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Konzert

14.11.2018

Die etwas andere Atmosphäre

„Concerto Latino“ – das sind (von links) Franz Heim, Agata Englert, Sonja Lorenz, Gerhard Kling und Christian Kempter. Das Quintett aus Dillingen begeisterte im Wertinger Kunstkanal KuK und war selbst begeistert von der lockeren, ungezwungenen Atmosphäre.
Bild: Birgit Hassan

Die Lockerheit springt vom Publikum auf „Concerto Latino“ über und kommt in genialer südländischer Musik auf vielfältige Weise zurück. Dazu trägt auch die Werkstatt-Atmosphäre im Wertinger Kunstkanal KuK bei

Liegt es am Ruf, der „Concerto Latino“ vorauseilt oder der bewährt angenehmen Atmosphäre im Wertinger Kunstkanal KuK? Besucher jedenfalls lockte es gar viele zum Konzert am Samstagabend. Doch weil zur Kunst eben auch Kreativität gehört, war der „Konzertsaal“ – das Atelier – schnell um den angrenzenden Yogaraum erweitert.

Schon während des Soundchecks, gesteht Barbara Mahler zur Begrüßung, habe es angefangen, sie in den Füßen zu jucken. Und kaum, dass die drei Musiker und zwei Musikerinnen loslegen, beginnen auch die Besucher, besagtes Jucken in ihrem Körper zu spüren. Mit einem beschwingten Tango Nuevo legt das Quintett aus dem Raum Dillingen los, geht anschließend in brasilianische Klänge über. Die Musik verbreitet nicht nur wohlige Wärme, sondern vor allem auch gute Laune. Den Musikern scheint das Spielen sichtlich Spaß zu machen. Allen voran Flötistin Sonja Lorenz, deren Spielfreude und -kunst einfach aufs Publikum überspringen muss.

Von Brasilien führt das Quintett rüber ans Mittelmeer nach Tunesien. Die Karawane des „Tunisian Trail“ schaukelt – angeführt von Christian Kempter am Vibrafon und Gerhard Kling auf einer ägyptischen Doumbek-Trommel – gefühlt durch die Werkstätten des Wertinger Kunstkanals. Vorbei an Bücherregalen und Werkbänken, Couch und Schaukelstuhl, verhängten Regalen mit Malutensilien, zahlreichen Holz-Klappstühlen und kleinen Tischen, auf denen die Wein- und Wassergläser der Besucher stehen.

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Hier ist an diesem Abend auch immer wieder Astor Piazzolla zu Gast, oder zumindest sein „Tango Nuevo“, der „neue Tango“, der den traditionellen Tango um jazzige, klassische und folkloristische Komponenten erweiterte. Dank seiner Werke wird in Wertingen der vielfältige Frühling von Buenos Aires erlebbar, ebenso der schmerzvolle Abschied des Vaters in „Adiós Nonino“. Gefühlvoll bringen die Musiker beides ihrem Publikum nahe.

Eigentlich, erklärt Kontrabassist Franz Heim, werben sie mit lateinamerikanischer und südländischer Musik. Als sie nach dem Stück „Somewhere over the rainbow“ gegoogelt hätten, gibt er zu, hätten sie keine Verbindung finden können. „So haben wir’s einfach arrangiert als Rumba“, plaudert Heim aus dem Nähkästchen.

Seit drei Jahren spielen die fünf zusammen – die fünfte ist Agata Englert, mit ihrer Gitarre mittendrin gewissermaßen das Herzstück. Schon einige Konzerte haben sie in dieser Zeit gegeben. Der Wertinger Kunstkanal unterscheide sich allerdings von allen anderen, erzählt Franz Heim in der Pause. Hier sei es anderes als in jedem Konzertsaal. „Die lockere Atmosphäre ist super, sie überträgt sich, wir fühlen uns hier selbst locker und ungezwungen, und spielen entsprechend.“

Dass sie nicht wirklich aufhören wollen, hört man dem letzten Programmstück des Abends an. Immer wieder drehen die fünf nochmals eine Schleife, bis die Klänge letztendlich in tönenden Applaus übergehen.

zum Kunstkanal KuK, den drei Initiatorinnen und den dortigen Angeboten unter www.kuk-kunstkanal.de.

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