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Wertingen

04.07.2019

Die Birnbäume bekommen mehr „Wächter“

Herbert Dlouhy (rechts) ist dabei, als Mitarbeiter des Wertinger Betriebshofes die Skulptur von Norbert Zagel (Zweiter von rechts) in der Hohenreichener Birnbaumallee aufstellen.
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Herbert Dlouhy (rechts) ist dabei, als Mitarbeiter des Wertinger Betriebshofes die Skulptur von Norbert Zagel (Zweiter von rechts) in der Hohenreichener Birnbaumallee aufstellen.
Bild: Bärbel Schoen

Zwischen Hohenreichen und Possenried wächst der neue Skulpturenpfad weiter. Mit Bert Meinens blauer Holz-Stele und Norbert Zagels Metall-Stele sind es jetzt sechs Kunstwerke.

Vor einem Jahr startete der Bildhauer Herbert Dlouhy mit Unterstützung der Stadt Wertingen eine weitere Initiative vor seiner Haustür in Hohenreichen. Die Idee schwebte ihm da schon länger durch den Kopf: Einen neuen kulturellen Weg zu erschaffen, der sich durch die Wertinger Landschaft bahnt – ähnlich dem Skulpturenweg im Donauried, den er vor 13 Jahren ebenfalls initiiert hatte.

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Am vergangenen Montag war der 76-Jährige selbst dabei, seinem Künstlerkollegen aus Biberbach/Egglhof, Norbert Zagel, dabei zu helfen, eine Skulptur aus seinem VW-Kombi zu hieven. 45 Kilogramm schwer, 2,30 Meter hoch. Sie zeigt bei näherer Betrachtung eine menschliche Gestalt trotz starker Reduzierung. Das Thema bewegt den Bildhauer vom Egglhof seit Jahrzehnten: „Ja, das ist eine meiner Schwerpunkte in der Arbeit“, erzählt er, während er Maß nimmt, mit einem pendelnden Gewicht für den geraden Stand sorgt und zwei Mitarbeiter des Betriebshofs für die Befestigung sorgen. Auf seiner Homepage www.atelier-zagel.de hat Zagel die Entstehung dieser Skulptur in Einzelschritten dokumentiert. Die Skulptur entstand aus Stahlblechen. Die Flächen wurden geschnitten, geformt und verschweißt. Zum Schluss erhielt die Figur durch Abätzen eine Rostpatina.

Neue Skulpturen für die Hohenreichener Birnbäume

Der Mensch, sein Zusammenleben und die dadurch entstehenden Dynamiken beschäftigen Norbert Zagel seit langer Zeit. Beispiele seines künstlerischen Wirkens gibt es zuhauf, nicht nur in der Region. Die drei „Riedgucker“ am Skulpturenweg im Donauried stammen von ihm, zuletzt hat er sich in Augsburg beim Diako und im Augsburger Gaswerk mit eindrucksvollen Skulpturen einen Namen gemacht. In Magdeburg hat er 2003 ein Bürgerdenkmal, eine Plastik aus Bronzeguss und Edelstahl, geschaffen. Es soll die Bürger an die Montagsdemonstrationen zu DDR-Zeiten erinnern und verdeutlichen, dass Zivilcourage und Solidarität zur Freiheit führen können.

Die Birnbäume bekommen mehr „Wächter“

Doch zurück zur Birnbaum-Allee: Herbert Dlouhy ist mit 76 so alt wie die meisten Birnbäume hier. Mit den ersten vier Stelen aus Eichenholz und Stahl, die er der Stadt Wertingen vermacht hat, fing der im Sudetenland geborene Künstler an, den neuen Skulpturen-Pfad zu bestücken. Unverkennbar dabei die markante Handschrift. Seine Skulpturen wirken wie Zeichen und Urmuster mitten in der Landschaft. Sie sollen auf die Birnbäume aufpassen. Denn Dlouhy liebt die Natur, seine Skulpturen nehmen ihren Rhythmus auf. Wenn die „Wächter“ morgens von der Sonne angestrahlt werden, entstehen variantenreiche Schatten, neue Perspektiven und Raum für individuelle Interpretationen. Auch Bert Meinens Stele mit dem Wächterauge hat einen exponierten Platz bekommen, und deren blaue Seite fängt mit der Morgensonne an zu leuchten.

Vor drei Jahren wurden zwischen den bestehenden 50 Bäumen 16 junge nachgepflanzt, ausschließlich alte Sorten. 300 Jahre alt können sie werden. Im Landkreis Dillingen gehört die Allee mit zu den schönsten; in Verbindung mit Skulpturen ist sie wohl einzigartig. Die Natur hat Herbert Dlouhy schon immer gern als Mitschöpferin einbezogen, wenn es um Kunst ging. „Mit jeder Skulptur wird die Allee aufgewertet.“ Rost und altes Eichenholz – damit würden die Birnbäume mehr Würde erhalten.

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