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31.07.2018

Ein Berg, auf dem einst Eber lebten?

An der Einmündung zur Bauerngasse geht in Wertingen der Ebersberg los. Der heißt aber keineswegs so, weil die Bauern hier viele Eber besaßen.
Bild: Birgit Hassan

Serie Der Wertinger Ebersberg geht auf das Jahr 1270 zurück. Was zwischenzeitlich passierte

Wertingen Waren es Wildschweine oder Hausschweine, die hier lebten? War das männliche Geschlecht – die Eber – in der Überzahl? Oder worauf sonst ist der Wertinger Straßenname Ebersberg zurückzuführen?

Von wegen „Ebersberg“ – eigentlich heißt die Wertinger Straße, die leicht ansteigend in Richtung Krankenhaus führt, ganz anders. „Da ist ein W weggefallen“, sagt Alfred Sigg. Der ehemalige Zweite Bürgermeister, Museumsreferent und Hobbyforscher erklärt, dass der „Webersberg“ der älteste Straßenname überhaupt sei, der in einer lateinischen Urkunde zu finden sei.

Und so waren am Wertinger (W)ebersberg einst viele Weber ansässig. Sie hatten meist kleine Bauernhöfe. Nebenzu arbeiteten sie für die Leinen- und Wollwebereien im Augsburger Textilviertel. Alle in der Familie halfen zusammen – Männer, Frauen und Kinder. Gemeinsam haben sie gesponnen und gewebt. So entstand Wolle aus dem Fell der Schafe und Leinen aus dem Flachs, der damals in großen Mengen angebaut wurde.

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„Zu Beginn der Neuzeit ist die Weberei eingegangen“, erzählt Sigg. Dann waren die „Söldner“ – so nannte man damals die Nebenerwerbslandwirte – nur noch Bauern. Nicht genug, dass man ihnen ihren Nebenerwerb wegnahm, später fiel auch das „W“ des Straßennamens weg, das auf ihre Existenz hingedeutet hatte. Mit den Webereien im großen Umfeld der einst florierenden Textilstadt Augsburg entstanden später vielerorts Weberstraßen, Weberberge und Webergassen. Eine davon befindet sich beispielsweise im Wertinger Ortsteil Hettlingen. In Wertingen selbst ist anno 1270 bereits besagter Webersberg urkundlich erwähnt. „Er ist damit Wertingens ältester Straßennamen überhaupt“, erklärt Alfred Sigg. Als man in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts dann angefangen habe, Straßennamen für die gesamte Zusamstadt einzuführen, erhielt die Straße den Namen Ebersberg. „Eine Wertinger Spezialität“, so Sigg.

Davor besaßen zwar einige Straßenzüge bereits eigene Namen. Für die Nummerierung wurden diese allerdings nicht hergenommen. Sigg: „Durchnummeriert wurden die Häuser einfach nach und nach, wie sie gebaut wurden.“ In den Dörfern änderte sich das sogar erst viel spätermit den Eingemeindungen. (dem)

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