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08.02.2018

Dunkle Wolken umwehen die Napoleonstanne

Bei einem Spaziergang hat sich Hans Miller selbst ein Bild von der „Napoleonstanne“ gemacht und sie fotografiert.
Bild: Miller

WZ-Leser machen sich Gedanken zur Zukunft des Baumes und des Platzes. Zusätzlich zur Bank und Erinnerungstafel gibt es noch ganz andere Ideen. Auch welcher Baum wann nachgepflanzt werden soll, ist Thema

Die Wertinger „Napoleonstanne“ scheint zweigeteilt – in eine grüne und eine braune Seite. Geteilter Meinung sind teilweise auch die WZ-Leser. In einem stimmen allerdings alle überein: Der Platz auf der Anhöhe zwischen Hohenreichen und Gottmannshofen, wo einst Napoleon Bonaparte stand, ist ein besonderer und soll es bleiben. Und er könnte noch aufgewertet werden.

„Ein über 100 Jahre gewachsenes Naturdenkmal, ein über Generationen gewachsener Ort mit Flair, naturgegebener Anziehungskraft mit Bedeutung für die Zusamstadt muss für die Zukunft erhalten bleiben“, sagt Thomas Gottfried aus Geratshofen. Einen Baumerhalt vermag er nicht zu beurteilen, ist sich jedoch sicher: „Bis eine Neupflanzung eine ähnliche Strahlkraft wie unsere angeschlagene Napoleonsfichte besitzt, wird es wohl viele, viele Sommer und Winter brauchen.“

Eine Fällung – „in wenigen Minuten geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen“ – ist auch für Hans Milleraus Wertingen „ein schwerer Eingriff in die Natur“. Bei einem Spaziergang hat sich Miller, angeregt durch unsere Zeitungsartikel, vor Kurzem selbst ein Bild von der Napoleonstanne gemacht. Und wie sein Bild zeige, ist der Baum zweifelsohne krank. „Seine Tage sind gezählt“, vermutet Miller.

Beide – Miller und Gottfried – sprechen sich dafür aus, den Baum so lange wie möglich stehen zu lassen, gleichzeitig möglichst bald einen neuen Baum zu pflanzen. Hans Miller schlägt vor, die zwei dürren Äste zu kappen, den Rest durch maßvolles Einkürzen noch zu erhalten und zu sichern – „bis daneben eine neue Tanne eine gewisse Größe erreicht hat“. Sollte eine Fällung aus Sicht von Fachleuten nicht vermeidbar sein, würde er einen größeren Teil des Stammes stehen lassen und einem Künstler – gegebenenfalls aus der Region – die Möglichkeit geben, daraus ein Denkmal zu schaffen. Dieses könne gleichzeitig „Mahnmal“ sein, das sowohl auf die Historie (Napoleons Schlacht von 1805) als auch auf den Wandel und die Vergänglichkeit unserer Natur hinweist. Gottfrieds Gedanken gehen in Richtung Aussichtsplattform – „als Ort mit Anziehungskraft und Gelegenheit zum Verweilen“. Nicht nur die Aussicht über die Kirchtürme der Stadt hinweg auf die Gegenhöhen Roßberg, Judenberg und Marktberg begeistern ihn. Auch der Blick über den Thürlesberg entlang des Unteren Zusamtals hinunter nach Donauwörth, den Schlossberg, Hohenreichen, Augsburgs westliche Wälder, über das Laugnatal und das Obere Zusamtal zurück zum Wertinger Schloss sei bemerkenswert.

Dass der geschichtsträchtige Baum, auf den der Blick vieler Verkehrsteilnehmer automatisch fällt, einen „besonderen Status in unserer Stadt und Umgebung“ hat, sieht auch Blasius Hurler. Der Wertinger Gärtnermeister hat sich Gedanken gemacht, wie die geschädigte Fichte zu ersetzen wäre. Er kann sich eine Douglastanne vorstellen. Diese wachse rund 30 bis 60 Meter in die Höhe und habe eine Lebenserwartung von 200 bis 800 Jahren. Alternativ schlägt Hurler die Grau- beziehungsweise Coloradotanne mit einer Wuchshöhe von circa 40 Metern und einer Lebenserwartung von bis zu 350 Jahren vor. „Beide Gattungen stellen keine hohen Ansprüche an die Bodenverhältnisse“, schreibt Hurler.

Aus heimatkundlicher Sicht könnte Kreisheimatpfleger Alois Sailer auch mit einer Douglasie, die aus Kanada kommt, leben. „Schließlich wurde die Fichte, um die es sich bei der jetzigen Napoleonstanne handelt, bei uns auch erst um 1870 heimisch.“ Douglasien wachsen zwar schneller, seien dadurch allerdings nicht so dicht wie eine Weißtanne. Eine solche würde der Heimatpfleger aus Lauterbach favorisieren. Eine Weißtanne kralle sich mit ihren Wurzeln tief in die Erde und habe in der Regel eine längere Lebensdauer als eine Fichte.

Was es für den Heimatpfleger auf jeden Fall braucht, ist künftig ein Hinweis auf die Schlacht von 1805, die Wertingen die Erwähnung an oberster Stelle am Triumphbogen in Paris einbrachte. „Die Schlacht selbst war nicht bedeutend“, erzählt Alois Sailer. Das Besondere war, dass Napoleon Bonaparte damit erstmals die Donau überschritten habe. Doch seine Truppen seien nicht wie erwartet über Binswangen gekommen, sondern umrundeten die Zusamstadt und griffen aus der entgegengesetzten Richtung an. „Sie haben Wertingen sozusagen von hinten aufgerollt“, so Sailer. Während Wertingen mit der Österreicher Besatzungsmacht eine absolute Niederlage hinnehmen musste, konnte Napoleon einen Triumph feiern. „Er hat so das Tor zu Süddeutschland durchquert.“ Tags darauf blickte Napoleon von besagter Anhöhe auf Wertingen.

Dass Wertingen einen Platz auf dem Triumphbogen gefunden hat, fasziniert auch Gertrud Pfeifenberger. Mit fast 80 Jahren erinnert sie sich an mehrere Reisen nach Paris. Wie der Triumphbogen fasziniert sie die Napoleonstanne, die die Wertingerin aus der Weite immer wieder sieht.

Der Platz der Napoleonstanne gehört für Heimatpfleger Alois Sailer auf jeden Fall erhalten. Mit einem Bronzetäfelchen sollte man künftig auf das historische Ereignis hinweisen. Sailer: „Dafür müsste sich doch ein Wohltäter finden.“

Das Anbringen von Erinnerungstafeln regen Thomas Gottfried und Hans Miller ebenfalls an. Letzterer würde beispielsweise eine Tafel auf dem künstlerisch gestalteten Baumstamm der alten Fichte anbringen, worauf die Bedeutung des Platzes und des Baumes erläutert werden. Auch Hans Schuster aus Wertingen findet eine Erinnerungstafel mit historischen Angaben zur Schlacht vom 8. Oktober 1805 sehr wichtig: „Beispielsweise mit Angaben über die Truppenstärke sowie 400 Tote bei den Österreichern, 319 Tote bei den Franzosen und die 2900 Gefangenen.“ Selbst in Google Maps finde man die Napoleonstanne, was für Schuster die Bedeutung zeige. Wichtig wäre für ihn allerdings auch ein „ordentlicher, gepflegter Zugang“.

Den Weg zur Napoleonstanne haben Natascha Schurer und ihre Freunde immer gefunden. Die heute 30-Jährige lebt mittlerweile in Hinterried, ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Gottmannshofen. „Bei der Napoleonstanne war unser Treffpunkt, egal von wo wir kamen.“ Auch für nicht Ortskundige sei diese immer leicht zu finden gewesen. „Dort oben ging immer ein toller Wind zum Drachensteigen“, erinnert sich Natascha Schurer gerne zurück. Sie regt an, eine „unnormale“ Bank aufzustellen, beispielsweise mit zwei Ebenen – einer tieferen für (kleine) Kinder und einer höheren für Erwachsene. Etwas versetzt dazu kann sie sich eine Sonnenuhr auf Holz vorstellen, darauf eventuell die Daten und Fakten zur Geschichte. Es sei doch immer wieder interessant, sich vorzustellen, was „früher“ einmal war...

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