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Pfingsten

05.06.2017

„Der Heilige Geist ist kein Gespenst“

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3 Bilder
In der Kanzel der Höchstädter Stadtpfarrkirche ist die Taube zu sehen, ein Symbol für den Heiligen Geist.
Bild: Berthold Veh

An Pfingsten feiern Christen die Geburtsstunde der Kirche. In vielen Gotteshäusern in der Region gibt es ein Heilig-Geist-Loch und Darstellungen von Tauben an den Kanzeln. Eine Asbacherin erzählt, wie sie in aussichtslosen Lagen das Wirken des „Atems Gottes“ erfahren hat

An Pfingsten wird der Heilige Geist gefeiert, der einst die Jünger ergriffen hat. Wir nehmen das Fest zum Anlass für die Serie „Geistreich“. Verschiedene Formen des Geistes werden betrachtet – vom Sportgeist über die Stadt des Geistes bis zum Zeitgeist. Lassen Sie sich überraschen!

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Für Gertrud König ist Pfingsten nicht irgendein Fest. Die Mesnerin aus dem Laugnaer Gemeindeteil Asbach bezeichnet den Heiligen Geist, dessen Herabkommen an Pfingsten gefeiert wird, als den „Atem Gottes“. Und der hat im Leben der 73-Jährigen auch einen festen Platz. „Ich bete täglich zum Heiligen Geist, dass er mir das Richtige eingibt“, sagt Gertrud König, als sie von der Anfrage unserer Zeitung überrascht wird. Die Seniorin ist in der Pfarreiengemeinschaft Osterbuch engagiert, sie organisiert dort Altennachmittage. Gertrud König hat in ihrem Leben auch schon einige Schicksalsschläge verkraften müssen. „Ich stand bereits zwei Mal bei Petrus vor der Tür“, berichtet die Asbacherin. „Ärzte sagten, es ist ein Wunder, dass ich noch lebe.“ Wenn sie sich am Boden fühlte, habe sie gebetet: „Komm, Schöpfergeist, kehr bei mir ein.“ Und in Krisen habe sie immer wieder gespürt, „dass da irgendwo jemand da ist“: Der „Herrgott“, sagt Gertrud König, habe für sie in diesen Situationen immer eine neue Aufgabe bereitgehalten.

An Pfingsten ist, wie im Evangelium zu lesen ist, der Heilige Geist über die Jünger gekommen. Deshalb gilt dies „die Geburtsstunde der Kirche“, sagt Dekan Dieter Zitzler (Unterglauheim). Denn erst als die Jünger den Heiligen Geist empfangen hatten, seien sie auch hinaus in die Welt gegangen, um die Frohe Botschaft zu verkünden.

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Dieser Geist „ist kein Gespenst“, sagt der katholische Geistliche. Das Englische unterscheide zwischen ghost und spirit, demnach sei der Heilige Geist spirit. Er sei im Hier und Heute erfahrbar, betont Zitzler – „beispielsweise, wenn es Menschen schaffen, sich zu versöhnen“. Denn versöhnen könne sich keiner allein, weiß Zitzler. Da sei der Heilige Geist am Werk.

Ähnlich sieht es Dillingens evangelischer Stadtpfarrer Manuel Kleiner. Der Heilige Geist sei überall zu finden, in jeder Blume, in jedem Wassertropfen, in jedem Menschen. Allerdings müsse man sich dazu auch vom Geist leiten lassen. „Gott ist ein sehr humorvolles Wesen, er hat den Wunsch, sich in unterschiedlichen Gestalten zu zeigen“, sagt Kleiner und erklärt die Dreieinigkeit Gottes, wie sie Christen verstehen.

Gott Vater sei der Schöpfer, Jesus Christus der Erlöser und Retter, der den Weg weist – und der Heilige Geist der Vollender, der hilft, den Weg zu finden und das Gute zu tun. Der Geist Gottes sei in der Liebe erfahrbar, die den anderen um seiner selbst willen annimmt.

Die Lauingerin Gabriele Kleinle ist seit Jahren in der Pfarrei St. Martin engagiert, in der Kirchenverwaltung, als Kommunionhelferin und im Frauenbund. Sie sei nicht so emotional, dass sie sich vom Heiligen Geist ergriffen fühle. Und gelegentlich kämpfe sie auch mit Glaubenszweifeln. Eines ist für Gabriele Kleinle aber gewiss: „In bestimmten Situationen merkt man, dass der Heilige Geist wirkt.“ Als Kind habe sie sich den Heiligen Geist als Taube vorgestellt, allerdings seien die zu Hause nicht weiß, sondern eben grau gewesen. „Wenn Dinge gut ausgegangen sind, denke ich oft, dass das eine Fügung Gottes gewesen ist“, sagt Gabriele Kleinle. Allerdings gebe es dann Zweifel bei schlechten Erfahrungen und angesichts des Leids.

In Kirchen wird der Heilige Geist als Taube dargestellt. Sie ist unter anderem an den Kanzeln zu finden. Der Heilige Geist sollte den Predigern die richtigen Worte eingeben, erläutert der Höchstädter Stadtpfarrer Daniel Ertl. In der Stadtpfarrkirche gibt es wie in vielen anderen Gotteshäusern ein Heilig-Geist-Loch. Ertls Vorgänger Roland Bise ließ dort an Pfingsten Rosenblätter herunterregnen – als Erinnerung daran, dass der Heilige Geist einst in Feuerzungen über die Jünger gekommen sei. Und auch am Aloisius-von-Gonzaga-Altar (ein Missionar) ist das Pfingstgeschehen dargestellt. Maria sitzt im Kreis der Jünger – und darüber schwebt eine Taube.

Daniel Ertl hält das Pfingstfest hoch. „Ohne den Heiligen Geist wäre die Botschaft Jesu versandet, weil die Jünger ängstlich und mutlos waren“, sagt er. Der Heilige Geist, so Ertl, sei dafür verantwortlich, dass es mit dem Glauben weitergeht. Er schaffe die Verbindung zu Jesus.

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