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Wertingen

09.08.2018

Der Skulpturenpfad hat seine blauen Stelen wieder

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2 Bilder
Der Künstler Bert Meinen aus Holland hat die zerstörten Skulpturen für den Kunstpfad im Donauried durch neue ersetzt.

 Ein Sturm hatte Säulen des holländischen Künstlers Bert Meinen auf dem Weg bei Wertingen umgestürzt. Jetzt sorgte der Meister mithilfe des Betriebshofs für Ersatz.

Für die Ewigkeit sind die Installationen und Kunstwerke auf dem Skulpturenweg im Donauried nicht gedacht. Die Natur darf und soll in die Gestaltung mit eingreifen. Manchmal geht sie jedoch mit zerstörerischer Wucht vor. So legte ein Wintersturm Anfang des Jahres einige der elf blauen Stelen des niederländischen Künstlers Bert Meinen um. Allerdings hatten zuvor schon Tiere „gute“ Vorarbeit geleistet: Ameisen unterhöhlten den Untergrund und Spechte hauten immer größere Löcher in die fünf Meter hohen Hölzer, die wie Paddel am Waldesrand wirken.

Seit der Gründung vor 13 Jahren zieht sich der Skulpturenweg (Hier lesen Sie einen weiteren Bericht) vom Reutenhof in Wertingen vorbei an der Keltenschanze bis nach Pfaffenhofen. Für den Landkreis Dillingen und den Regionalverein Donautal-Aktiv bringt dieses Kunstprojekt eine höhere Wertschätzung für die Region als Naherholungs- und Erlebnisraum. Schließlich ist das Donauried nach der Lüneburger Heide die zweitgrößte unbebaute Fläche Deutschlands mit zahlreichen Natur- und Vogelschutzgebieten. Der Skulpturenweg ist an die Via Danubia angebunden, wo einst Römer ihre Spuren hinterlassen haben. Mit Mahnmalen, Waldzeichen und einer Erzählkugel senden die Künstler eigene Botschaften aus und legen neue Spuren.

Nach der teilweisen Zerstörung der Installation „Donau-Blau“ war es für die Stadt keine Frage, eine Restaurierung ins Auge zu fassen. Die Stelen kontrastierten bisher eindrucksvoll durch ihre tiefblaue Farbe mit den dahinter stehenden dunklen Fichtenbäumen und faszinierten Radfahrer und Fußgänger. Mit jedem Schritt eröffneten sich immer neue Sichtweisen, hier der herrliche Blick ins weite Donautal, dort die Begrenzung durch den Wald. Seit Donnerstag stehen sie nun wieder, leuchten von weitem und bieten einen reizvollen Anblick. Sattes Blau dringt durch den Wald, in Augenhöhe warnt rote Farbe den Betrachter vor eventuellem Frevel. Wie Wächter stehen die Stelen am Wegesrand.

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Andreas Kraus vom Wertinger Betriebshof hatte im Vorfeld die Pläne des Künstlers umgesetzt und die fünf Meter langen Fichtenbretter entsprechend zersägt, zusammengesetzt, verleimt und grundiert. Für den letzten Anstrich sorgte Bert Meinen dann selbst. Er legte für die Aktion 700 Kilometer von Holland bis nach Wertingen zurück. Seit Sonntag weilt er mit seiner Frau in der Zusamstadt, wo er im Hotel Zum Hirsch untergebracht ist. „Ich bin bereits zum fünften Mal da“, erzählt der 1945 geborene Bildhauer. Ihn verbindet eine tiefe Freundschaft mit Herbert Dlouhy, dem Initiator des Skulpturenweges. Beide hatten sich vor über 25 Jahren bei einem Bildhauer-Symposium in Finnland kennen- und schätzen gelernt. Im Wertinger Schloss hat Bert Meinen in der Vergangenheit schon einmal ausgestellt. „Ohne Herbert wäre hier in Wertingen nicht viel passiert“, lobt er dessen Engagement und Durchhaltevermögen.

Für Andreas Kraus, den gelernten Schreiner vom Wertinger Betriebshof, sollte es eine außergewöhnliche Begegnung mit dem Künstler sein. „Ich fühle mich geehrt“, sagte er gestern nach getaner Arbeit. In nur zwei Stunden hatten Bert Meinen, Andreas Kraus und Oskar Gumpp die elf Stelen in das Fundament gewuchtet und mit starken Schrauben und Metallplatten befestigt. Danach blieb Zeit, das Werk zu betrachten. „Die Umgebung hat sich verändert“, stellt Meinen fest. Der Künstler erinnert sich zurück, wie er vor 13 Jahren die Idee entwickelte und den Rhythmus der hohen Fichten in seinen Stelen mit aufnahm. Inzwischen haben sich Birken vorgedrängt und eskortieren die blauen Hölzer. „Ich erinnere mich auch daran, dass ich die blaue Donau sehen konnte“, erzählt Meinen. Der Blick wird mittlerweile durch wuchernde Gehölze verwehrt. Nichts bleibt, wie es einmal war. „Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet.“ Der Satz stammt von dem französischen Maler Paul Cécanne (1839 - 1908). Er lädt ein, sich wieder einmal den elf Unikaten im Donauried zu widmen. Die Schöpfer der Skulpturen versuchen, Begebenheiten aufzuzeigen und wieder bewusst zu machen. Die Anregungen und Assoziationen können weit über den Alltag hinausreichen.

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