1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Der „promovierte Gas-Wasser-Installateur“

Höchstädt

01.07.2015

Der „promovierte Gas-Wasser-Installateur“

Auf der einen Seite ist die Arbeit, mit Anzug und Krawatte. Auf der anderen Seite, in der Freizeit, zieht es Dr. Günter Stoll in die Natur. Ein Leben in der Großstadt hätte er sich nicht vorstellen können.
Bild: Sartor

 Dr. Günter Stoll ist der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Grünbeck. Schon in seiner Kindheit wurden die Weichen für seinen Beruf gestellt / WZ-Serie 1

Wer ist der Mensch, der die Geschicke einer Firma lenkt? Was ist seine Geschichte? Was sind seine Visionen für die Zukunft? Und was macht er eigentlich privat? In unserer neuen Serie „Gesichter aus der Chefetage“ blicken wir hinein in die Büros der Firmenbosse.

Höchstädt Wasser ist sein Element. Das war es schon immer. Er lernte früh schwimmen, machte sein Rettungsschwimmer-Abzeichen, war lange Zeit im Schwimmsport aktiv, ging häufig tauchen. „Das Thema Wasser hat mich ein Leben lang begleitet“, sagt Dr. Günter Stoll. Auch heute ist das noch so. Denn Stoll ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Grünbeck Wasseraufbereitung in Höchstädt.

Angefangen hat alles im elterlichen Betrieb für Gas-Wasser-Installation. „Da musste man früh mitarbeiten und sich mit dem Thema auseinandersetzen“, sagt Stoll, der dann auch eine Ausbildung zum Gas-Wasser-Installateur machte. Später studierte er an der Technischen Universität München Maschinenbau, arbeitete dort nach dem Examen vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schrieb dann seine Doktorarbeit. „Ich bin ein promovierter Gas-Wasser-Installateur“, sagt Stoll und lacht. Diese Praxis, die er in seiner Ausbildung kennengelernt hat, sei für seine heutige Arbeit enorm wichtig. Er versetze sich noch immer oft in die Rolle des Handwerkers und habe so eine andere Sicht auf die Produkte der Firma.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Nach seiner Promotion – er überprüfte am Computer, wie montagefreundlich ein Produkt in der Realität ist – stieg Stoll, der ursprünglich aus Donauwörth kommt, im Jahr 1994 bei Grünbeck als Entwicklungsleiter für Haustechnikprodukte ein. 1998 bekam er Prokura, wurde technischer Leiter. Im Jahr 2000 dann wurde er technischer Geschäftsführer, 2008 übernahm er zudem den Vertrieb. Seit 2010 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung. Und seit Kurzem ist Stoll Präsident der Bundesvereinigung der Firmen im Gas- und Wasserfach.

Er habe nach seiner Zeit an der Universität auch Angebote großer Konzerne gehabt – doch die schlug er aus. „Denn im Mittelstand hat man die Möglichkeit, schneller Verantwortung zu übernehmen“, sagt Stoll. Außerdem wollte er immer schon zurück aufs Land. „Ich bin ein Landkind, ich habe die Zeit in München genossen, aber mir war klar, dass ich mein Leben nicht in der Großstadt verbringen will. In München hat mir einfach die ländliche Ruhe gefehlt“, sagt der 53-Jährige. Deswegen verbringt er seine Freizeit auch gerne draußen, geht an der Donau spazieren, wirft mit seiner kleinen Tochter Steine in den Baggersee.

Wenn Stoll in die Zukunft blickt, weiß er um die Aufgaben, die auf seine Branche noch zukommen. „In Deutschland sterben mehr Menschen an schlechtem Trinkwasser, zum Beispiel an Legionellen, als bei Verkehrsunfällen. Etwa 4500 Menschen im Jahr. Wenn man das hört, weiß man, dass sehr große Herausforderungen auf uns zukommen“, sagt Stoll. Die Wasseraufbereitung sei etwa bei über 100 Jahre alten Gebäuden gefordert, in denen das Wasser in den alten Leitungen bis zur Entnahmestelle nicht heiß genug bleibe – eine Quelle für Keime.

Um künftige Herausforderungen zu meistern, komme es auf den Einsatz seiner Kollegen an. „Wir leben von den Ideen und Gedanken unserer Mitarbeiter. Das ist keine One-Man-Show.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren