Angeln

19.05.2015

Der Fang des Lebens

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2 Bilder
Hans Mengele aus Buttenwiesen hat zu Beginn der Fischersaison einen kapitalen Fisch gefangen: Der seltene Marmorkarpfen wog 48 Pfund und war 1,20 Meter groß. Es ist der Fang seines Lebens.
Bild: Bärbel Schoen

Hans Mengele aus Buttenwiesen hat eine seltene Karpfenart aus einem Weiher im Donauried herausgezogen. Das Tier wiegt 48 Pfund und ist 1,20 Meter groß

Das pfeifende Geräusch hat er immer noch im Ohr. „Das muss ein ganz großer sein“, weiß Hans Mengele von diesem Moment an, als die 180 Meter lange Angelschnur in einer hohen Geschwindigkeit ausrollt. Keine zwei Wochen ist es her, dass ein äußerst seltener und dazu noch kapitaler Fisch angebissen hat. Der Marmorkarpfen misst 1,20 Meter und wiegt 48 Pfund.

Hans Mengele ist die Freude immer noch anzumerken, wenn er Fotos wie zum Beweis vorlegt. Immer wieder muss der Postbote seither von seinem Abenteuer berichten, den Kampf mit dem Fisch schildern. Beim „Drill“ habe er seine ganze Kraft aufbringen müssen. 30 Minuten „kämpft“ er mit dem „Gehakten“ bis dieser ermüdet aufgibt.

„Eigentlich hofften wir auf eine schöne Forelle“, erzählt der Vater von drei Kindern. Mit seinem jüngsten Sohn Aaron sei er nach dem offiziellen Saisonstart noch einmal an den Weiher rausgefahren. Tags zuvor waren Besatzfische eingesetzt worden – gute Chancen für einen Fang. Hans Mengele ist nicht allein, als ein Ruck durch seine Angelrute geht. Viele Angelfreunde sitzen ebenfalls am idyllisch gelegenen See und hoffen, dass etwas anbeißt.

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Irgendwann merken alle, dass etwas Besonderes im Gange ist und gesellen sich dazu. Alle wollen den Augenblick des Auftauchens aus der Tiefe miterleben. Was es wohl sein wird? Ein Wels vielleicht? „Mit einem Marmorkarpfen hat keiner gerechnet“, sagt Hans Mengele. Drei bis vier der seltenen und größten Karpfenart müssen nach Berichten älterer Vereinsmitglieder vor 25 Jahren eingesetzt worden sein. Seinerzeit wurden sie aus China eingeführt, um das stehende Gewässer vom starken Bewuchs mit Wasserpflanzen zu säubern. Das Fischen von Marmorkarpfen sei nicht einfach, heißt es. Zum einen weil sie sehr scheu sind, außerdem gute Kämpfer.

Schon als Kind begleitete Hans Mengele seinen Vater, als Jugendlicher zeltete er mit seinen Freunden an der Schmutter bei Blankenburg, um Aale, Barben und Hechte zu jagen. Seit 30 Jahren gehört er dem Fischerverein Pfaffenhofen an. Aber so etwas wie vor zwei Wochen habe er noch nie erlebt: „Das passiert einem nur einmal“, schwärmt er vom Fang seines Lebens.

Aber eigentlich ist ihm an Jagdergebnissen gar nicht so viel gelegen. Mengele: „Mir geht es mehr um das Gesellige und die Natur.“ Für zwei bis drei Stunden die Seele baumeln lassen, „das macht mich zufrieden“. Dem Postboten liegt das artgerechte Fischen am Herzen.

Gerät ihm beispielsweise während der Laichzeit ein Zander an den Widerhaken, lässt er ihn frei. „Die Schonzeiten müssen beachtet werden.“ Dass Fische Schmerzen durch Angelhaken erleiden könnten, daran glaubt Mengele eher nicht. Das Reizthema wird allerdings auch unter Hobbyanglern immer wieder diskutiert.

In der Familie ist Hans Mengele nicht der Einzige, der dem Hobby frönt. Auch seine Frau besitzt den Angelschein, Sohn Aaron wurde schon drei Mal zum Jungfischerkönig gekürt.

Das „Petri Heil“, das er vor zwei Wochen von seiner Frau zugerufen bekam, hat ihm Glück gebracht. Den Angelhaken und den Blinker will er aufbewahren.

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