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Landkreis Dillingen

30.07.2015

Der Widerstand gegen die Flutpolder ist groß

„Wir wollten den Leuten das Gefühl geben, frei sprechen zu können.“Dr. Kurt Nunn, Wasserwirtschaftsamt Donauwörth

Im Höchstädter Schloss hat der Hochwasserdialog begonnen. Medien waren dazu nicht eingeladen

Landkreis/Höchstädt Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat am Dienstag zum Runden Tisch im Schloss Höchstädt eingeladen. Vertreter aus Kommunalpolitik, Landwirtschaft, Naturschutz, Bürgerinitiativen und Wirtschaft aus der direkt betroffenen Region sowie dem unmittelbaren Wirkungsbereich der beiden geplanten Flutpolderstandorte Höchstädt-Blindheim und Schwenningen-Tapfheim machten ihre Standpunkte deutlich.

Vereinzelt äußerten Bürger nach Informationen unserer Zeitung Kritik, dass die Medien zum Start des Hochwasserdialogs nicht eingeladen waren. Dr. Kurt Nunn vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, das den Dialog anberaumt hatte, sagte auf Anfrage, dass die Behörde bewusst auf diese Kommunikations-Form gesetzt habe. „Wir wollten den Leuten das Gefühl geben, frei sprechen zu können“, teilte Nunn mit. Es sei aber künftig beabsichtigt, bei einzelnen Veranstaltungen die Presse einzuladen.

Gestern informierte das Wasserwirtschaftsamt in einer Pressemitteilung über den Dialog in Höchstädt. Auf Antrag des Wasserwirtschaftsamtes wurde im Juni 2015 die vorläufige Sicherung der geplanten Flutpolderstandorte vorgenommen, um diese vor neuen baulichen Eingriffen zu schützen. Sowohl von den betroffenen Gemeinden als auch vom Bayerischen Bauernverband, dem Umweltverband Bund und Interessensgemeinschaften gibt es starken Widerstand – es wurden bereits zahlreiche Klagen gegen die vorläufige Sicherung eingebracht (wir berichteten). Kritisiert wird hier unter anderem die unverhältnismäßig hohe Belastung durch geplante Flutpolderstandorte im Raum Dillingen. Besonders die Grundwassersituation bereitet den Anrainern Kopfzerbrechen: Es besteht die Befürchtung, dass es zu einem Anstieg des Grundwassers in bebauten Flächen und somit nassen Kellern kommen könnte. Landwirte erwarten Verluste an ihren Produktionsflächen durch die notwendigen Deichbauten sowie Einschränkungen in der Bewirtschaftung und Wertverlust der Flächen. Naturschützer sagen die nachhaltige Zerstörung von Lebensräumen im Fall einer Flutung vorher.

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Beim Runden Tisch und Vorgesprächen wurden die Kritikpunkte der Interessensvertreter durch Moderatoren aufgenommen. Diese fließen, so die Pressemitteilung, in die kommenden Schritte des Hochwasserdialogs mit ein. Die Betroffenen wollen, dass sich die Diskussion nicht nur auf Flutpolder beschränkt, sondern Alternativen miteinbezieht. Neben der Schaffung von zusätzlichem natürlichem Rückhalt durch Deichrückverlegungen werden der dezentrale Rückhalt in den Donauzuflüssen sowie noch nicht ausgeschöpfte Potenziale des Staustufenmanagements genannt.

Detaillierte Untersuchungen Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth gab einen Überblick über den derzeitigen Projektstand. Die vorläufig gesicherten Flächen stellen noch nicht etwaige Poldergrenzen, sondern erst einen räumlichen Umgriff dar. Bevor im Rahmen eines Raumordnungsverfahrens unterschiedliche Varianten betrachtet werden, erfolgen Erhebungen und Berechnungen. Aktuell umfasst dies Untersuchungen zu optimalen Rückhaltestandorten – diese beziehen Flächen im Süden der Donau mit ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Erstellung eines detaillierten Grundwasser-Sondermessnetzes.

So geht es weiter Der Runde Tisch in Höchstädt stellt den offiziellen „Startschuss“ des Hochwasserdialogs vor Ort dar. Grundlegende Fragestellungen sollen im Herbst in überregionalen Diskussionsforen von Interessenvertretern und unabhängigen Fachleuten behandelt werden. Anschließend werden dann regionale Diskussionsforen über mögliche Auswirkungen von Flutpoldern auf den Grundwasserstand, landwirtschaftliche Flächen sowie Naturschutz und Lebensqualität vor Ort stattfinden. Betroffene Anwohner und Landwirte werden nach Angaben des Amts ebenfalls eingeladen, bei mehreren „Vor-Ort-Gesprächen“, ihre persönliche Situation zu erklären und Fragen einzubringen.

Das passiert mit den Ergebnissen Die Ergebnisse der einzelnen Schritte des Hochwasserdialogs werden von den beauftragten Wiener Moderationsbüros Tatwort und Plan-Sinn dokumentiert und fließen in die Planungen mit ein. Der Dialog wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Tapfheims Bürgermeister Karl Malz kommentierte gegenüber unserer den Hochwasserdialog mit den Worten: „Das Einlullen hat begonnen.“ Die Gemeinden Tapfheim und Schwenningen lehnen seinen Worten zufolge einen Flutpolder in ihren Kommunen auf Basis der gegenwärtig bekannten Datengrundlage entschieden ab (Bericht folgt.).

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