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Zukunft

25.07.2018

Die Elektrowende geht in der Region langsam voran

Die Ladesäule in Wertingen ist eine willkommene Ergänzung.
Bild: Karl Klein

Bei manchen Gemeinden springt der Funke für den elektrischen Antrieb noch nicht über. Wertingen gilt als Vorreiter

Der gebürtige Wertinger Karl Klein steht mächtig unter Strom. Im positiven Sinne. Denn seit Kurzem kann der stets freundliche Chef der Esso-Tankstelle über eines sicher sein: Bald werden auch Kunden mit Fahrzeugen ohne Verbrennungsmotoren an seiner gut frequentierten Anlage vorfahren: Elektromobile. Dabei können jeweils zwei Autos gleichzeitig „tanken“ innerhalb einer knappen halben Stunde. Allerdings halten sich solche freudigen Ereignisse im Zusam- und Laugnatal noch in Grenzen, die E-Mobilität läuft wie im übrigen Teil der Republik eher auf Schwachstrombasis.

Bis 2020 sollten über Deutschlands Straßen nach Vorstellungen der Bundesregierung eine Million „Stromer“ fahren, tatsächlich sind nur knapp 60000 Elektrofahrzeuge unterwegs. Die dafür vorgesehenen Förderprämien, die sich Bund und Industrie teilen, werden von den Bürgern und potenziellen E-Mobil-Chauffeuren nicht so häufig abgerufen wie erhofft. Die Zahl der Ladestellen im Bundesgebiet wächst zwar, könnte Fachleuten zufolge aber bei einem plötzlichen Kaufanstieg bei den Alternativantrieben mit der Nachfrage kaum Schritt halten. Und auf dem Land wie in unserer Region herrscht bei dem Thema nach wie vor die Skepsis vor, wie eine Umfrage unserer Zeitung jetzt ergab. Zwar findet man in den Rathäusern zwischen Villenbach und Buttenwiesen die von Experten vorgestellten Mobilitätsmodelle zur Nutzung von Elektrowagen in Ordnung, die allerdings eher für die urbanen Gebiete gelten würden.

„Für eine Großstadt mag das noch angehen, hier bei uns muss sich das erst noch entwickeln“, begründet der Bürgermeister von Laugna, Johann Gebele, sein vorsichtiges Vorgehen. „Der Bedarf und die Nachfrage sind schwach.“ Bereits eine Ladestation stelle für so eine kleine Gemeinde eine große Investition dar. Zwar werde das Thema im Gemeinderat immer wieder zur Sprache kommen, könne man sich etwa eine im Bereich des Rathauses im Kernort Laugna vorstellen. Aber, so der erste Mann der Kommune, momentan stehe der enorme Aufwand in keinem Verhältnis zum erwartbaren Nutzen. Eher im gemäßigten Tempo nähert man sich auch in der größeren Gemeinde im unteren Zusamtal der E-Antriebstechnik. Zwar fährt laut Buttenwiesens Rathauschef Hans Kaltner ein dienstlicher Renault Kangoo seit einiger Zeit mit Energie aus der Steckdose und soll es in wenigen Wochen Tankmöglichkeiten zwischen Ärztehaus und Bank geben. Allerdings erst in Form einer Station mit zwei Anschlüssen. Eine Art Konzept sei entstanden, jedoch noch mit einigen Fragezeichen versehen.

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Ein paar Antworten liefert Hans Kaltner schon jetzt. So machte er mögliche Aufladepunkte beim Dorfladen in Lauterbach aus, in Buttenwiesen bei Passiflora sowie in Frauenstetten nahe Elektro Hartl. Und: „An uns Kommunen liegt es, eine Vorreiterrolle zu übernehmen, um das Thema voranzubringen.“ Dabei geht der große Nachbar im Süden mit bestem Beispiel voran. Eigentlich hatte Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier schon bei einer früheren Dienstbesprechung im Landratsamt vor sogenannten „Bürgermeister-Ladesäulen“ und zu viel Symbolik gewarnt. Seine Forderung nach „echten Maßnahmen“ finden sich in relativ großen Schritten Richtung Elektromobilität an der Zusam. Auf die nachdrückliche Initiative der Stadt kamen dort mehrmals Industrie- und Gewerbevertreter sowie Experten zusammen, um die Möglichkeiten der in dieser Hinsicht noch sehr ausbaufähigen Kommune auszuloten. Das Interesse der Teilnehmer, so heißt es aus dem Rathaus, sei allerdings „überschaubar“ gewesen.

Pech nur, dass Kleingemeinden in der Gegend aufmerksam die Aktivitäten an der Zusam im Auge behalten, bevor sie sich selbst festlegen wollen. Gibt die Zusam-Metropole nicht bald richtig Gas, könnte das auch Folgen für den Umgang mit dem Thema andernorts zeitigen. „Wir lassen das auf uns zukommen“, heißt es fast gleichlautend bei Anton Winkler (Binswangen) und Werner Filbrich (Villenbach). Da scheinen Aktionen wie die von Karl Klein gerade zur rechten Zeit zu kommen.

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