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WZ-Serie

20.01.2017

Er verdiente als Hilfsarbeiter Geld für ein Tonbandgerät

Dies ist Willi Kempters Lieblingsobjekt im Wertinger Radio- und Telefonmuseum: das Tonbandgerät Grund TS 340 HiFi.
Bild: Cornelius Brandelik

Willi Kempter kaufte für 258 D-Mark bei Grundig ein. Heute ist ein anderes Gerät sein Lieblingsobjekt im Wertinger Radiomuseum. Warum die Technik faszinierend war

In einer Serie stellen Museumsmitarbeiter in der Region ihre Lieblingsobjekte vor. Dies führt uns heute ins Wertinger Radiomuseum.

Willi Kempter, seit 2013 Mitarbeiter im Wertinger Radiomuseum, hat sich ein Tonbandgerät als Lieblingsobjekt ausgesucht. Es ist ein Grundig TS 340 HiFi (Tonband-Schatulle), das ab Mitte der 60er Jahre auf dem Markt war. Das Wertinger Radio- und Telefonmuseum besitzt etwa 30 Tonbandgeräte, etwa sechs davon sind ausgestellt. Die Tonbandtechnik ist heute kaum noch im Gebrauch, sie wurde überholt von der CD und dem i-Pod, ist aber für den Museumsmitarbeiter immer noch faszinierend.

Als Jugendlicher hing Kempter wie viele seiner Freunde jeden Mittwoch am Radio und lauschte dem Wunschkonzert mit Fred Rauch. Um seine Lieblingsmusik auch sonst hören zu können, überlegte er sich die Anschaffung eines Tonbandgerätes. Das nötige Geld verdiente er sich ab 1964 als Hilfsarbeiter in der Schreinerei Frötschl in Herbertshofen. Für 258 D-Mark kaufte er dann ein Tonbandgerät Grundig TK 17L (Tonband-Koffer, Luxus), trotz des Namens ein eher einfaches Gerät.

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Die besagte Schreinerei stellte unter anderem Gehäuseteile für Grundig-Geräte her. Für das ausgesuchte Lieblingsobjekt und für bauartgleiche Tonbandgeräte wurde beispielsweise die Bodenplatte gefertigt: Dafür wurde eine Spanplatte zugeschnitten, Öffnungen eingefräst und die Löcher für die Füße gebohrt. Die Bespannung der Bodenplatte mit Kunstofffolie erfolgte im Grundig-Werk V in Augsburg-Haunstetten.

Willi Kempter, ein Herbertshofener, wurde am 21. Januar 1948 in Augsburg geboren. Er machte eine Landwirtschaftslehre beim Vater und besuchte die Landwirtschaftsschule in Wertingen. Nach der Ausbildung war ihm klar, dass er mit seinem kleinen elterlichen Betrieb keine ausreichende Existenzgrundlage hatte, sodass er eine weitere Lehre draufsattelte: Von 1970 bis 1972 machte er eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker in Augsburg bei der Firma Goedecke. Anschließend arbeitete er zwei Jahre bei der Telefunken-Werksniederlassung in der Werkstatt für Unterhaltungselektronik in Augsburg-Lechhausen.

Berufsbegleitend holte er übers Telekolleg die Mittlere Reife und das Fachabitur nach, sodass er 1974 bis 1978 an der Fachhochschule in München Nachrichtentechnik studieren konnte. 1978 bis 1986 arbeitete Kempter bei Siemens in Augsburg in der Endprüfung von Großcomputern und in der Entwicklungsabteilung für Datenstationsrechner. Ab 1986 bis zum Renteneintritt war er bei SGL in Meitingen beschäftigt. Aufgabengebiet war die Datenverarbeitung im Labor.

Seine Liebe zu Radios war nie ganz erloschen, wurde aber 2013 wieder geweckt durch die Zusammenarbeit mit dem Radiomuseum: Otto Killensberger fragte in der Wertinger Zeitung nach, was denn die Firma Frötschl für die Firma Grundig hergestellt hat. Hier konnte Kempter bestens Auskunft geben. Ein Kreis schloss sich, ein neuer tat sich auf.

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