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23.10.2017

Ein Stück Alt-Wertingen verschwindet

Wo einst die Schreinerei Ewald Mehler gestanden hat, wird bald ein zweistöckiges Wohngebäude in L-Form entstehen.
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Wo einst die Schreinerei Ewald Mehler gestanden hat, wird bald ein zweistöckiges Wohngebäude in L-Form entstehen.

Stadtbild Die ehemalige Schreinerei Mehler wird abgerissen. An deren Stelle wird ein moderner Wohnungsbau entstehen. In der Barockzeit kam einiges an Kircheneinrichtung aus der Werkstatt

Wertingen Der Baulärm dringt dieser Tage bis zur Wertinger Hauptstraße. Und wer durch das alte Ochsengässle in die Altstadt spaziert, der kann gerade in Echtzeit den Wandel der Zusamstadt miterleben.

Bauarbeiter sind mit schwerem Gerät und Baggern dabei, die alte Schreinerei Mehler abzureißen. Die einstöckige Garage samt Überbau, der die Durchfahrt vor dem Wetter schützte, liegt schon als Bauschutt auf dem Gelände und wird von Lastwagen wegtransportiert. In den kommenden Tagen wird auch das Gebäude am Straßeneck folgen.

Der neue Bauherr plant ein zweistöckiges Wohngebäude in leichter L-Form. In diesem zusammenhängenden Winkelbau sollen sechs Wohnungen Platz finden, zusätzlich zwei Wohnungen im Dachgeschoss. Der Innenhof mit acht Stellplätzen ist über eine Durchfahrt vom Ochsengässchen aus zu erreichen. Die Altstadt Wertingen soll durch einen Neubau ein neues Gesicht bekommen (wir berichteten).

Der ehemalige Zweite Bürgermeister der Stadt, Alfred Sigg, hat spezielle Hoffnungen für die Ästethik. „Ich hoffe auf ein Gebäude, das in die unmittelbare Nachbarschaft der Pfarrkirche passt“, sagt Sigg.

Das neue Gebäude wird auf keinen Fall die historische Verbundenheit ersetzen können, die einst zwischen Schreinerei und Kirche bestand. Denn die fünf Altäre, die heute in der Wertinger Pfarrkirche St. Martin zu finden sind, stammen aus einer früheren Werkstatt am selben Ort.

Zuletzt hatte der Wertinger Schreiner Ewald Mehler die Schreinerei betrieben, dann übernahmen für relativ kurze Zeit noch dessen Söhne Ewald und Jürgen den Betrieb, bis er endgültig eingestellt wurde. Für geraume Zeit stand das Haus leer, bis es verkauft wurde.

Vor einigen Jahrhunderten hatte die Werkstatt in der Altstadt große überregionale Bedeutung. In der Barockzeit wurde hier Kirchenausstattung für die Gotteshäuser der Umgebung gefertigt. Balthasar Amann war zu seiner Schaffenszeit in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer der gefragtesten Fachleute für Kirchen-stühle, Altäre und Kanzeln. Neben der Wertinger Pfarrkirche schmücken auch unter anderem die Kirchen in Gottmannshofen, Lauterbach und Pfaffenhofen Stücke aus der Werkstatt Amanns. Nach dessen Tod führte sein ebenfalls berühmter Sohn Elias die Schreinertradition fort, nach ihm wurde die Familientradition noch bis 1863 fortgeführt. In den Besitz der Familie Mehler ging das Haus 1899 über.

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