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Neu-Ulm/Wertingen

18.01.2019

Ein Wertinger rettete den dreijährigen Matthias vor dem Ertrinken

Georg Leichtle aus Gottmannshofen wurde für sein mutiges Verhalten mehrmals geehrt.
Bild: Bärbel Schoen

In letzter Sekunde rettet Georg Leichtle den kleinen Matthias im Neu-Ulmer Donaubad vor dem Ertrinken. Seine eigenen Söhne sind mächtig stolz auf ihren Vater.

Die Geschichte geht unter die Haut: Wäre Georg Leichtle nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, der kleine Matthias würde wahrscheinlich nicht mehr leben. Der 44-Jährige aus dem Wertinger Stadtteil Gottmannshofen hat den bewusstlosen Jungen in letzter Minute aus dem Wasserbecken eines Freizeitbades in Neu-Ulm gezogen.

Zehn Wochen sind seit dem Unglück vergangen. Noch immer steht Georg Leichtle unter dem Eindruck des Erlebten. Immer wieder muss er erzählen, wie schnell er von einer Sekunde auf die andere zum Helden geworden ist. Dass er deswegen plötzlich im Rampenlicht steht, ist ihm ein bisschen unangenehm. Die vielen Interviewanfragen von Radio- und Fernsehsendern hat er fast alle abgelehnt.

Ein kleiner Körper auf dem Beckengrund

Nun sitzt er zusammen mit seiner Frau Katrin zu Hause am Esszimmertisch und schildert, was im vergangenen Jahr am 29. Oktober passiert ist. „Ich packte mit meinen zwei Söhnen die Badesachen ein.“ Der erste Ferientag sollte mit einem Besuch im Neu-Ulmer Donaubad beginnen. Die Familie kennt das Erlebnisbad mit seinen Wellenbecken und Rutschen sehr gut. Schon oft kamen sie hierher und feierten sogar fröhliche Kindergeburtstage.

Vier Stunden lang vergnügen sich die Drei an diesem kalten Montag, genießen das 36 Grad warme Thermalwasser, schwimmen, plantschen und drehen ihre Runden im Außenbereich. Dann wird es langsam Zeit, nach Hause zu fahren. Auf dem Weg zur Umkleidekabine sieht Georg Leichtle aus dem Augenwinkel einen kleinen Körper auf dem Beckengrund in 1,20 Meter Tiefe. Im Bruchteil einer Sekunde wird ihm klar, dass das Kind nicht taucht. „Es hat sich nicht bewegt“, erzählt er sichtlich berührt.

Dann läuft alles blitzschnell ab. „Ich habe nur noch funktioniert.“ Er rennt zu den Stufen des Wasserbeckens, hechtet ins Wasser und reißt den leblosen Körper in die Höhe. Wie ein nasser Sack liegt der dreijährige Bub, der bereits blaue Lippen zeigt, in seinen Armen. Leichtle rennt in Richtung Bademeisterkabine.

Im Donaubad Neu-Ulm hat Georg Leichtle dem kleinen Matthias das Leben gerettet.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Der Blick des Retters hat sich verengt. Georg Leichtle ist auf das Wesentliche fixiert, vergisst in diesem Moment sogar seine eigenen Kinder. Wie aus der Ferne schreit jemand „Matthias, Matthias“. Später erfährt er, dass es der größere Bruder war. Eine Frau öffnet schnell die Tür. Nun kümmern sich die Schwimmmeister um das bewusstlose Kind. Noch vor den Wiederbelebungsversuchen kommt Matthias zu sich. Der Bub, der viel Wasser geschluckt hatte, muss sich übergeben. Dann ist er ansprechbar.

Der Dreijährige war wohl schon eine Minute unter Wasser

Etwa eine Minute lang muss sich der Dreijährige unter Wasser befunden haben, konstatiert am Ende die Neu-Ulmer Polizei. Das Kind wird vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht, wo es über Nacht zur Beobachtung bleibt. Georg Leichtle fühlt sich wie benommen, nimmt kaum etwas um sich herum wahr. Er weiß nicht, was aus dem Kind wird, ob es überlebt. In diesen bangen Minuten bleibt ihm nur, sich ins Wasserbecken zu setzen, Arme und Beine von sich zu strecken und das Geschehen zu reflektieren. „Wenn du selber Kinder hast, geht dir das sehr nahe“, sagt er.

Georg Leichtle muss bleiben, weil er als Zeuge von der Polizei befragt wird. Inzwischen sind die eigenen Söhne, Markus (12) und Simon (9), dazu gestoßen. Stumm stehen sie daneben und beobachten die Szenerie. Auf der Heimfahrt ist es ganz still im Auto. Jeder spürt, dass es um Leben und Tod ging. Zu Hause platzt es dann aus den Kindern heraus: „Papa hat heute ein Leben gerettet“, erzählen sie aufgeregt. In der Familie ist man stolz auf die selbstlose Tat.

Als die Mutter von Matthias am nächsten Tag anruft und sich herzlich bedankt, freut sich Georg Leichtle natürlich. Vor allem darüber, dass sein Einsatz nicht umsonst war. Er erfährt, dass Matthias seiner Mutter entwischt war, als diese gerade die Badesachen ihrer beiden Kinder und eines Nachbarkindes zusammenpackte. Der Dreijährige rannte offenbar in Richtung Toilette weg, woraufhin die Mutter ihn kurzzeitig aus dem Blick verlor. Deshalb schickte sie ihren großen Sohn los, nach dem Bruder zu suchen. In diesem kurzen Moment muss der Junge ins Becken gefallen sein. Zeitgleich kam Georg Leichtle als rettender Engel.

Für mutiges und vorbildliches Verhalten mehrmals geehrt

In den letzten Wochen wurde Georg Leichtle für sein mutiges und vorbildliches Verhalten mehrmals gewürdigt: Vom Neu-Ulmer Bürgermeister, vom Chef des Donaubades, von seinen Feuerwehrkameraden und seinen Arbeitskollegen in Fristingen.„Ich musste einfach helfen, das war für mich doch selbstverständlich“, sagt der Maschinenführer und Feuerwehrmann, ohne viele Worte zu verlieren.

Ein besonders berührendes Geschenk brachte der Postbote am Heiligen Abend: Eine Weihnachtskarte vom kleinen Matthias und seiner Familie. „Lieber Georg, der Weihnachtsmann wird alle guten Menschen in seinem Buch benennen. Auch Dein Name dort erscheint, mit allem Guten stets vereint... im Herzen trag ich Dich bei mir.“ Georg Leichtle schluckt: „Das war mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Da braucht es nichts anderes mehr.“

Im Landkreis Dillingen wird gerade ein potentieller Lebensretter gesucht: Leukämie: Wer ist Antons genetischer Zwilling?

Und hier die ursprüngliche Meldung zu dem Vorfall in Neu-Ulm: Besucher rettet Buben (3) im Donaubad vor dem Ertrinken

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