Newsticker

Corona-Neuinfektionen mit 23.449 Fällen leicht über Vorwochenniveau
  1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Er brachte die erste Pizza nach Wertingen

Nachruf

28.11.2017

Er brachte die erste Pizza nach Wertingen

Die erste Pizzeria hatte Filippo Di Stefano vor vier Jahrzehnten in Wertinger eröffnet.
4 Bilder
Die erste Pizzeria hatte Filippo Di Stefano vor vier Jahrzehnten in Wertinger eröffnet.
Bild: Reproduktion Bärbel Schoen

Mit dem Tod von Filippo Di Stefano verliert die Zusamstadt eine markante Persönlichkeit und ein Stück italienische Geschichte. Vor vier Jahrzehnten wirbelte er die schwäbische Küche mit mediterranen Gerichten auf.

 „Dolce Vita“ – schon der Begriff lässt deutsche Seelen dahinschmelzen. In Wertingen war es Filippo Di Stefano, der Ende der 1970-er Jahre einen ersten Hauch von „Bella Italia“ in das Zentrum brachte. Seinen Pizzaofen installierte er ausgerechnet in einem urschwäbischen Gebäude mit altem Fachwerk – im einstigen Lebensmittelgroßhandel Seiler (neben Drogerie Müller). Seit dieser Zeit verwöhnte „Filippo“, wie ihn die Gäste gerne riefen, die Einwohner mit Pizza und Pasta. Nun ist Wertingens erster Pizzabäcker im Alter von 67 Jahren gestorben. Mit seinem Tod verliert Wertingen ein Stück Geschichte.

Es ist die Geschichte einer ewigen Liebe zwischen zwei Kulturen. In der Zusamstadt schlug die Eröffnung der ersten italienischen Pizzeria neben dem früheren Gasthaus „Zum weißen Ross“ hohe Wellen. Alfred Sigg, der damalige zweite Bürgermeister, erinnert sich, als wäre es gestern geschehen: „Der gesamte Stadtrat war zur Eröffnung eingeladen.“ Endlich seien auch die Wertinger in den Genuss von Pizza und Spaghetti gekommen. „Es war fast eine Aufsehen erregende Geschichte.“ Endlich mussten Sigg und die Zusamstädter nicht mehr in die Nachbarstädte Dillingen und Augsburg fahren, um Köstlichkeiten aus der „Cucina d ‘Italia“ zu bekommen. Die Gastronomie erlebte mit der neu eröffneten „Pizzeria Romana“ eine echte Bereicherung. „Der Zulauf war riesengroß, denn neben Schweinsbratwürstchen gab’s jetzt noch etwas anderes“, erzählt Alfred Sigg. Für ihn selbst liegt das Glück in der langen, dünnen Nudel: „Bis heute liebe ich Spaghetti mit ganz viel Knoblauch.“

Filippo Di Stefano war bereits 1964 als 14-Jähriger nach Deutschland gekommen. Er stammte aus Mirabella-Imbaccari im sizilianischen Hochland. „Ich kam in eine für mich völlig andere Welt“, erzählte er einmal in der WZ. Der Sizilianer war jung und wollte raus aus der Enge der zehnköpfigen Familie, etwas erleben. Zunächst zog es ihn nach Giengen an der Brenz zu seiner älteren Schwester. Anfangs arbeitet er bei der Firma Bosch am Fließband und hilft abends in einer Pizzeria aus. Er versteht kein Wort Deutsch. Von seinem verdienten Geld richtet er sich Mitte der 70er Jahre in Giengen seine erste eigene Pizzeria ein. Im November 1978 zieht er mit seiner Frau Ute, die er in Giengen kennengelernt hat, und mit der erstgeborenen Tochter Giusi nach Wertingen, um hier sein „Ristorante“ zu eröffnen.

Zu jener Zeit leben hier nur wenig Ausländer, ein Jugoslawe und zwei Türken sowie ein weiterer Italiener in der Zusamstadt. „Es muss damals kalt gewesen sein“, erinnerte er sich später. Die Liebe zu seiner Frau Ute half ihm damals, die Sprache zu erlernen und im Städtle Fuß zu fassen.

Als Ausländer habe er sich nie gefühlt, erzählt Giusi Di Stefano-Schwendemann heute. Die Wertinger hatten den Sizilianer herzlich aufgenommen. Und auch die Jugend kehrte gern bei „Filippo“ ein. „Er liebte Kinder über alles“, so die Tochter. Mittags holten sich viele gern noch eine Pizza, bevor sie mit dem Bus nach Hause fuhren. Dabei gabt’s stets ein charmantes „ciao“ und sein spitzbübisches Lächeln. Nach 23 Jahren im Fachwerkhaus musste Filippo 2001 in das Gasthaus „Zum Schwanen“ umziehen. Dort blieb er bis 2015, um sich dann zur Ruhe zu setzen. Allerdings nur kurz. „Mein Vater ohne Pizzeria, das ging gar nicht“, schildert Tochter Giusi. Fast das ganze Familienleben habe in der Pizzeria stattgefunden. So wagte er vor einem Jahr noch einmal mit „Oliviera“ einen Neuanfang. Ein Mal jährlich zog es den Sizilianer in den Süden zu seiner Familie. Doch Wertingen wurde ihm letztendlich zur Heimat, sagt Tochter Giusi. Deshalb soll Filippo Di Stefano auf dem Wertinger Friedhof seine letzte Ruhe finden. Vor einer Woche er im Augsburger Klinikum nach längerer Krankheit verstorben. In zwei Monaten wäre der Pizzabäcker zum ersten Mal Großvater geworden. „Er wäre ein cooler Opa gewesen“, bedauert die Familie den frühen Tod. Am Freitag wird Filippo Di Stefano in Wertingen zu Grabe getragen. Der Trauergottesdienst findet um 14 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren