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Zusamtaler in aller Welt

31.10.2012

Entspannt in den Musikunterricht in Ecuador

Lena Eser wird für „Musiker ohne Grenzen“ noch bis Januar in Südamerika leben und unterrichten

Wertingen/Ecuador Ihre Ankunft in Ecuador ist länger als einen Monat her und das Leben in Südamerika wird immer mehr zu ihrem Leben. In Gedanken ist die 18-jährige Lena Eser aber auch immer wieder in ihrem Heimatort Wertingen. Das Wappen der Zusamstadt klebt auf dem Tagebuch der jungen Musikerin. Als solche ist die Wertingerin derzeit in Playas, einem kleinerem Küstenort in Ecuador. Zu zweit unterrichten sie im Rahmen der Organisation „Musiker ohne Grenzen“ Menschen zwischen 4 und 90 Jahren musikalisch.

Durch Instrumenten-Spenden und eigene Instrumente können die beiden die verschiedensten Dinge anbieten: von Percussion und Gitarrengruppen über einen Senioren-Chor bis hin zu individuellem Unterricht in Klavier, Block- und Querflöte, Akkordeon, Trompete und Gesang. „Die Dankbarkeit der Menschen für unsere Arbeit zu erleben ist eine einmalige und bewegende Erfahrung“, schreibt Lena Eser in einer E-Mail an unsere Zeitung. Der Ansturm sei riesig, viele Leute wollen unterrichtet werden. „Wir haben schon Wartelisten aufgemacht, da weder die Lehrer noch die Instrumente ausreichen.“

Hauptsitz der Organisation „Musiker ohne Grenzen“ ist in Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors. Weitere zehn Deutsche unterrichten dort. Die Musiker(innen) sind alle in Gastfamilien untergebracht. „Ich wohne hier in einer wunderbaren Familie, die sich liebevoll um mich kümmert und mehrere Generationen umfasst“, schreibt Lena. Nach dem Frühstück – Brötchen mit Ei und einem Batido, das ist Milch, Zucker und Früchte im Mixer vermischt – geht es meist auf zum Strand. „Ich denke mir jeden Morgen aufs Neue, welch ein Privileg ich hier genießen darf, dass ich direkt am Pazifik wohne.“ Um 14 Uhr macht sie sich täglich auf den Weg in die Musikschule in einem Haus, in dem verschiedenste kulturelle Angebote stattfinden, unter anderem Tanz- und Malkurse. „Dadurch sind wir nie alleine, was das Unterrichten manchmal schwer macht – andererseits gibt es immer wieder neue Schüler oder leuchtende Kinderaugen, die fasziniert zusehen, wie ich ’alle meine Entchen’ spiele.“

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Den restlichen Abend verbringen die ecuadorianischen Geschwister und Eltern oft vor dem Fernseher, sehen sich die „Telenovelas“ (Fernsehroman) an. Später abends geht es in die verschiedensten Bars zum Tanzen. Ob Salsa, Merengue, Cumbia oder Reaggeton – „die Ecuadorianer können tanzen, da sieht man als Europäer richtig alt aus“, ist Lena Eser fasziniert. Schon im Kindesalter lernen die Kleinsten in der Schule oder beim Volkstanz die ersten Schritte und auf allen Fiestas, seien es Geburtstagspartys oder Beerdigungen, wird irgendwann angefangen zu tanzen. „Meine ecuadorianischen Freunde geben mir schon Nachhilfe, aber den Hüftschwung haben die Menschen hier einfach im Blut, das kann man nicht lernen.“

Noch bis Januar wird Lena Eser in Ecuador bleiben. Sie hofft, dass die Regenzeit, die in den nächsten Wochen beginnen wird, nicht ganz so heiß ausfallen wird, kann es doch über 40 Grad heiß werden und die Luftfeuchtigkeit täglich ansteigen. „Da haben wir, die wir an der Küste Ecuadors leben einen großen Vorteil - das Meer.“

Zusammenfassend schreibt die Wertingerin: „Alles in allem fühle ich mich hier richtig wohl, das Leben der Menschen ist um einiges entspannter, das sagt mir sehr zu.“ Natürlich sei die Armut allgegenwärtig und viele Menschen leben von der Hand in den Mund, aber das relativiere sich in gewisser Weise wieder, da niemand hier viel Geld habe. „No tengo plata!“ (= ich habe keine Kohle!) höre man in Ecuador von quasi jedem. „Aber trotzdem verstehen es die Menschen so zu leben, dass sie Freunde daran haben“, erzählt Lena Eser.

Am Ende ihres Berichtes zitiert die junge Wertinger Musikerin einen ecuadorianischen Busfahrer, der zu ihrer Freundin sagte: „Wir Ecuadorianer sind immer verliebt - verliebt in das Leben, das Gott uns schenkte.“ Allen Zusamtalern in ihrer Heimat schickt Lena Eser in diesem Sinne ein „paar wärmenden Sonnenstrahlen“. (pm)

Im Internet finden Sie weitere Informationen über die Projekte „Musiker ohne Grenzen“ und die Freiwilligen unter www.musikerohnegrenzen.de.

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