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Naturschutz in Prettelshofen

22.02.2018

Ein Tunnel nur für Kröten

Am neuen Radweg nach Prettelshofen wird gebaut. Ein Tunnel soll die Kröten bei ihrer Wanderung schützen.
Bild: Bärbel Schoen

Statt in Eimern geht es jetzt  unterirdisch zu den Teichen. Die Kosten trägt der Betreiber der künftigen Gasverdichterstation. Doch eine Frage bleibt noch offen

Der Winter hat die Region zwar noch fest im Griff. Doch der Frühling steht in den Startlöchern. Die ersten Stare wurden bereits gesichtet. In zwei bis drei Wochen könnten sich die ersten Kröten auf den Weg machen, falls Schnee und die tiefen Temperaturen verschwinden. Im vergangenen Jahr setzte die Wanderung in der ersten Märzwoche ein.

Das wissen auch die Verantwortlichen von „Bayernets“. Der Fernleitungsnetzbetreiber baut am Ortsrand von Prettelshofen eine Gasverdichterstation für 107 Millionen Euro. Dafür musste ein Hohlweg, der zur Alten Landstraße sowie zur Großbaustelle führt, so ausgebaut werden, dass sie den künftigen Schwerlastverkehr tragen kann.

Doch den Hohlweg nutzten vor allem Erdkröten, um zu zwei Teichen zu gelangen. Dafür mussten sie bisher die Alte Landstraße überqueren. Daniel Fiebig aus Rieblingen hat über die Anzahl genau Buch geführt. Demnach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 1089 lebende Amphibien gezählt, darunter vor allem Erdkröten, neun Grasfrösche und ein Molch sowie 60 getötete Tiere. Mehrere Naturschützer wie etwa Gabriele Reitenauer aus Wertingen und Angelika Rupp aus Binswangen wechselten sich mit ihren „Krötentaxis“ ab, trugen jeweils morgens und abends die Amphibien über die Straße. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Dillingen hat zum Schutz der Tiere bisher einen mobilen Krötenzaun zur Verfügung gestellt.

Dieser wird nun nicht mehr gebraucht. Denn die Firma Bayernets hat dem Landratsamt ein Amphibienschutzkonzept vorgelegt, das fest installierte Querungshilfen vorsieht.

Während der Faschingsferien wurden diese nun von der Blindheimer Firma Miller eingebaut. Zwei Tunnel sowie drei Amphibien-Stopprinnen sollen die bedrohten Tiere vor dem Straßentod bewahren.

Projektleiter Oliver Lahr hat sich selbst ein Bild vor Ort gemacht. Die fehlenden Leitwände sollen in den nächsten Tagen in den Boden gerammt werden. Der Krötenweg führt künftig entlang des asphaltierten Hohlwegs. Tiere, die vom Wald über den Hohlweg kommen, werden durch Betonrinnen gestoppt. Sie sollen dort durch Gitter plumpsen und so auf sicherem Weg zu den Tunneln geleitet werden – einer führt unter dem Radweg hindurch.

„Das war nichts aus der Schublade“, berichtet Oliver Lahr von komplizierten Planungen. Denn die Straßensituation sei keine einfache gewesen. „Ein Dreieck mit vier Straßen, die zusammenlaufen, dazu noch der Radweg, der zu berücksichtigen war.“ Die Kosten für diese Amphibienleiteinrichtung seien schwer zu beziffern. Lahr: „Wie viel der Krötenschutz gekostet hat, werden wir erst am Ende feststellen können.“ Vorsichtige Schätzungen gehen von einem fünfstelligen Betrag aus.

Es sei mittlerweile gängige Praxis, bei Bauprojekten dem Naturschutz Rechnung zu tragen, erzählt Lahr weiter. Je nach örtlichen Gegebenheiten müssten Pflanzen und Tiere berücksichtigt und entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Bayernets hat in Prettelshofen während der gesamten Bauzeit eine „ökologische Baubegleitung“, ein Planungsbüro, das die Firma ständig in Naturschutzfragen berät.

Wegen des hohen Krötenvorkommens wurde sogar ein weiterer Biologe, der sich auf Amphibien spezialisiert hat, hinzugezogen. „Mehr Knowhow geht nicht“, lobt Pressesprecher Marc-Boris Rode die Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde und Naturschützern. Bis die ersten Kröten zu wandern beginnen, sollen die Unterführungen fertig sein: „Das ist unser Ziel.“

Daniel Fiebig, der bei den Planungen dabei sein durfte, ist zwar froh über die getroffenen Schutzmaßnahmen.

Er will trotzdem die Gegend weiter beobachten. „Wir werden sehen, ob die Kröten den Weg finden und die Tunnel annehmen“, sorgt er sich.

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