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Wertingen

31.07.2020

Ein historischer Schatz für die Stadt Wertingen

Alte Bände der Wertinger Zeitung sind ein wahrer Schatz für die Stadtgeschichte. Deshalb gibt es jetzt eine besondere Kooperation zwischen der Wertinger Zeitung und der Stadt Wertingen: (von links) Stadtarchivar Dr. Johannes Mordstein, Bürgermeister Willy Lehmeier, die frühere Heimatverlegerin Gabriele Killensberger, WZ-Redaktionsleiter Berthold Veh und Hertha Stauch, Angehörige des einstigen Heimatverlages.

Plus Das Archiv der Wertinger Zeitung besteht fast lückenlos seit dem Jahr 1871. Jetzt kommt es zu neuen Ehren. Was die Stadt Wertingen dabei für eine Rolle spielt.

„Spannende Entscheidung – Willy Lehmeier wird Bürgermeister“. Es sind 18 Jahre her, als sich im Wertinger Rathaus ein Generationswechsel vollzog. Die Wertinger Zeitung widmete diesem Ereignis damals eine dicke Schlagzeile. Und heute steht Lehmeier oben unter dem Dach des WZ-Gebäudes am Marktplatz und blättert in den alten Zeitungsbänden, in denen sich die Stadtpolitik, Vereinsleben, Ereignisse aus Sport und Kultur nachzulesen sind. Anlass ist ein besonderes Ereignis.

Tag für Tag erscheint seit 1871 die Wertinger Zeitung, Tag für Tag werden unten im Redaktionsbüro die Zeitungen abgeheftet und jeden Monat zu einem dicken Band gebunden, der im Archiv verwahrt wird. Das Zeitungsarchiv, das fast lückenlos – nur zwei Jahrgänge fehlen - als einmaliges Dokument der Geschichte von Wertingen und dem Zusamtal erhalten ist, geht in eine neue Ära. Denn fast 1000 Bände, im Besitz des Verlages Presse-Druck, in dem die Augsburger Allgemeine und ihre Heimatzeitungen erscheinen, werden jetzt unter fachkundiger Leitung des Wertinger Stadtarchivs betreut. Stadt und Verlag kooperieren, um den Bestand zu erhalten, für die Archivforschung zu nutzen und weiter der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Archiv der Wertinger Zeitung wird in Kooperation mit der Stadt verwaltet

Ideengeber für diese Initiative waren die Nachkommen des ursprünglichen Heimatverlages und Herausgeber der Wertinger Zeitung, Hertha Stauch und Gabriele Killensberger. Denn deren Urgroßvater Johann Georg Krauß gründete im Jahr 1871 die Wertinger Zeitung, die als selbstständiger Heimatverlag Bestand bis ins Jahr 2008 hatte. So ist diese Verlags- und Zeitungsgeschichte Teil einer fast 140 Jahre alten Familientradition aus Wertingen. Presse-Druck und Stadt Wertingen zeigten sich dem Ansinnen der Heimatverlags-Nachfolgerinnen aufgeschlossen und kamen gemeinsam mithilfe von stellvertretendem Chefredakteur Gerd Horseling, WZ-Redaktionsleiter Berthold Veh und Bürgermeister Willy Lehmeier deren Bitte nach, das Archiv in guter Verwahrung zu erhalten. Eine entsprechende Vereinbarung regelt nun die Modalitäten.

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Doch die Kooperation, unterzeichnet von der Herausgeberin der Augsburger Allgemeinen, Alexandra Holland und Bürgermeister Lehmeier, steht nicht nur auf einem Stück Papier, sondern war auch Gelegenheit, für eine Bestandsaufnahme unter Anleitung von Stadtarchivar Dr. Johannes Mordstein. Gleichzeitig mussten Räume und Inventar wieder auf Vordermann gebracht werden. So hieß es, im staubigen Dachboden die Ärmel hochkrempeln , entrümpeln, putzen und einen Lagerraum in eine ansprechende Verwahrstätte für die Sammlung zu verwandeln. Eine besondere Herausforderung war die Neuordnung der Bände und der dafür notwendige Umbau der Regale. Als Glücksfall erwies sich dabei die spontane Hilfe von Peter Keiß, einem altgedienten Mitglied der Wasserwacht Wertingen.

Viele Leute wollen im Archiv Heimatgeschichte erforschen

Keiß wurde, als er gerade nach alten Berichten der Wasserwacht im Archiv forschte, Zeuge der Diskussionen, wie die Regale gestaltet werden könnten. Der erfahrene Hobby-Handwerker brachte nicht nur seinen Ratschlag sondern auch bereitwillig sein handwerkliches Können beim Bau stabiler Regale ein. Was daraufhin folgte, war Fleißarbeit mit Köpfchen. Ebenfalls unter Regie von Dr. Mordstein wurden alle Zeitungsbände neu geordnet, gekennzeichnet und die ganz alten historischen Bände in eigens dafür angeschafften Archivkartons verwahrt. Dort sind sie vor Zerschleiß geschützt. Alte Bände hin- und herwuchten erfordert einige körperliche Anstrengung. Dieser unterzog sich mit Ausdauer und Geschick der Wertinger Gymnasiast Marcel Jahn, der sich als Ferienarbeiter im Stadtarchiv verdingt. Ihm zur Seite stand die Archiv-Praktikantin Sophie Wild. Das war im Herbst 2019. Was noch fehlte, war eine kleine Eröffnungsfeier zur Abrundung. Doch dann kam Corona und damit die Zwangspause bis Ende Juli diesen Jahres.

Jetzt, nach den Lockerungen, war es wieder möglich, sich im größeren Kreis unter den notwendigen Schutzbestimmungen zu treffen. So gab es im WZ-Büro am Marktplatz einen kleinen Festakt, zu dem alle Beteiligten geladen waren. Dr. Mordstein und Bürgermeister Lehmeier bezeichneten dabei das Zeitungsarchiv als einen „großen historischen Schatz“ für die Geschichtsforschungen der Stadt, den diese gerne im Rahmen der Vereinbarung in ihre Obhut nehme. Die Schätze aus der Vergangenheit sollen dabei auch weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Das Archivgut steht während der Bürozeiten der Reaktion der Wertinger Zeitung zur Einsicht zur Verfügung. Kosten dafür werden nicht erhoben.

Vor der Archivbenutzung ist eine Anmeldung bei der Zeitungsredaktion (Telefon 08272/9943-40) oder beim Stadtarchiv Wertingen (Telefon 08272/84-105) notwendig. Archivnutzer müssen ihren Namen und ihr Forschungsgebiet angeben und sich schriftlich verpflichten, das Archivgut sorgfältig zu behandeln.

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