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Stallpflicht

17.03.2017

Endlich wieder draußen picken

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Josef Liebert (links) und Reinhard Frank aus Wertingen sind heilfroh, dass sie ihre Hühner wieder ins Freie lassen dürfen. 

 Seit Donnerstag darf Geflügel im Landkreis wieder ins Freie

Es ist das Tor zur Freiheit, das an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag in Reistingen aufgeht. Die Kurbel zum Mobilstall, in dem das Gackern der 800 Legehennen immer aufgeregter wird, hat Stefanie Hermanns seit Monaten nicht mehr betätigt. Denn seit November herrschte auch im Landkreis Dillingen Stallpflicht. Am Donnerstag nun öffnet sich die Luke langsam. Nach so langer Zeit im Stall war Hermanns nicht sicher, ob das Federvieh den Freigang gleich annehmen wird. Doch die ersten Mutigen schlüpfen schon hinaus ins grüne Gras, als das Tor noch gar nicht ganz oben ist. Und sofort wird gescharrt und gepickt, eine weiße Henne nimmt ein genüssliches Bad im Sand. „Man sieht schon: Die wollen raus und das gefällt ihnen einfach“, sagt Stefanie Hermanns, die froh ist, dass die Tiere jetzt nicht mehr eingesperrt werden müssen. Nicht nur, weil so weniger Mist anfällt. Denn besonders die Jüngeren haben gelitten. Weil den Tieren langweilig war, haben sie sich teilweise gegenseitig die Federn ausgepickt. Die älteren Hühner dagegen hätten sich nicht so aus der Ruhe bringen lassen.

Als sie morgens die Nachricht hörten, dass sie ihre Hühner wieder ins Freie lassen dürfen, entfuhr Josef Liebert und Reinhard Frank ein kräftiger Jubelschrei. „Das ist so toll, Wahnsinn“, sagt Liebert. Die beiden Tierfreunde, die auf dem Marienfeld in Wertingen rund 30 Hühner halten, ließen das Geflügel wenige Minuten später ins Freie. Bei den Tieren herrschte dann die pure Freude – wild gackernd streunen sie jetzt wieder über die Wiese. „Man muss sich mal in die Tiere hineinversetzen“, sagt Reinhard Frank. „Wir wollen ja auch nicht monatelang eingesperrt sein.“

Die vergangenen vier Monate waren nicht schön, sagen Liebert und Frank. Es sei immer schlimmer geworden, die Hühner wurden aggressiv und zunehmend missmutig.

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Ab und zu entflohen einige Hühner auch durch Spalten und Öffnungen in der Stallkonstruktion. In den vergangenen Wochen bekamen die Wertinger deshalb zwei Anrufe vom Veterinäramt. „Es hat anonyme Beschwerden gegen uns gegeben“, sagt Liebert. Die Beamten mahnten die beiden Tierfreunde, dafür zu sorgen, dass die Tiere im Stall blieben. Andernfalls sollte es eine „hohe Geldstrafe“ setzen.

Jetzt könnten sie endlich wieder ruhig schlafen, sagen die beiden. Und sie sind gespannt darauf, wann sie endlich wieder frische Eier für ihr Frühstück einsammeln können. Darauf mussten sie die letzten Monate verzichten – die Hennen legten nicht mehr.

Für Hubert Wiedemann, Vorsitzender der Lauinger Tauben- und Geflügelzuchtvereins, kommt die Lockerung der Stallpflicht gerade noch rechtzeitig. „Jetzt ist es einfach Frühjahr und die Tiere müssen rauskönnen. Enten und Gänse brauchen Wasser, um sich fortpflanzen zu können. Und für uns wäre es sonst wirklich knapp geworden, um eine gewisse Nachzucht gewährleisten zu können.“ Der Bergheimer hat selbst einige Hühner und fünf ´Deutsche Campbell-Enten und ist froh, dass die jetzt endlich wieder nach Herzenslust im Garten auf die Suche nach Würmern und Schnecken gehen dürfen.

Denn das gehört im Frühjahr, als Vorbereitung auf das anstrengende Brutgeschäft, zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Ganz auf Frischluft mussten Wiedemanns Tiere aber auch in den vergangenen Monaten nicht verzichten. Dafür hat der Züchter einen kleinen Auslauf vor dem Stall so umgebaut, dass er den Regeln entspricht. Und dort auch das Wasser für die Enten aufgestellt. Denn die benetzen sich gerne auch mal das Gefieder mit Wasser. „Würde man das dann drinnen stehen haben, dann wäre spätestens alle zwei Tage die Einstreu komplett durchnässt.“

Die Aufstallungsverpflichtung sowie das Verbot von Märkten, Ausstellungen und Veranstaltungen ähnlicher Art sind im Landkreis zwar mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Die Hygienemaßnahmen gelten allerdings weiterhin. Dazu gehört etwa die strikte Trennung von Straßen- und Stallkleidung, das Füttern von Geflügel im Stall und das Tränken mit Leitungswasser. Auch Kinder, Haustiere und andere Unbefugte sind weiterhin von den Ställen fernzuhalten.

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