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Tag der Museen auch in Wertingen

13.05.2018

Die Heimat mit neuen Augen sehen

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Bei der Führung über Schutzheilige erklärt Museumsreferent Cornelius Brandelik (rechts) den interessierten Besuchern unter anderem, wie der Heilige Florian mithilfe der Sgraffito-Technik an die Hauswand gelangte.
Bild: Alexander Millauer

Von der Führung über Schutzheilige am Heimatmuseum, über das Radiomuseum bis hin zum Ofenmuseum – die Besucher lernten viel Neues

„Jetzt lebe ich schon seit sechzig Jahren in Wertingen, aber vieles habe ich noch gar nie gesehen“, staunt Josefa Schmid. Sie ist eine der Teilnehmerinnen der Führung über Schutzheilige, die Museumsreferent Cornelius Brandelik organisiert hat. Denn gestern war nicht nur Muttertag – sondern auch Internationaler Tag der Museen. Gemeinsam mit anderen Teilnehmerinnen läuft sie bei strahlendem Sonnenschein quer durch die Zusamstadt. Immer wieder hält die Gruppe und begibt sich auf die Suche nach den Schutzheiligen, die an die Wertinger Hauswände aufgemalt sind oder in kleinen Nischen als Figuren stehen.

„Normalerweise schaut man ja nicht die ganze Zeit in die Luft, darum fällt das einem nicht auf“, erklärt Brandelik. Besonders Maria ist eine Schutzheilige, die sich immer wieder in einigen Nischen findet. Auch im Wertinger Heimatmuseum, wo die Reise der Gruppe beginnt, findet sich eine Figur der Hausmadonna. In der Bergstraße prangt an einer Hauswand fast in Lebensgröße ein Porträt des Heiligen Florian – damit glaubte man, das Haus vor Feuer zu bewahren. Mit einer ganz besonderen Technik sei dieser Schutzheilige an diese Hauswand gelangt, erklärt Brandelik – mithilfe des Sgraffito. Das sei eine Technik, mit der man vor allem in den 1930er-Jahren gearbeitet habe, sagt er. Dabei werden verschiedenfarbige Putzschichten angebracht, die obere schließlich abgekratzt und Teile der darunterliegenden freigelegt – durch den Farbkontrast entsteht schließlich das Bild.

Ein Bild des Franziskus, um den herum zahlreiche Vögel und Fische abgebildet sind, findet die Gruppe an einer Wohnung, die im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus entstanden ist – schließlich gilt Franziskus als Patron der Armen, bemerkt Brandelik. Am Zenetti-Haus am Marktplatz bleiben Brandelik und die Teilnehmerinnen erneut stehen – in der Form und Größe eines Tellers ist dort eine Maria mit Kind eingesetzt. Brandelik vermutet, dass dieses Porträt auf Blech gemalt und anschließend eingesetzt wurde.

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Während die Gruppe ihren Weg durch die aufgeheizten Wertinger Gassen und Straßen fortsetzt, ist auch im kühlen Radiomuseum Betrieb. Lockere Jazzmusik, die von Schallplatten aufgenommen wurde, nimmt die Besucher dort in Empfang. Rund 680 Objekte fasst das Museum. Ein Besucher sei sogar aus München angereist, sagt Otto Killensberger, der das Museum gemeinsam mit anderen Mitstreitern betreibt. Von Morseschreibern, über Radios und Schallplattenspieler bis hin zu Jukeboxes, bietet das Radiomuseum ein breites Repertoire und eine Zeitreise durch die Geschichte der Technik.

Aber auch witzige Wiedergabegeräte findet man hier – wie etwa den „Lalala“ von Telefunken. Der sieht aus wie ein Megafon, ist aber ein Transmitterradio aus dem Jahr 1994. Oder die erste zuckerfreie Cola, wie Otto Killensberger scherzt – aus ihr kann man zwar nicht trinken, aber das kleine Radio, das sich am Boden der angeblichen Colaflasche befindet, lauter und leiser drehen und den Sender verstellen. Doch an diesem besonderen Tag haben sich die ehrenamtlichen Helfer des Radiomuseums noch mehr einfallen lassen – gleich zwei Vorträge konnte man am Internationalen Tag der Museen hören – während der von Dr. Alexander Hölzle in die Zukunft blickte und das digitale Radio DAB näher beleuchtete, unternahm Josef Weber eine Zeitreise in die Vergangenheit und sprach über Morsen und Funk. Von 1844, als der erste Morseapparat in Betrieb ging, hielt sich die Technik in der Schifffahrt bis 1988.

Geöffnet hat an diesem Sonntag auch das Ofenmuseum – doch nur zwei Besucher seien gekommen, berichtet Alfred Sigg, der durch das Museum führt. Das Wetter sei wohl zu schön und das Angebot zu groß, vermutet er. Wer sich hier aber umsieht, ist schnell fasziniert von der Vielzahl an Öfen, die sich in den Räumen aneinanderreihen. Rund 165 gusseiserne Öfen aus drei Jahrzehnten hat Josef Lutz gesammelt und restauriert. In chronologischer Reihenfolge läuft man als Besucher durchs Museum – beginnend beim Fünf-Platten-Ofen bis hin zu Öfen, die man auch heute noch in der ein oder anderen Hütte sehen kann.

Auch der Fußmarsch auf der Suche nach den Schutzheiligen neigt sich nach gut eineinhalb Stunden dem Ende zu. Für Josefa Schmid ist klar, dass sie in Zukunft mit aufmerksameren Augen durch ihre Heimatstadt gehen wird. Denn auch sie hat viel Neues entdeckt beim Tag der Museen.

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