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26.09.2017

Der Baulöwe brüllt

Der Baulöwe vor dem Firmeneingang brüllt – und das Reitenberger-Trio freut sich. Drei Generationen Ulrich Reitenberger: Großvater, Enkel und Sohn.
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Der Baulöwe vor dem Firmeneingang brüllt – und das Reitenberger-Trio freut sich. Drei Generationen Ulrich Reitenberger: Großvater, Enkel und Sohn.
Bild: Hertha Stauch

Expansion Die Konjunktur boomt. Das macht sich auch im kleinen Asbach bemerkbar. Dort hat das Unternehmen Ulrich Reitenberger mit einem modernen Firmengebäude sichtbar Position bezogen

Asbach Mitten im verträumten Dörflein, zwischen Hühnergattern, geraniengeschmückten Giebeln und ländlichen Hinterhöfen taucht er auf – der „Baulöwe“. In glänzendem Stein gemeißelt postiert er sich brüllend vor dem rot umrandeten Eingangsportal der neuen Firmenzentrale der UR Bau GmbH in Asbach. Mehr Kuscheltier als zähnefletschende Bestie, weist er mit wallender Mähne und kraftvollen Gliedern darauf hin, um was es hier geht. Hier wird gebaut – geschafft, konstruiert, geplant, entwickelt, projektiert. Modern, hell, energieeffizient, klar, nachhaltig, glatt und barrierefrei. Hier sitzen Ingenieure, Techniker, Kalkulierer, Architekten, die das neue Maß der Dinge kreieren. Wie wir wohnen und leben werden im 21. Jahrhundert, als junge, moderne Bürger, aber auch als alt werdende Menschen, die sich möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bewegen sollen.

Es fühlt sich gut an, im sonnendurchfluteten Konferenzraum des Firmengebäudes zu sitzen, die aus einem Stamm gesägte Vollholz-Tischplatte vor sich, Vater und Sohn Reitenberger als Gegenüber: bodenständig, zuverlässig, tüchtig, zielorientiert. „Natur haben wir hier ringsum“, verweist der junge Ulrich Reitenberger auf die reduzierte Raumgestaltung, die Landschaft ins Haus holt und selbst auf üppiges Beiwerk verzichtet. Auch die Konstruktionsbüros rundum im Haus sind in diesem Stil gehalten. Mit vielen jungen Mitarbeitern teilt sich Reitenberger junior das Arbeitsreich. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite das Haus, in dem er groß geworden ist. In den Achtzigerjahren entstand hier die Reitenberger-Firma mit Wohnhaus, in dem die Eltern leben, mit dem Hof, den Hallen und Garagen rundherum – ein Bauunternehmen im herkömmlichen damaligen Landhaus-Stil. „Hier macht sich die junge Generation bemerkbar“, sagt Ulrich Reitenberger senior am Konferenztisch im neuen Gebäude mit anerkennendem Blick auf seinen Sohn. Anfang September feierten sie hier ein großes Fest zur Eröffnung des neuen Bürogebäudes mit Mitarbeitern, Kunden, Kollegen, Gemeindevertretern, Kommunalpolitikern – insgesamt 580 Gästen. Auch Landrat Leo Schrell war darunter und verlieh den Firmenbesitzern einen Zukunftspreis.

65 Jahre UR-Bau: Ulrich Reitenberger senior ist der Sohn eines Maurermeisters, der sich 1952 selbstständig gemacht hat, sich 1957 im alten Karle-Hof in Asbach einmietete „mit ein, zwei Mann“. Die Zeit war geschaffen für Expansion. Der Sohn übernahm 1984 den Betrieb des Vaters, baute neu, 2011 stieg Ulrich Reitenberger junior in die nun gemeinsame Geschäftsführung ein. Der junge „Uli“, wie ihn seine Freunde nennen, hat, wie der Vater, das Handwerk von der Pike an gelernt – vom Maurermeister bis zum Studium des Bauingenieurwesens. „Man bekommt nichts geschenkt.“ Reitenberger senior weist die Annahme zurück, dass den Bauunternehmern angesichts boomender Konjunktur und Wohnungsknappheit die Projekte in den Schoß fallen. Es herrsche ein gesunder Konkurrenzkampf bei öffentlichen und privaten Angeboten, die Auftragslage sei „sehr zufriedenstellend“. Reitenbergers projektieren weniger für den öffentlichen, mehr für den privaten Bereich. Im Vorjahr waren es 24 Einfamilienhäuser beziehungsweise Doppelhaushälften, dazu 151 Wohnungen, die gebaut wurden. Dabei wurden 14125 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen – „hochqualitativ“, wie Reitenberger junior betont. Das heißt, dass er Wert legt auf Nachhaltigkeit – „langfristige Werte für Kunden schaffen“. Gebäude, die billig sind, aber nach 25 Jahren schon Mängel aufweisen, seien seine Sache nicht: „Am Ende sind alle Wände weiß, man sieht ihnen nicht an, was dahintersteckt“, sagt er.

Der Teufel steckt im Detail. Dass viele gebäudetechnische Vorschriften die Baupreise für Häuslebauer und Wohnungskäufer in teils unerreichbare Höhen treiben, missfällt Vater und Sohn Reitenberger. „Technik, Dämmung, Schallschutz, Statik, Brandschutz – zum Teil jährliche Reformen und Gesetzesänderungen bewirken, dass die Qualität höher wird, die Preise aber auch steigen“, erklärt der Senior. Er nennt ein weiteres Beispiel: „Es beginnt schon beim Erdaushub. Wir müssen Proben nehmen, der Geologe kommt, das Material muss unterschiedlich entsorgt werden. Wir kommen nicht aus, das sind Grundvorschriften, die wir einhalten müssen“. Das alles koste Geld. Es dürfe im Energieeinsparungsgesetz keine Verschärfung mehr kommen. Sonst könne sich keiner mehr ein Haus leisten. Staatliche Förderungen seien derzeit die einzige Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen.

Trotz dieser Situation setzt Reitenberger auf Qualität: „Wir bauen nur mit unseren eigenen Leuten, vergeben nicht an Dritte und sind mit unseren Objekten eng verbunden.“ 150 Mitarbeiter beschäftigt UR-Bau. „Aus der Region für die Region“ ist die Schlagzeile, die über den Projekten steht. „Zeitgemäße, repräsentative Gebäude“ sind Reitenbergers Mission. „Früher waren wir ein reiner Handwerksbetrieb“, sagt er.

Heute befasst er sich mit Bauträgermodellen, schlüsselfertigem Bauen mit der Unterfirma „Varius Massivbau“, mit kommunaler Bauentwicklung und vor allem mit dem „Wohnen 60+“. „Unser Erfahrungsschatz geht inzwischen weit in den Pflegebereich,“ erklärt der junge Firmenchef, in Untermeitingen entsteht in Kürze erstmals ein Pflegeheim unter seiner Regie. Der Großraum Augsburg, die Stadt Augsburg – im Bismarckviertel entstehen 90 Wohneinheiten – und der Landkreis Dillingen sind sein Tätigkeitsfeld.

Wertingen hatte der Jungunternehmer bereits mehrfach im Blick. Das „Wohnen am Mühlpark“ auf dem alten Stadtmühlgelände, anfangs von vielen kritisch beäugt, gehört inzwischen zum gewohnten Bild der Stadt, zum modernen Blickpunkt. Reitenberger hat vor allem zentrumsnahe Grundstücke im Visier. Das „Laugnakarree“ an der Laugnastraße ist im Rohbau fertiggestellt. Skeptiker modernen, verdichteten Bauens beruhigt der junge Mann. Der nackte Rohbau selbst ergebe ein falsches Bild, erst im fertig gestalteten Zustand würden sich Proportionen richtig darstellen. Er halte sich an das, was die Kommune vorgebe. Das sei im Falle der Laugnastraße der Wunsch nach einem modernen Gebäude gewesen.

Innerstädtische Verdichtung werde immer wichtiger, wenn teurer Landverbrauch an der Peripherie der Städte vermieden werden solle. Da müsse man auch mal über Abstandsflächen nachdenken dürfen. Reitenberger will richtungsweisende Gebäude für ein modernes Städtebild schaffen. „Das Alte wird es nicht mehr geben“, sagt er auch ganz klar für Flächen, die er in Wertingen für künftige Entwicklungen erstanden hat. Das alte Schramml-Haus am Eingang der Pfarrgasse ist so eine. Häuser dieser Art seien nicht mehr zu retten. In welcher Form sie eines Tages wieder aufgebaut werden, sei noch nicht klar und zusammen mit der Stadt zu entwickeln. Eine Veränderung sei allein schon wegen der Anzahl der Stellplätze, die gefordert werden, zwingend. Im innerstädtischen Bereich müssten einvernehmliche Lösungen mit der Stadt gefunden werden.

Reitenberger junior schaut durch das Fensterglas. Drüben im Hof spielt der Nachwuchs, Ulrich Reitenberger, der IV. Der kleine Ulrich hat den großen, steinernen Löwen vor der Haustür im Blick. Die Zukunft lässt nicht auf sich warten, sie hat schon begonnen."Diese Woche

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