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Lauingen

16.11.2017

Fasching? Nein, danke!

Michael Mayer und Alexander Braun (von links) haben unterschiedliche Ansichten, wenn es um das Thema Fasching geht. Der eine liebt die Zeit, ist in der Faschingsgesellschaft Laudonia aktiv und verpasst keinen einzigen Festtag. Der andere mag keine Verkleidung und geht der fünften Jahreszeit lieber aus dem Weg.

Michael Mayer und Alexander Braun aus Lauingen sind nicht einer Meinung. Zumindest nicht, wenn es um die Liebe zum Fasching geht.

Fröhlich oder aufgesetzt? Witzig oder lächerlich? Ausgelassen oder verkrampft? Die Faschingszeit beschreibt jeder durch andere Merkmale. Obwohl der Brauch seit Jahrzehnten im Landkreis verankert ist – die Meinungen zu dem Thema gehen weit auseinander. Michael Mayer und Alexander Braun kommen beide aus Lauingen, einer Faschingshochburg. Trotzdem: Die Liebe zur fünften Jahreszeit teilen sie nicht.

Vergangenen Samstag war der 11.11. und damit Saisonbeginn. Es dauert nicht mehr lange und die Narren ziehen durch die Straßen, Tanzgarden performen, die Bierkrüge prallen aneinander, es herrschen Gelächter und Fröhlichkeit. Nicht jedem gefällt es, wenn Superman auf Bambi trifft, große und verrückt aussende Hüte als Kopfschmuck dienen sowie Umzüge die Durchfahrt versperren. „Es fließt zu viel Alkohol, und es gibt mehr Pöbeleien“, sagt Braun. Der 21-Jährige wird erleichtert sein, wenn ab März kein Narr mehr zu sehen ist, sich niemand mehr verkleidet und weniger Müll auf den Straßen liegt. Unverständlich, findet Michael Mayer. Es ist das vierte Jahr, seit der angehende Physiotherapeut in der Faschingsgesellschaft Laudonia aktiv ist. Er war mal der Prinz, ist aktuell im Showtanz und im Organisationsteam. Der 23-Jährige liebt Fasching. „Das gemeinsame Feiern, der ganze Spaß, der daran hängt, gefällt mir.“ Beim Fasching träfen sich neue und bekannte Gesichter. Auch die, die schon lange nicht mehr in Lauingen wohnen, wegen des Studiums oder der Arbeit in eine andere Stadt gezogen sind. „Wenn Fasching ist, kommen sie alle wieder.“

Alexander Braun kann nicht verstehen, dass Unzählige an dem Brauch hängen. Die Ausmaße des Feierns seien groß. Das spüre er gerade zur Faschingszeit. „Mir fällt auf, dass viele einfach übertreiben.“ Es fließe zu viel Alkohol, sagt er. Ständig gäbe es Ärger. „Das hat aber nichts mit der fünften Jahreszeit zu tun“, lenkt Mayer ein. In jeder Disco, auf jedem Volksfest, jeder Party seien Menschen, die ihre Grenzen nicht einzuschätzen wüssten. „Überall, wo es Alkohol gibt, gibt es Leute, die sich nicht zusammenreißen können.“ Außerdem darf nicht in jeder Situation getrunken werden. Beim Showtanz oder dann, wenn es um die Sicherheit der Menschen geht – so schreiben es die Faschingsgesellschaften vor.

Nicht nur der Alkohol an sich sei das Problem, sagt Braun. Auch die Umstände, die damit einhergehen. „An vielen Stellen liegt Erbrochenes.“ Die Straßen seien dreckiger als sonst, und überall sei Müll zu sehen. Dennoch: Braun weiß, dass Fasching zur Kultur des Landkreises gehört. Deshalb lässt er sich manchmal von seinen Freunden überreden, geht mit, wenn die geschmückten Wagen durch die Orte fahren. „Danach denke ich allerdings dann meistens: Was habe ich mir da nur angetan?“

Braun lacht. Viele seine Freunde mögen Fasching. Das akzeptiert er. „Ich gönne es jedem“, sagt er und nickt Mayer entgegen. Gleichzeitig stört es den gelernten Elektriker, dass sich einige nicht trauen, offen als Faschingsmuffel aufzutreten. Braun glaubt, weil die Gegner eher die Minderheit darstellen, dadurch schlichtweg der Mut fehle.

Dass manche auf den Festen noch wilder abgehen als im normalen Alltag, wissen beide Lauinger. Die Kostümierung könne eine Rolle spielen, sagt Mayer. „Ein paar Leute mögen zu der Zeit anders feiern als sonst.“ Aggressive Partygänger sähe der 23-Jährige allerdings nur selten. „In erster Linie geht es den meisten um das friedliche Feiern.“ Klar dürfe da das eine oder andere Bier nicht fehlen, sagt er. Das Kriterium für eine tolle Faschingszeit sei der Alkohol aber keinesfalls. Es gehe um die Gemeinschaft, das Zusammenkommen zwischen alten und neuen Bekannten.

Für Hinzugezogene sind laut Mayer auch gerade Faschingsgesellschaften die passende Anlaufstelle. Kaum an einem anderen Ort ließen sich leichter Kontakte knüpfen. Für Mayer ist der Fasching mit vielen Kindheitserinnerungen verknüpft. „Das war immer ein Highlight.“ Wie die Narren ihm Süßigkeiten zusteckten – so etwas vergesse man nicht, sagt er. Einmal sei er am Faschingswochenende krank gewesen. „Das war echt hart.“

Alexander Braun hingegen freut sich, wenn die Faschingszeit wieder vorbei ist. Verkleiden ist ohnehin nicht seins.

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