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09.12.2016

Drehen sich hinter der Stiftskirche irgendwann Windräder?

Weithin zu sehen ist der fast 73 Meter hohe Turm der Obermedlinger Stiftskirche. Auch um den Blick auf dieses besondere Denkmal zu schützen, wollten die Medlinger Windräder im Medlinger Hart verhindern. Das hat am Freitagvormittag beim Regionalen Planungsverband nur bedingt geklappt.
Bild: Mannes

Energie Die Medlinger wollten die Fläche im Norden des Ortes aus dem Regionalplan gestrichen haben. Wie der Planungsausschuss entschied und wie es an anderen Stellen im Kreis weitergeht

Landkreis Das Bild, das Stefan Taglang für die Präsentation gezeichnet hat, sorgt am Freitagmorgen in der Planungsausschusssitzung des Regionalen Planungsverbandes Augsburg für einige Lacher. Dem Bürgermeister von Medlingen aber ist beileibe nicht zum Lachen zumute, wenn er es sich anschaut. Darauf zu sehen ist die Stiftskirche in Obermedlingen mit ihrem fast 73 Meter hohen Turm.

Und um sie herum mehrere mit einem Stift stilisierte Windräder, die die Kirche deutlich überragen. Natürlich, sagt Taglang, sei das nur eine grobe Zeichnung. Doch die Größenverhältnisse stimmen ungefähr. „Egal, wo man steht, irgendwann wird die Kirche umrahmt sein von diesen Anlagen“, sagt Taglang. Und in der Nacht, da sehe man dann hinter dem erleuchteten Kirchturm die Lichter der Windräder blinken. „Das ist in meinen Augen ein Unding.“ Doch die Gemeinde Medlingen hat nicht nur aufgrund des Denkmalschutzes einen Antrag auf Nichtausweisung eines Vorranggebiets und Vorbehaltsgebiets im Medlinger Hart gestellt. Für Taglang sprechen noch viel mehr Gründe dagegen. Dass sei zum einen die fehlende Windhöffigkeit. Schließlich habe man das Gebiet im Zuge eines Gutachtens für den gesamten Landkreis schon vor Jahren geprüft. Und dabei sei herausgekommen, dass es mit unter 1500 Volllaststunden nicht wirtschaftlich sei, im Medlinger Hart, südwestlich des Viehhofs, Windräder zu bauen.

Außerdem, sagt der Medlinger Bürgermeister, gehöre der Wald dem Freistaat. Und der unterstütze derartige Projekte mittlerweile nur noch, wenn auch die Bürger und vor allem die Gemeinde ihnen positiv gegenüberstehen. Und das sei in Medlingen gerade nicht der Fall. Zu guter Letzt sieht Taglang aber auch naturschutzfachliche Gründe, die einer Ausweisung entgegenstehen. So sei Vogelexperte Reimuth Kayser im Gebiet unterwegs gewesen, habe Vorkommen von Rotmilan, Schwarzstorch, Grau- und Silberreiher dokumentiert und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das geplante Gebiet aus Sicht des Vogelschutzes nicht vertretbar sei.

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Dass das Gebiet aus Sicht des Artenschutzes nicht unproblematisch ist, sei auch ein Ergebnis der Stellungnahmen aus der strategischen Umweltprüfung gewesen, sagt Franziska Hübner, Regionsbeauftragte des Planungsverbands. Nach Rücksprache mit der Höheren Naturschutzbehörde sei das Gebiet nicht frei von Rotmilan oder Schwarzstorch. Es handle sich aber auch um kein Rotmilandichtezentrum. Gleichwohl gebe es in der Nähe ein hochattraktives Nahrungsgebiet für kollisionsgefährdete Vögel. Trotzdem sei man zu dem Schluss gekommen, dass das nicht dazu führen muss, dass das Gebiet komplett aus dem Regionalplan gestrichen wird. Ein Vorbehaltsgebiet könne trotzdem ausgewiesen werden. Ob dann in dem Gebiet öffentliche Belange gegen eine Windkraftnutzung stehen, würde letztlich noch einmal ausführlich geprüft, wenn tatsächlich etwas geplant sei. Das müsse dann im Genehmigungsverfahren geprüft werden. Der Ausschuss schloss sich letztlich mehrheitlich der Meinung von Franziska Hübner an. Damit werden die 48 Hektar im Medlinger Hart künftig im Regionalplan zwar nicht als Vorrangfläche dargestellt, sind aber ein Vorbehaltsgebiet. Bürgermeister Stefan Taglang gab sich nach der Entscheidung kämpferisch: „Da darf niemals ein Windrad hin, wir müssen alles unternehmen, dass da nichts kommt“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Änderungen hat die strategische Umweltprüfung auch für einige andere Kommunen im Landkreis zur Folge. So entfallen die Vorranggebiete in Ziertheim und, wie bereits beschlossen, in Zöschingen, wegen artenschutzrechtlicher Bedenken. Weil das Vorranggebiet bei Buttenwiesen aus artenschutzrechtlicher und auch wasserrechtlicher Sicht bedenklich ist, soll es zum Vorbehaltsgebiet herabgestuft werden.

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