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Wertingen

07.10.2019

Die ganze und die große Welt der Gitarrenklänge in Wertingen

Der Österreicher Michael Langer (links) und der Finne Petteri Sariola zeigen sich sowohl als absolute Individualisten an ihren Gitarren. Doch auch mit ihrem Zusammenspiel begeistern sie das Publikum der „Guitar Night“ im Rahmen des Wertinger Gitarrenfestivals.
Bild: Marion Buk-Kluger

Bei der „Guitar Night“ in Wertingen war alles geboten – filigrane Töne, Virtuosität, großes Gefühl, Power und Avantgarde. Was Hesses „Siddhartha“ damit zu tun hatte.

Bei der „Guitar Night“ auf dem 8. Wertinger Gitarrenfestival traten drei Künstler auf, die jeder für sich auf ihre Art Gitarrenmusik präsentierten und an dem Abend eine Einheit schufen. Damit demonstrierten sie einmal mehr, was dieses Instrument vermag, wenn es von Virtuosen bespielt wird.

Schon im ersten Teil spannt sich der Bogen durch unterschiedliche Klangwelten. Mit filigranen Tönen beginnt Johannes Tonio Kreusch, die er mit sanftem Streicheln, Zupfen, Klopfen oder gar „Schlagen“ seiner Gitarre erzeugt. Er gibt eigene Kompositionen seines gerade neu erschienenen Solo-Albums mit dem Titel „Siddhartha“ zum Besten. Hesses Siddhartha ist ein Suchender. „Ich möchte dies auch in meiner Musik sein – ein Suchender nach neuen Klängen und musikalischen Ausdrucksformen“, sagt der Festivalleiter, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, stets Neues beim Wertinger Festival zu zeigen. Daher folgt ein Zusammenspiel mit Michael Langer, dem österreichischen Komponisten, Gitarristen und Autor, etwa mit „Stella Australis“ einem Stück von Maximo Diego Pujol, oder dem „Libertango“ von Astor Piazzolla.

Beeindruckende Eigenkompositionen

Langer, der Professor für Gitarre an der Anton-Bruckner-Universität in Linz und am Konservatorium in Wien ist, spielt in der Folge alte, bekannte „Popsongs in neuem Gewand“ wie „ Cecilia“ von Simon and Garfunkel sowie Eigenkompositionen („Olgas Song“). Zudem huldigt er „Gitarristen, die mir etwas bedeuten“ wie Charlie Byrd, Sebastião Tapajós oder John McLaughlin. Mit seiner zweiten Gitarre, „der fürs Grobe“ kommen dann sogar noch alle Freunde von AC/DC auf ihre Kosten. Der Österreicher interpretiert deren Hit „Thunderstruck“.

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Johannes Tonio Kreusch bereitete nicht nur seine Gitarre für seine virtuosen Darbietungen vor, sondern als Festivalleiter auch das gesamte Programm.
Bild: Marion Buk-Kluger

Was allen Gitarrenkünstlern an diesem Samstagabend im Forum des Gymnasiums Wertingen gemein ist: Sie kommen unaufgeregt, authentisch, ganz ohne Schnickschnack, nur mit der Gitarre und der Liebe zum Instrument daher und bestätigen durch ihr Spiel, dass es sich lohnt, sich auf diese Musikkunst einzulassen. Für den dritten im Bunde, den Finnen Petteri Sariola, reiste Anja Hofmann (21) sogar extra aus Sachsen-Anhalt an, begleitet von ihrer Freundin Lex Tatulescu (22).

Die beiden Studentinnen sind begeistert vom „Shooting Star“ der internationalen Fingerstyle Gitarrenszene. „Der Auftritt in Wertingen war für mich der Hauptgrund hierher zu kommen. Es ist das fünfte seiner sieben Konzerte in Deutschland, das ich heuer schon besucht habe“, so Anja, die allerdings mit Lex unisono sagt: „Wir sind auch vom Rest positiv überrascht.“ Bei Petteri finden sie das Besondere, dass er wie eine Ein-Mann-Band einzigartig solo sowohl Coversongs sehr schön arrangiert als auch eigene Stücke rein instrumental oder mit Gesang präsentiert.

Davon kann sich das Publikum im zweiten Teil des Konzertes überzeugen. Ob mit einem Song von George Michael, bei dem der 34-Jährige mit seiner Gitarre klanglich sogar ein Drumsolo erzeugt, mit einer Interpretation eines Beatles-Songs oder einem reinen Akustik-Stück mitten im Publikum. Sariola beendet den Abend nach einem Duett mit Langer schließlich so filigran wie er mit Kreusch begonnen hat.

Matinee mit aufstrebender, junger Künstlerin

Kreuschs „Siddhartha“ setzt sich am Sonntag bei der Matinée in der evangelischen Kirche fort. Bürgermeister Willy Lehmeier greift Hesses Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen auf und projiziert die Erkenntnis, aus eigenen Erfahrungen zu lernen auf die Gitarrenspieler und auf die Mitwirkenden des Festivals, die ebenso Suchende seien. In seinen Dank an die Künstler und Festivalteilnehmer, die „immer wieder zu Wertingen Ja sagen“ schließt er die Sponsoren und den Bayerischen Kulturfonds ein, der diesmal die Schülerkonzerte unterstützt.

Festivalleiter Johannes Tonio Kreusch dankt im Gegenzug der Stadt Wertingen, in der Kunst, Kultur und Bildung möglich sind und in der das Festival mit „viel Herzblut“ organisiert wird. Die Organisation des Festivals gestalte sich immer wieder als Suche nach dem richtigen Weg. Das Schullandheim Bliensbach, in dem Künstler und Workshopteilnehmer diesmal untergebracht sind, eigne sich „als toller Ort“ für diesen Zweck.

Welches Ziel das Festival hat

Das Festival hat auch das Ziel, aufstrebenden jungen Musikern ein Podium zu bieten – der Gitarrenverein vergibt Stipendien. So hat Kreusch diesmal die Liying Zhu aus China eingeladen, die bereits in der ganzen Welt konzertiert und sich am Anfang einer großen Karriere befindet. Die zierliche junge Erscheinung der Künstlerin sollte nicht täuschen: Sie bewegt sich sicher und in bestem Deutsch auf ihrem Podium.

Liying Zhu bei ihrem Klassik-Vortrag in der evangelischen Bethlehemkirche: eine Meisterin des schönen Tons und ein aufstrebendes Talent.
Bild: Marion Buk-Kluger

Ihre Erfahrungsschatz aus Konzerten, die sie in der ganzen Welt schon gegeben hat, gibt ihr die Freiheit, in Wertingen hoch konzentriert und technisch meisterhaft große Schwierigkeitsgrade der Spielkunst mit Leichtigkeit zu überwinden. Dabei kommt ihre musikalische Erzählkunst und Ausdrucksweise nicht zu kurz. In fünf Bagatellen von William Walton (1902 bis 1983) – nur scheinbar eine Bagatelle – durchwandert sie zauberhaft das Allegro, um im Lento den Klang eines jeden Akkordes auszukosten. Sie erweist sich als Meisterin des schönen Tones, dem die Gitarristen ein Leben lang auf ihrem Instrument nachspüren.

Ihre Kunst gipfelt im bekannten „El Ultimo Tremolo“ von Augustin Barrios Mangore und in Bachs „Ciaccona“. Bach sei für sie immer Meditation, beschreibt die Künstlerin ihre Interpretation – Bach sei für sie ein Weg, den sie gehe und der sie ein Leben lang begleiten werde.

Beeindruckt von diesem Erlebnis – „Musik gibt eine Ahnung von der Ewigkeit“ – spricht Kulturreferent Frieder Brändle davon, dass Töne etwas in Bewegung setzen, ganze Initiativen, wie das Gitarrenfestival in Wertingen. Nach einer Kaffeepause, die das Helferteam der Bethlehemgemeinde organisiert, zeigt sich, dass die Musik auch bei den Workshopteilnehmern viel in Bewegung gesetzt hat. Im großen Gitarrenorchester und in kleinen Ensembles geben sie ihr Bestes und lassen das Festival ausklingen.

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