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Wertingen

16.11.2019

Ein Feuerregen über Wertingen

Der Blick von oben: Die Wertinger Nacht ging am Freitagabend in die zwölfte Auflage. Bis 23 Uhr hatten die Geschäfte geöffnet. Geboten war zudem ein reichliches Kulturprogramm.
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Der Blick von oben: Die Wertinger Nacht ging am Freitagabend in die zwölfte Auflage. Bis 23 Uhr hatten die Geschäfte geöffnet. Geboten war zudem ein reichliches Kulturprogramm.
Bild: Brigitte Bunk

In der Zusamstadt loderten am Freitagabend viele Flammen. Warum es nicht ganz so viele waren wie erwartet und welche Feuerchen es durstigen Besuchern angetan hatten.

Weiche, sanfte Töne erklingen gegen 18 Uhr im Altarraum der Wertinger Martinskirche. Sie erinnern eher an Wassertropfen als loderndes Feuer. Die ersten Stücke der Bläserphilharmonie spiegeln wider, was die Wertinger Nacht mit dem Motto „Feuer und Flamme“ am Freitagabend tatsächlich ausmachte: die Kombination der beiden Elemente Feuer und Wasser. Die Kirche ist voll, die Menschen drängen geradezu hinein – ins Trockene angesichts des Regens und in das erste Konzert unter der Leitung von Germán Moreno López. Und das Feuer lässt nicht lange auf sich warten, lodert bereits am Ende des ersten Stückes auf – „Paradiso“.

Feuer ist unberechenbar

„Feuer ist das aufregendste der Elemente“, erinnert Claudia Hambach in ihren Worten zwischen den Musikstücken. „Ein Element, das der Mensch gut kontrollieren muss.“ Anton Stegmair erinnert an Verwandlung, Reinigung. Daran wie ungreifbar, unberechenbar und unverzichtbar es ist. Und es kann sich ausbreiten, gewaltig anschwelle, der Orchesterklang der Wertinger Musiker lässt innere Bilder entstehen – „O Magnum Mysterium“, oh großes Geheimnis.

Doch das Element Feuer hat einen Widersacher, das Wasser. Und das behält an diesem Abend bei aller Feuersbrunst die Oberhand. Lässt viele potenzielle Besucher zuhause bleiben, so manchen Feuerkorb erlöschen und unterbricht zeitweise gar die Strom- und Lichtzufuhr. Die Lehrer des Wertinger Gymnasiums lassen sich ihre Stimmung davon erst mal nicht verderben. Unterm Zeltdach – ohne Licht und Musikanlage – verlassen sie sich auf ihre Stimmen und die Gitarre: „Can you feel the love tonight“ improvisieren sie kurzfristig. Eine gewisse Liebe zum Mitmachen und Durchhalten gehört an diesem Abend dazu.

Ein Feuerregen über Wertingen

Wertinger Feuerzangenbowle

Das gilt auch für die Glaskünstlerin und Mitorganisatorin Claudia Reining-Hopp. Im Eingangsbereich des Schlosses präsentiert sie ihre Feuerbilder. Im Festsaal fiebern kurz vor 19 Uhr sieben Jungs zwischen neun und 14 Jahren ihrem Auftritt entgegen. „Inside out“ nennt sich die Band. Statt „feuriger“ Hardrock-Lieder spielen sie lieber ruhige melodische Songs, sagt Sänger Colin Kermer, und die mit Feuereifer – mit „Perfect“ geht’s los.

In perfekten Tassen serviert derweil Markus Eser am Stand des Weltladens seine Feuerzangenbowle. Dank des Rums karamellisieren die kleinen Zuckerhüte vor den Augen der durstigen Besucher.

Stadtführung durch Wertingen

Aus der Stadtpfarrkirche ist noch die Bläserphilharmonie zu hören, als Cornelius Brandelik das Gebäude mit seiner Gruppe passiert. Der Leiter des Wertinger Heimatmuseums führt in der „langen“ Nacht durch die Zusamstadt. Nur vier Leute trotzen dem Regen und lassen sich für die nächtliche Stadtführung begeistern. In der Martinskirche habe es im Lauf der Geschichte mehrmals gebrannt, erklärt Brandelik. Die Gruppe zieht weiter zur Stadtmühle.

In der Augsburger und Hauptstraße sind bereits die Einsatzfahrzeuge der Wertinger Feuerwehr zu sehen. Die Wehr hat sich dem Motto entsprechend eine besondere Attraktion einfallen lassen. Nahe des Zusamkreisels steht ein weißes Zelt, das im Inneren komplett vernebelt ist. „Wir zeigen hier eine Extremsituation“, sagt Zugleiter Benjamin Storr. In dem Zelt wird ein Zimmerbrand bei Nullsicht nachgeahmt. Nur mit einer Wärmelichtkamera klappt die Orientierung in dem Proberaum, der mit einer Nebelmaschine eingeräuchert wird. Jung und Alt sind gleichermaßen von der realitätsnahen Attraktion begeistert. Um möglichst realistisch eine Einsatzsituation nachzuspielen, stehen Möbel und Gegenstände in dem Zelt. Dazwischen liegt eine Puppe. Die gilt es aus den Rauschschwaden zu retten. Wer den Weg aus den Nebelschwaden gefunden hat, sieht stadteinwärts den Maroni-Stand der Freiwilligen Feuerwehr. Dort rösten sechs Feuerwehrmänner aus dem Südtiroler Städtchen Lana die sogenannten Keschtn. Bereits zum zweiten Mal ist Lanas Feuerwehrkommandant Roland Schwarz mit Kollegen ins Zusamtal gekommen. Die Wehren aus Wertingen und Lana sind bereits seit Jahren befreundet, sagt Wertingens Kommandant Rudi Eser. Zieht man weiter stadteinwärts, wird es wieder voller auf den Straßen, und die Besucher lassen sich unter den Sonnenschirmen ihren Glühwein schmecken.

Wilde Feuerakrobatik

Für brandheiße Showeinlagen sorgen die jungen Feuerjongleure der Wertinger Gruppe die „Brandstifter“ und die professionelle Feuerkünstlerin Roxy. Statt wie geplant auf den Bühnen treten sie wegen des Regens auf der Straße auf. „Die Bühnen sind leider zu rutschig“, weiß „Brandstifter“ Kilian.

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