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26.09.2009

Der zehnte Neuling im Deutschen Bundestag

Donauwörth/Nördlingen Muss man eigentlich ein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass nach dem Urnengang am morgigen Sonntag Ulrich Lange (CSU) Nordschaben als direkt gewählter Abgeordneter in Berlin vertreten wird? Wohl kaum. Der Nördlinger wird dann der zehnte "Neuling" sein, der aus unserem Bundeswahlkreis in die Hauptstadt - heute Berlin, früher Bonn - entsandt wird, wie ein Blick in die 60-jährige Geschichte der Bundesrepublik zeigt.

Die Christsozialen stellen seit Beginn der Bundesrepublik in ununterbrochener Reihenfolge den Direktabgeordneten. Bisher waren es fünf an der Zahl. Die SPD entsendet seit 1972 eine/n Abgeordnete/n über die Landesliste. Über die Landesliste einer Partei erhielten auch Doris Meyer (CSU/für eine Wahlperiode) und Josef Grünbeck (FDP/von 1983 bis 1994) ein Mandat.

Damals noch mit Neuburg Stadt und Land

16 Parteien traten zur ersten Wahl des Deutschen Bundestages am l 14. August 1949 an. Der "Bundeswahlkreis Donauwörth" bestand aus den Kreisen Donauwörth, Nördlingen, Neuburg-Land und Neuburg-Stadt. Für die CSU gewann das zu vergebende Mandat Buchdruckereibesitzer Martin Loibl aus Neuburg. Durch Loibls frühen Tod l 1951 war nach dem damaligen Wahlgesetz eine Nachwahl erforderlich. Bundeslandwirtschaftsminister Prof. Dr. Wilhelm Niklas aus Fischbachau (Oberbayern) gewann mit 42,9 Prozent.

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Niklas zog sich bereits l 1953 aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurück. Sein Nachfolger als MdB wurde Müllermeister Philipp Meyer (Tapfheim-Oppertshofen), wiederum von der CSU. Nunmehr hatte der Wähler zwei Stimmen: eine für den Wahlkreisbewerber, die andere für eine Landesliste.

Meyer wurde l 1957 wiedergewählt (man konnte übrigens erstmals per Briefwahl seine Stimme abgeben) und außerdem nochmals l 1961. Nach schwerer Krankheit verstarb er im Januar 1962. Der "Wahlkreis 239" war daher verwaist.

l 1965 hatte sich bei der Nominierung der CSU Karl Heinz Lemmrich (seit 1961 über der Landesliste Bundestagsabgeordneter) gegen Dr. Alfred Böswald (Donauwörth) durchgesetzt. Der gebürtige Thüringer und später in Rain wohnhafte Lemmrich holte das Mandat, das er 27 Jahre ausübte.

l 1969 wurde Lemmrich im nunmehrigen "Bundeswahlkreis 240" wiedergewählt, die SPD hatte Dr. Axel Wernitz (Nördlingen) aufgeboten. Noch am Wahlabend war die sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt geboren worden.

Die Bundestagswahl l 1972 war dann eine vorgezogene. Jetzt galt auch ein aktives Wahlalter von 18 Jahren und sie war in Nordschwaben gleichzeitig die letzte mit der alten Wahlkreis-Einteilung, also mit Stadt- und Landkreis Neuburg. Lemmrich gewann wiederum. SPD-Kandidat war Dr. Axel Wernitz, seit 1970 Landtagsabgeordneter. Er zog über die bayerische Liste der Sozialdemokraten erstmals ins Parlament in Bonn ein.

"Freiheit statt Sozialismus" gab Helmut Kohl bei der Bundestagswahl l 1976 heraus, doch die Bürger/innen bestätigten am 3. Oktober jenen Jahres Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der neue "Wahlkreis 240" bestand aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen. Abgeordnete: Lemmrich (direkt) und Wernitz (über die Liste). Erstmals einen CSU-Mann als Unions-Kanzlerkandidaten gab es mit Franz Josef Strauß bei der Wahl l 1980, die mit einer klaren Niederlagen für die Konservativen endete. Lemmrich und Wernitz gehörten weiterhin dem Parlament an. Nachdem 1982 die Koalition zerbrochen und Kohl zum Kanzler gewählt war, gab es erst am l 6. März Neuwahlen. Abgeordnete: Lemmrich/Wernitz und der Höchstädter Unternehmer Josef Grünbeck, der für die FDP ins Rennen ging, der auch ein Landtagsmandat hatte.

Nordschwaben hatte drei Abgeordnete

Die Bundestagswahl l 1987 wartete ebenfalls mit einer Neuerung auf: Auch deutsche Staatsbürger, die im Ausland leben, konnten von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Sie fand am 25. Januar statt. Karl-Heinz Lemmrich (CSU) musste mit 61,2 Prozent das "schwächste" Ergebnis seiner politischen Karriere hinnehmen; am 5. August 1988 legte er sein Mandat nieder und wechselte zur Rhein-Main-Donau AG. Weitere Abgeordnete: Wernitz (Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses) und Grünbeck.

Neuer Direktkandidat für die CSU in Nordschwaben wurde bei der Wahl am l 2. Dezember 1990 der Oettinger Bürgermeister und Bezirksrat Hans Raidel. Diese hatte auch historische Dimensionen: Sie war die erste gesamtdeutsche Wahl nach Öffnung der Berliner Mauer. Neben Raidel gehörten Dr. Wernitz und Josef Grünbeck dem Parlament an. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 75,0 Prozent einen Tiefstand.

Bundestagswahl l 1994: Die SPD schickte mit der Nördlingerin Gabriele Fograscher eine Frau in die bundespolitische Arena (die sich gegen den Gundelfinger Walter Hartshauser durchsetzte). Raidel verteidigte sein Mandat und kam sogar auf 60,6 Prozent (+5,6). Fograscher schaffte 26,1 Prozent, zog aber - wie ihr Vorgänger Wernitz - über die bayerische Liste in den nun wieder aus fünf Parteien bestehenden Bundestag ein. Die Wahlbeteiligung: 75,9 Prozent. An Umfang - flächen- wie stimmenmäßig - hatte der Wahlkreis 240 bei der Entscheidung am l 27. September 1998 zugelegt: aus der Region Pöttmes kamen acht Kommunen dazu. Gerhard Schröder, Ministerpräsident in Niedersachsen und mit persönlichen Bindungen nach Tagmersheim, wurde zum Kanzler-Kandidaten ausgerufen und die Mehrheit der Bürger wollte den Wechsel - es gab eine rot-grüne Bundesregierung. Abgeordnete aus Nordschwaben: Raidel und Fograscher. Die Wahlbeteiligung "erholte" sich und kletterte auf 79,1 Prozent.

Kreis- und Gemeinderätin Doris Meyer (Müllermeisterin aus Tapfheim-Oppertshofen) stand auf der CSU-Landesliste auf Platz 24 und wäre am Ende der Wahlperiode erste Nachrückerin gewesen.

Ab 2002 gab es eine neue Wahlkreis-Nummer

Zur Wahl am l 22. September 2002 war der Bundestag von 666 Sitzen auf 598 verkleinert worden. Der heimische Wahlkreis erhielt nun die Nummer 255. Im Amt bestätigt: direkt beziehungsweise über die Liste Raidel und Fograscher. Und die Wahlbeteiligung war fast wieder wie in früheren Zeiten: 81,8.

Im Herbst l 2005 kam es dann zu vorgezogenen Neuwahlen des Bundestages. Raidel und Fograscher wurden "Mitglieder" einer Großen Koalition.

l 2009 trägt der Wahlkreis die Kennziffer 254. Er wird definitiv ein neues direkt gewähltes MdB erhalten, wiewohl er auch weiterhin von Fograscher vertreten sein wird. Ihr Listenplatz garantiert den Wiedereinzug.

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