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Wertingen

08.01.2019

Die alte Post soll einer Wohnanlage Platz machen

Die Tage des alten Postgebäudes in Wertingen scheinen gezählt. Es soll einer Wohnanlage Platz machen.
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Die Tage des alten Postgebäudes in Wertingen scheinen gezählt. Es soll einer Wohnanlage Platz machen.
Bild: Hertha Stauch

Ein Investor will die Situation an der Augsburger Straße verändern. Damit geht ein kleines Stück Stadtgeschichte in Wertingen zu Ende.

Die Tage des alten Postgebäudes an der Augsburger Straße in Wertingen scheinen gezählt. Ein Investor hat im Bauausschuss des Stadtrates eine Bauvoranfrage gestellt, die derzeit dem Landratsamt zur Überprüfung vorliegt. Demnach soll auf dem Postgelände eine Wohnanlage gebaut werden, das alte Gebäude muss womöglich weichen. Für Wertingen geht damit ein Stückchen Geschichte zu Ende, die mit dem Bau des Hauses vor rund 70 Jahren begonnen hatte.

Die Poststelle gibt es in dem zweigeschossigen Bau schon lange nicht mehr, Briefe, Pakete und Päckchen werden nicht mehr von dort, sondern von der Postagentur im an der Industriestraße gelegenen Supermarkt angenommen und ausgeliefert. Die letzten Jahre stand das Haus in großen Teilen ungenutzt, im ehemaligen Kundencenter der Post wurde in einer Teakwondo-Schule gesportelt und geschwitzt. Jetzt hat auch das ein Ende, und das Haus mit seinen Nebengebäuden, Garagen und dem dahinter liegenden Grundstück am Zusamkanal steht verwaist da. Stadtbaumeister Anton Fink sieht die neue Entwicklung positiv. Denn das Thema Nachverdichtung der Stadtkerne sei in aller Munde und Wertingen brauche Wohnungen. Genaue Planungen gebe es aber noch nicht, das Landratsamt überprüfe derzeit den Sachverhalt.

Die erste Poststation war mitten in Wertingen

Die alte Post war den Wertingern 63 Jahre lang eine „Verbindung zur Welt“. So jedenfalls schreibt es der frühere Heimatforscher und Archivar Jürgen Fiedler in den „Wertinger Geschichte(n)“, die die Stadt aus seinem Nachlass zusammengefasst und herausgegeben hat. Demnach war die erste Poststation in Wertingen am Gasthof „Zur Krone“, der sich bald Gasthof „Zur Post“ nannte – in dem Gebäude mitten in der Stadt ist heute die VR-Bank beheimatet. 1895 wurde dann das erste Postamt der königlich bayerischen Post in Wertingen eingerichtet, es befand sich in einem neu errichteten Gebäude in der Mühlgasse 10, wo später wiederum das Wertinger Kino etabliert wurde, das bezeichnenderweise „Postlichtspiele“ hieß. 38 Jahre lang blieb das Postamt an diesem zentralen Standort in Wertingen, wurde jedoch mit steigendem Postaufkommen und erweitertem Telefonnetz bald zu eng. Zudem war 1905 die Postbeförderung von der Eisenbahn übernommen worden, wie Fiedler schreibt, Briefe und Pakete wurden mit dem Handkarren von und zum Bahnhof transportiert. Aus diesem Grund hatte sich die Reichspost schon 1924 ein Areal am damaligen Stadtrand, die Dirrmaierwiese, notariell gesichert. Das Grundstück lag in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof – es dauerte aber noch acht Jahre, bis mit dem Bau eines eigenen Postamtes begonnen wurde. „Am 25. September 1933 wurde schließlich das neue Postamt mit seinem großzügigen Schalterraum für das Publikum geöffnet“, schreibt Jürgen Fiedler.

Die Postmeisterstocher wurde angeschossen

Die Wertinger Handwerker hatten einen soliden Bau erstellt, der sogar der Sprengung der danebenliegenden Zusamkanal-Brücke am Ende des Zweiten Weltkrieges stand hielt. Bei der Sprengung und den Kämpfen mit den einrückenden Amerikanern entstanden laut Fiedler nur geringe Schäden am Postamt. Der langjährige Wertinger Postmeister Beda Rißle und seine Tochter Gabriele Reich hatten sie miterlebt. Am 25. April 1945 gegen 14 Uhr kamen die ersten Amerikaner in die Post. Bei einem folgenden Feuerüberfall aus den gegenüberliegenden Gebäuden fielen fünf amerikanische Soldaten, und die Tochter des Postmeisters wurde durch einen Halsschuss verwundet.

Am 15. Juli musste Postmeister Bißle dem Militärkommandanten den Postsafe öffnen. Alle darin lagernden Briefmarken aus der NS-Zeit wurden zur Vernichtung nach Augsburg geschickt. Beda Rißle hat das Postamt von 1939 bis 52 geleitet.

Im Jahr 1973 wurden ein Umbau und die Umgestaltung und Modernisierung des Schalterraumes veranlasst. Erste Anzeichen für die Umwandlung der eigenen Poststelle in eine Agentur zeigten sich bei der Auslagerung der Postverteilung in den ehemaligen Minimalmarkt an der Industriestraße. Bald darauf wurde das Postamt ganz aufgegeben und die Agentur im Edeka-Markt etabliert.

Quelle „Wertinger Geschichte(n)“ von Jürgen Fiedler, herausgegeben vom Stadtarchiv Wertingen 2014.

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