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Nachwuchs

18.02.2018

Der erste Schrei im Donau-Ries?

Sie kamen im Nördlinger Stiftungskrankenhaus auf die Welt (von links): Mia König (geboren am 13. Februar), Yannis Tuffentsammer (13. Februar), Willi Kirchenbaur (12. Februar). Künftig könnten auch Schwangere aus dem Nachbarlandkreis auf die Donau-Rieser Kliniken ausweichen.
Bild: Martina Bachmann

Die Geburtshilfe am Dillinger Krankenhaus wird für Monate geschlossen. Welche Auswirkungen das auf die Kliniken im Nachbarlandkreis hat und wie dort die Situation ist

Monatelang wird die Geburtshilfe dicht sein: Im Dillinger Krankenhaus können zwischen dem 23. März und dem 30. Juni keine Kinder geboren werden. Hintergrund sei Personalmangel, hieß es vonseiten des Aufsichtsrats und der Geschäftsführung im Donautal (wir berichteten). Die Schwangeren müssen sich eine Alternative suchen und die ersten haben sich bereits in der Donauwörther Klinik gemeldet, wie Oberärztin Anne-Kathrin Geisler bestätigt: „Wir hatten in der vergangenen Zeit einige Geburten und auch telefonische Anfragen.“ Doch gibt es in den Kliniken im Landkreis Donau-Ries auch genug Platz für die Schwangeren aus dem Nachbarlandkreis?

„Die Kapazitäten sind auf jeden Fall da“, sagt Oberärztin Geisler. Das bestätigt der Geschäftsführer des gemeinsamen Kommunalunternehmens Donau-Ries Kliniken und Seniorenheime (gKU), Jürgen Busse. Derzeit kämen in Nördlingen und in Donauwörth jeweils zwischen 500 und 600 Kinder auf die Welt, Kapazitäten habe man aber je für 800 oder 900 Geburten. Schon in den vergangenen Jahren waren vor allem Frauen aus Orten entlang der Landkreisgrenze, etwa Schwenningen, ohnehin nach Donauwörth zum Entbinden gefahren. In den Krankenhäusern im Donau-Ries gebe es insgesamt sechs Kreißsäle. Busse versichert: „Die werden an 365 Tagen offen sein. Wir sind absolut in der Lage, alle Eltern, die zu uns kommen zu versorgen.“ In Donauwörth sind die Ärzte der Frauenklinik fest angestellt, Chefarzt ist dort Dr. Armin Both. Ende vergangenen Jahres habe eine Hebamme, die zuvor in Dillingen gearbeitet habe, in Donauwörth angefangen, berichtet Busse: „Weil wir so eine nette Gruppe sind, hat sie gesagt.“ Drei weitere könnten noch dazu kommen, davon eine ebenfalls aus dem Donautal. Busse betont aber, er werbe keine Fachkraft aus dem Nachbarlandkreis ab, die Frauen hätten sich selbst beworben. Chefarzt Both sei überregional bekannt. Sein guter Ruf mache es leicht, neues Personal zu finden. In Nördlingen handelt es sich bei der Geburtshilfe um eine Belegabteilung der Gynäkologischen Gemeinschaftspraxis Dr. Schaich, Dr. Hübner und Dr. Bekker (Schäfflesmarkt).

GKU-Geschäftsführer Busse sagt: „Wir behalten unsere Geburtstationen. Da kommen jährlich mehr als 1000 Kinder zur Welt.“ Im Krankenhausplan Bayern würden auch beide als notwendig erachtet. Zudem werden Abteilungen, in denen jährlich weniger als 800 Babys geboren werden, künftig besser gefördert. Der Freistaat wolle einen Defizitausgleich zahlen – wie viel, das stehe noch nicht fest, so Busse.

Eine derjenigen, die den Babys auf die Welt hilft, ist Birgit Landwehr. Die Auhausenerin ist Sprecherin der rund 30 Hebammen im Kreis: „Ich glaube, bei uns verteilt es sich noch gut. Aber wir haben auch alle keine Langeweile.“ Dass die Dillinger Geburtshilfe vorübergehen geschlossen werde, bezeichnet Landwehr als „schwierig“. Denn gerade beim zweiten oder dritten Kind könne eine Geburt schon mal schnell gehen – in rund drei Stunden könne der Nachwuchs da sein. Die Frau müsse in dieser Zeit erst einmal realisieren, dass es sich tatsächlich um Geburtswehen handle: „Wenn man schon ein Kind geboren hat, dann geht man ja auch nicht bei der ersten Wehe ins Krankenhaus. Da kann der Weg schon lang werden.“ Eine Alternative kann für manche Frauen eine Hausgeburt sein, neben Landwehr bieten das noch zwei andere Hebammen im Landkreis Donau-Ries und darüber hinaus an. Es gebe allerdings einen Katalog von Ausschlusskriterien von den Krankenkassen, sagt Landwehr: Wenn die Mama beispielsweise Diabetes oder einen hohen Blutdruck habe und der Nachwuchs mit dem Popo voran auf die Welt kommen wolle, sei eine Hausgeburt nicht möglich. Treffe kein Kriterium zu, könne man sich eine Hebamme aussuchen, die dann bei der Geburt da ist. Werdende Mütter sollten sich schon im ersten Drittel der Schwangerschaft melden, sagt Landwehr.

Telefonnummern und Informationen gibt es im Internet unter www.hebammenliste-donauries.de.

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