine Heizung, saniert werden muss auch das marode Dach. Unangemeldete Besucher sollen von außen durch die Fenster in den Baderaum schauen können.

Die Höhe der Sanierungskosten wird auf 245000 Euro geschätzt, hinzu kommen 20000 Euro für die museale Einrichtung. Bürgermeister Kaltner ist es wichtig, das Haus noch im nächsten Jahr herzurichten. Den vom neuen Hotel und seiner Terrasse aus fällt der Blick auf das Gebäude – derzeit ein unschöner Anblick. Kaltner: „Die Bedeutung der Mikwe kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie ist in Verbindung mit Friedhof und Synagoge ein Alleinstellungsmerkmal.“ Zweiter Bürgermeister Christian Knapp stimmte mit ein: „Dieses einmalige Ensemble“ sei ein Zeugnis des wesentlichen Einflusses der jüdischen Gemeinde auf das öffentliche Leben im Ort.

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