1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Ein Fußballplatz, der nicht mehr gebraucht wird

Buttenwiesen

31.08.2018

Ein Fußballplatz, der nicht mehr gebraucht wird

Der Fußballplatz des TSV Buttenwiesen und das alte Vereinsheim stehen zum Verkauf. Was mit dem circa 8000 Quadratmeter großen Areal passiert, ist derzeit noch offen.
Bild: Günther Herdin

Der TSV Buttenwiesen verkauft sein Sportgelände. Doch Millionen werden deshalb nicht in die Vereinskasse fliesen.

Fußball, das war einmal in Buttenwiesen. Bis vor wenigen Jahren hörten Ingeborg Richter und ihr Bruder Johann Eibel, die beide in einem Haus an der Sportplatzstraße wohnen, jede Woche zwei- bis dreimal Kindergeschrei beim Jugendtraining. Oder sie sahen Buben und Mädchen mit ihren Eltern und Geschwistern kommen, wenn Spiele auf dem Programm standen. Gerne denkt Ingeborg Richter an die Zeit zurück, als jenseits der Straße noch die erste und zweite Mannschaft des TSV ihre Punktspiele dort austrugen. „Mein inzwischen verstorbener Mann war bei jedem Heimspiel dabei“, erinnert sich die 73-Jährige. Nahezu jede Begegnung, die in unmittelbarer Nachbarschaft stattgefunden habe, sei für ihren Gatten ein wichtiges Ereignis gewesen, versichert die Witwe.

Seit bekannt wurde, dass der TSV Buttenwiesen aufgrund der Fusion der Fußballabteilung mit dem FC Pfaffenhofen-Untere Zusam den eigenen Sportplatz nicht mehr benötigt – alle Spiele werden im benachbarten Pfaffenhofen ausgetragen –, macht sich vor allem ihr Bruder Johann Eibel Gedanken, was in Zukunft auf dem Nachbargrundstück passiert. „Hoffentlich entsteht da nicht irgendwann mal eine Industriehalle“, sinniert der 68-Jährige. Doch seine Schwester fährt ihm da gleich in die Parade: „Die Zufahrt dafür wäre doch viel zu eng.“

Die Nachricht, dass der TSV Buttenwiesen vor wenigen Wochen bei einer außerordentlichen Generalversammlung beschlossen hat, das Gelände an den meistbietenden Bewerber zu verkaufen, hat sofort zu Spekulationen geführt. Nicht nur in Buttenwiesen. „Wie viele Millionen nimmt der Verein dabei ein, was tut er mit dem Geld?“, stellte sich gar mancher Zeitgenosse diese Frage. Nun, von einem Millionengeschäft kann nicht die Rede sein. Selbst wenn das TSV-Gelände von der Gemeinde für eine Bebauung von Ein- und Mehrfamilienhäusern freigegeben wird, lassen sich bei einer Fläche von etwas mehr als 8000 Quadratmetern keine Rekordeinnahmen erzielen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zwar müssen Bauwillige in Buttenwiesen – je nach Lage des Grundstücks – inzwischen für einen Quadratmeter zwischen 100 und 120 Euro hinblättern, doch in diesem Preis ist laut Zweiter Bürgermeister Christian Knapp die volle Erschließung inbegriffen. Konkrete Zahlen, was beim Kauf für unerschlossenes Bauland durch die Gemeinde bezahlt wird, möchte weder Knapp noch der Baumatsleiter der Gemeinde, Anton Tiefenbacher, nennen. Über eine bestimmte „Summe X“ gehe man aber nicht hinaus. „Das ist gedeckelt“, betonen Knapp und Tiefenbacher unisono.

Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass für unerschlossenes Bauland in der Region für die Grundstücksbesitzer, falls sie an die jeweilige Kommune verkaufen, vom Endpreis zwischen 28 und 35 Prozent abfallen. Ungefähr ein Drittel also. Das würden bei einem Quadratmeterpreis von angenommen 110 Euro (voll erschlossen) circa 35 Euro sein. Am Beispiel TSV Buttenwiesen flössen bei etwas mehr als 8000 Quadratmeter Sportplatzfläche zwischen 250000 und 300000 Euro in die Vereinskasse.

Mit solchen Summen hat sich Ehrenvorsitzender Max Mordstein bisher freilich nicht beschäftigt. Sollte es jedoch demnächst zum Verkauf kommen, müsse der Verein laut Mordstein innerhalb einer Frist von vier Jahren einen Finanzplan vorlegen. Was nicht schwer fallen dürfte. Denn bei außerordentlichen Generalversammlung hat der Verein bereits beschlossen, an der Stelle des heutigen Tennisheimes an der Feldstraße ein neues Sportheim zu bauen.

Wie bereits berichtet, lagen in der vergangenen Woche dem Verein bereits drei Angebote für einen Kauf des Geländes vor. Eines unter anderem von der Gemeinde Buttenwiesen, wie auch Zweiter Bürgermeister Christian Knapp nochmals bestätigt. Doch ob die Kommune den Zuschlag erhält, muss abgewartet werden. „Womöglich bieten andere mehr“, meint Knapp und hat durchaus Verständnis, wenn derjenige den Zuschlag erhält, der am meisten zahlt.

Spekuliert worden war in den vergangen Tagen unter anderem, ob auch der in der Region so umtriebige Bauunternehmer Ulrich Reitenberger aus dem Laugnaer Ortsteil Asbach zu den Interessenten gehören könnte, welche ein Auge auf das TSV-Sportgelände geworfen haben. Geschäftsführer Ulrich Reitenberger junior verneinte dies auf Anfrage, spricht aber von einem „Filetstück“, welches der Buttenwiesener Fußballplatz bei einer möglichen Bebauung darstelle. Was dort künftig entstehen soll, sei zunächst Aufgabe der Kommune, welche sich beim Bebauungsplan Gedanken machen müsse, was errichtet werden darf und was nicht. Die Firma Reitenberger hat in den vergangenen Jahren einige große Bauprojekte realisiert, darunter in Wertingen Wohnanlagen an der Zusam bei der ehemaligen Mühle und gegenüber dem Laugnaplatz. Geschäftsführer Reitenberger schätzt, dass in Buttenwiesen für eine eventuelle Bebauung eher Einfamilienhäuser, denn größere Einheiten in Frage kommen. Die Planungen werde er aber auf jeden Fall beobachten.

Dass der TSV Buttenwiesen aktuell überhaupt in diese Situation gekommen ist, sich über den Verkauf des Sportplatzes Gedanken machen zu müssen, geht auf die Gemeindegebietsreform in den Jahren 1970er-Jahren zurück. Noch bevor es zum Zusammenschluss mit Nachbarorten wie Frauenstetten, Lauterbach, Pfaffenhofen und einigen anderen kam, hat die damals noch selbstständige Gemeinde Buttenwiesen den Fußballplatz dem Verein überlassen. Seitdem ist der TSV Besitzer und bildet dabei in der jetzigen Großgemeinde die große Ausnahme. In Lauterbach, Wortelstetten, Unterthürheim und Pfaffenhofen, wo es ebenfalls Sportanlagen gibt, sind diese mit dem sogenannten Erbbaurecht entstanden. Will heißen, dass die Kommune Grundstücksbesitzer war und ist, die Vereine lediglich einen sehr geringen Pachtzins bezahlen. So zum Beispiel auch der TSV Lauterbach, auf dessen Gelände ebenso wie in Buttenwiesen nicht mehr Fußball gespielt wird. Doch im Gegensatz zum Nachbarverein kann der TSV Lauterbach mit dem Gelände keine Einnahmen erzielen, denn es ist in Besitz der Kommune. Und diese hat gut die Hälfte des Areals in diesem Sommer bereits als Parkfläche für die Besucher des angrenzenden Freibades in Lauterbach freigegeben, wie Christian Knapp berichtet.

Das Erbbaurecht wurde in der Region unter anderem auch beim Bau der Fußballplätze in Villenbach angewandt, wie Altbürgermeister und Ex-Vorsitzender des SV Villenbach, Otmar Ohnheiser, weiß. Es sei zwischen der Kommune und dem Sportverein auf 99 Jahre angelegt worden; in diesem Jahr besteht der SV Villenbach bereits 50 Jahre. Der amtierende Bürgermeister Werner Filbrich ist froh, dass in seinem Ort weiter Fußball gespielt wird und er sich keine Gedanken über den Verkauf der Sportanlage machen muss.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_0989(1)(1).tif
Wertingen

Das Kastanien-Sterben geht weiter

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen