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Stammbaum-Serie

31.08.2020

Er will die eigenen Wurzeln nicht vergessen

3 Bilder

Die Geschichte der Familie Helmschrott in Gottmannshofen geht bis auf das Jahr 1793 zurück

Seit Jahrhunderten an einem Ort verwurzelt - manche Familie aus der Region kann auf einen bemerkenswerten Stammbaum zurückblicken. In einer Serie stellen wir diese besonderen Familiengeschichten aus dem Landkreis Dillingen vor.

Siegfried Helmschrott blättert im Fotoalbum, das seine Tochter Stefanie gestaltet hat. Darin sind fünf Generationen von Helmschrotts dokumentiert, beginnend von seiner Großmutter Margareta, über seine Mutter Hedwig und deren Geschwister, ihn und seine Ehefrau Annemarie, die Kinder Stefanie, Bettina und Kevin bis zu den beiden Enkeltöchtern Ida und Ruth. Unter dem Motto „Man darf die eigenen Wurzeln nie vergessen“ blättert der 62-Jährige darin und erinnert sich an so manchen Gottmannshofener, der auf dem historischen Bildmaterial zu sehen ist.

Und auch einer seiner Onkel, Xaver, der Halbbruder seiner Mutter, ist auf einigen Bildern abgelichtet. „Er war sehr beliebt, wurde leider nur 22 Jahre alt, fiel im Zweiten Weltkrieg.“ Eine Besitzurkunde des Sturmabzeichens vom Gefallenen übergab Siegfried Helmschrott übrigens vor einiger Zeit Wertingens Stadtarchivar Johannes Mordstein, der wiederum intensiv zur Geschichte des bäuerlichen Anwesens mit dem Hofnamen Kretzenbauer (Hausnummer 14, heute Alte Straße 3) recherchierte. „Es zeigte sich, dass der Hof im Erbe der Familie Helmschrott urkundlich seit 1793 erwähnt ist. Das wusste ich vorher nicht.“

Und dort wuchs er im Kreise seiner Mutter Hedwig, der Großeltern Margareta und Anton, der Tanten Gretel (Margarethe) und Resi (Theresia) sowie seines Onkels Johann (Hans) auf. Damals betrieb die Familie noch die Landwirtschaft mit Tieren, seit 1987 ist der Hof verpachtet, einzig die Forstwirtschaft wird weiterhin von Siegfried Helmschrott und seinen Kindern nebenher durchgeführt. Der gelernte Maurer – „mein Traumberuf“ – und Bautechniker erinnert sich intensiv an seine Kindheit und Jugend im Anwesen gegenüber vom Landgasthof Stark. „Mein Onkel Xaver war in den Erzählungen meiner Verwandtschaft immer ein Thema. In seiner Todesanzeige steht geschrieben: Alle, die unseren Xaver kannten, verstehen, was wir verloren haben.“

Aber auch so manche andere Erinnerung an die Menschen und Begebenheiten in Gottmannshofen werden durch das Album zum Leben erweckt. Da sieht man etwa die Männer der Gemeinde am Tag der Glockenweihe auf dem Helmschrott-Hof versammelt (siehe Foto), auf einem Bild den Urgroßvater der Brüder Ulrich und Martin Bihlmayr (Erlebniswert Eventagentur) oder Otto Müller, einen Vorfahren von Gastronom Josef Stark (Landgasthof) sowie Schnappschüsse von der Feldarbeit, die im heutigen Haus von Siegfried Helmschrott als Vergrößerungen an der Wand hängen, die alle die Erinnerung an früher aufrecht erhalten. „Es war jedoch nicht immer nur die sogenannte Gute alte Zeit, meine Mutter etwa hatte es sicher nicht leicht, mit zwei unehelichen Kindern, mir und meiner Halbschwester“, ergänzt er nachdenklich.

Aber es überwiegen die vielen, kleinen schönen Einzelheiten, die er durch die Fotografien zu erzählen weiß. Und so wird der Blick ins Helmschrottsche Familienalbum eine interessante Zeitreise in die Historie des einstigen freien Ortsteils von Wertingen, vor allem der vergangenen hundert Jahre. Siegfried Helmschrott bewahrt bewusst auch andere Erinnerungen an seine Familie auf. Ein Hochzeitsschrank seiner Urgroßmutter, Margaretha Lindemeier, gebürtig in Bliensbach, die mit Mathias Helmschrott verheiratet war, steht zum Beispiel im Gang. „Ich habe ihn restauriert.“

Seine Ehefrau Annemarie hieß zufällig bereits ledig schon Helmschrott. „Als ich sie kennenlernte und mich vorstellte, meinte sie, ich will sie veräppeln“, erzählt er schmunzelnd. Dabei geht der Familienname zurück bis ins zwölfte Jahrhundert. „Meine Tochter Stefanie hat das einmal recherchiert. Es gibt sogar eine gleichnamige Romanfigur aus dieser Zeit. Der Name ist also schon viele Jahrhunderte geläufig, laut Alfred Sigg leitet er sich von Schroten, Zerhauen von Helmen, ab.“

Und seine Träger sind eben unter anderem die Mitglieder einer alteingesessenen Familie in Gottmannshofen, deren einstiger Hof Mittelpunkt für nachweislich sogar sieben Generationen war.

Die älteste Quelle im Stadtarchiv Wertingen, das Grund- und Lagerbuch für die Gemeinde Gottmannshofen aus den Jahren 1851/52, nennt hier Josef Helmschrott als Eigentümer. Er war auch noch 1871 im Besitz des Anwesens, da er in diesem Jahr einen Brandversicherungsvertrag der Mobiliar-Feuerversicherungen abschloss. Im 1879 angelegten Familienstandsbogen ist der erwähnte Mathias Helmschrott (geboren 1843) dann als Hofbesitzer eingetragen, der mit seiner Frau sechs Kinder, geboren zwischen 1874 und 1889, hatte. Der jüngste davon: Siegfrieds Großvater Anton. Er war der zweite Ehemann, in einer damals üblichen Schwagerehe, von Margareta Helmschrott. „Meine Großmutter war in erster Ehe mit seinem älteren Bruder Xaver verheiratet, der an Lungenentzündung starb. Aus dieser Ehe stammte auch der allseits beliebte Xaver.“

Siegfried Helmschrott will unbedingt auch für seine Enkeltöchter und kommende Generationen die Erinnerung an die Familiengeschichte in Gottmannshofen bewahren – damit sie ihre Wurzeln kennen.

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