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20.11.2017

Er ist Chef und „Herrchen“

Findet Aiko den mit Haschisch gefüllten Beutel, verharrt er in der Position. Dadurch kann sein Hundeführer Hubert Hochstädter erkennen, dass sein Partner fündig geworden ist. Dieses Mal deponierte Hochstädter vier Gramm der Substanz in der Felge des Reifens.
Bild: Judith Roderfeld

Hundeführer Hubert Hochstädter und Rüde Aiko von der Dillinger Polizei sind Partner. Doch nicht für immer

Aikos Nase verschwindet in den Löchern der Getränkekästen, berührt die Schläuche der Fahrradreifen und gleitet über den steinernen Boden – bis sie verharrt. Die Pfoten des Deutschen Schäferhundes klemmen sich an die rote Sackkarre. Vier Milligramm Haschisch stecken in dem Griff. Deponiert von Hundeführer Hubert Hochstädter. Aiko hat seinen Job gemacht. Er arbeitet für die Polizei in Dillingen.

Seit sechs Jahren gehört Aiko mit zum Team, immer an der Seite von Hochstädter. Der 55-Jährige kaufte den Rüden, als er noch ein Welpe war. Zunächst bildete er Aiko privat aus, bis der Freistaat Bayern ihm den Hund abkaufte. Herrchen bleibt der Polizist trotzdem. Nur Aiko war ab dem Zeitpunkt nicht mehr bloß Familien-, sondern vor allem Diensthund.

Aiko ist jetzt siebeneinhalb. „Da macht man sich schon Gedanken“, sagt Hochstädter. Die meisten Diensthunde sind bis zum maximal zehnten Lebensjahr bei der Polizei. Danach geht es in den Ruhestand. Der Beamte weiß, dass er sich bald nach einem neuen Hund umsehen muss. Doch eines steht fest: „Hund und Halter sind ein Team, und das für immer.“ Noch nie habe er einen Kollegen getroffen, der es nach der gemeinsamen Zeit übers Herz gebracht hätte, den Hund in ein Tierheim zu geben. „Wer so viel Zeit mit dem Tier verbringt, der wird diesen Hund mit Sicherheit nicht mehr abgeben“, bestätigt auch Michael Deißler, Leiter der Diensthundestaffel Augsburg, der die PI Dillingen seit Juni angehört. Als Hundeführer zu arbeiten sei eine Entscheidung fürs Leben. Hubert Hochstädter nickt und fügt an: „Wichtig ist vor allem, dass die ganze Familie mitzieht.“ Frau und Kinder müssten akzeptieren, dass ein neues Mitglied dazugestoßen ist. Eines, das nicht mit einem normalen Haustier gleichzusetzen ist. „Man muss wissen, dass man einen Diensthund hat und keinen Schoßhund.“ Aiko ist zum Schutzhund ausgebildet worden. Das heißt, wer das Herrchen angreift, sei es nur zum Spaß, kann gebissen werden. „Gerade gegenüber Fremden ist Aiko sehr wachsam.“ Bis es so weit war, mussten Hund und Herrchen zum Unterricht. Aiko lernte die Basis, wie zum Beispiel das Gehen auf Gittertreppen, Dunkelfelder oder bewegtem Untergrund, trainierte Gerüche, die in der Umwelt vorkommen, und die Angst vor Schüssen abzulegen. Es folgten diverse Gehorsamkeitsübungen, Nasenarbeit und Spurensuche. Aiko habe üben müssen, sich unterzuordnen, Gebäude und Hundeführer zu schützen, flüchtige Personen zu verbellen und im Notfall zu beißen.

Bei bestandener Prüfung und einem einmaligen, zuvor abgeleisteten theoretischen Lehrgang für den Hundeführer folgte Aikos Speziallehrgang – die Ausbildung zum Rauschgiftspürhund.

Aiko zeigt mit seiner Schnauze auf die Beute. Reinbeißen und Kratzen darf er nicht. „Um Schäden zu vermeiden“, sagt Deißler. Ebenfalls, um den Hund zu schützen. Aiko reagiert auf Heroin, Haschisch, Marihuana, Kokain und andere chemische Stoffe. Zum Üben und bei einigen Einsätzen kommen kleine Mengen der Substanzen zum Einsatz. „Ich habe dann immer etwas dabei“, sagt Hochstädter. Im Ernstfall, um den Hund zu motivieren. Das seien allerdings nur kleinste Mengen – genau abgewogen und schriftlich festgehalten. Rauschgifteinsätze gibt es in Dillingen mindestens zehn bis zwölf Mal im Monat.

Seit 1980 ist Hochstädter bei der Polizei, 23 Jahre davon arbeitet er als Diensthundeführer in Dillingen, zusammen mit einem weiteren Kollegen. Der Schäferhundrüde ist sein fünftes Tier. Aikos Vorgänger lebt noch und ist nach wie vor Teil der Familie. Mit der Arbeit als Hundeführer hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. „Für mich ist das der tollste Job bei der Polizei.“ Die Liebe zu Hunden sei schon immer präsent gewesen. Eine Grundvoraussetzung, um den Job machen zu können, sagt er. Denn entscheidet sich ein Polizist für die Laufbahn eines Hundeführers, entscheidet er sich für ein Leben mit einem Diensthund. Fast 24 Stunden sind die beiden zusammen. Fahren gemeinsam zur Arbeit, nach Hause und in den Urlaub.

Ist der Rüde während eines Einsatzes auf der richtigen Fährte, verharrt er in der Position und fixiert die Stelle. Zu dem Zeitpunkt drückt Hochstädter auf seinen Klicker. „Wenn ich klicke, weiß Aiko, dass er es gut gemacht hat.“ Der 55-Jährige wirbelt das Spielzeug von einer Richtung in die andere, als Belohnung für die geleistete Arbeit. „Manche tun sich schwer, auch mal der Kasperle zu sein“, sagt er. Dabei sei das wichtig. Wichtig für die Bindung. „Aiko spürt auch an meiner Stimme, ob er was richtig oder falsch gemacht hat.“ Die Stimme sei ohnehin eines der wichtigsten Instrumente. Stachelhalsbänder und Elektroschocks würden längst der Vergangenheit angehören. „Das läuft alles über positive Verstärkung.“ Früher habe es bei der Erziehung eines Diensthundes mehr Zwang gegeben, bestätigt Deißler. Das ist mittlerweile vorbei.

Ist Schäferhund Aiko erfolgreich und wird von seinem Herrchen gelobt, wedelt sein Schwanz, er bellt laut und ist aufgeregt. „Wenn er selber was erarbeiten kann, ist er stolz“, erklärt Hochstädter und lacht seinem Partner mit der kalten Schnauze entgegen.

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