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Bauausschuss

23.02.2018

Fehlt Verständnis für die Landwirte?

Stadtrat Franz Bürger äußert Bedenken. Manche hätten falsche Vorstellungen, bevor sie aufs Land ziehen

Der Abend im Bauausschuss des Wertinger Stadtrats hatte eigentlich nicht die Zutaten, um zu einer ereignisreichen Sitzung zu werden: mehrere Bauvoranfragen, Standardprogramm für die Räte.

Doch der Abend sollte noch ein paar Emotionen hervorrufen. Eine Anfrage einer auswärtigen Immobilienfirma war zu diskutieren. Es ging um ein mögliches Wohnbauprojekt, dem die Stadt im Stadium der Voranfrage zustimmen sollte. Dieses liegt im Ortsteil Prettelshofen, und auch dort nicht im Ortskern, sondern in der Nähe einer landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Stadtrat Franz Bürger äußerte Unbehagen ob der vorgelegten Bauvoranfrage. Seine Erfahrung habe folgendes gezeigt: Die vergleichsweise billigen Bauplätze auf dem Land ziehen Leute von außerhalb an. Meist zögen keine Bürger aus der Region in derartige Wohnungen.

Alles noch kein Problem, argumentierte Bürger. Keineswegs habe er Einwände dagegen, dass Großstädter aufs Land ziehen. „Doch meine Erfahrung zeigt: Erst scheint alles harmonisch, und dann passt so einiges nicht.“

Gerade seinem eigenen Berufsstand, den Landwirten, und deren rustikaler Arbeit werde in der Bevölkerung weniger Verständnis entgegen gebracht. Es sei wichtig, sie in ihrer Tätigkeit nicht unnötig einzuschränken. Zweiter Bürgermeister Johann Bröll sagte: „Wir wollen die verbliebenen Landwirte in der Region unterstützen.“

Außerdem störte sich Bürger daran, dass noch nicht klar ersichtlich sei, wie viele Parteien letztendlich in dem Wohnungsbau einziehen würden. Möglich seien sowohl vier als auch sechs. Je mehr Parteien, desto schwieriger werde es, die Bedürfnisse aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen – eben gerade auch die der Landwirtschaftsbetriebe. Er stellte deshalb eine Befürwortung der Bauvoranfrage durch den Stadtrat infrage.

Seine Stadtratskollegen widersprachen Bürger bestimmt. Peter Hurler (Grüne) sagte: „Man spricht immer davon, dass die Dörfer aussterben. Wie man dann gegen ein solches Projekt sein kann, erschließt sich mir nicht.“ Reinhold Wörle (Freie Wähler) argumentierte: „Würde es sich um einen Einheimischen handeln, würden wir ja auch zustimmen.“ Bei der Abstimmung hob dann Bürger als einziger seine Hand, als die Gegenstimmen gezählt wurden.

Gegenüber unserer Zeitung führte Bürger sein Argument noch einmal aus. „Man muss als Landwirt mit den Leuten reden. Gegenseitiges Verständnis ist wichtig.“ Doch das gehe zunehmend verloren. Wer aufs Land zieht, tue dies meist aufgrund der niedrigen Preise. Die Umstände, die das Leben auf dem Land in Sachen Geruch und Arbeitserfordernissen – etwa das Ausbringen von Gülle oder das nächtliche Arbeiten auf dem Feld – mit sich brächten, würden erst ignoriert und mündeten anschließend in Rechtsstreitigkeiten. „Viele haben keinen Bezug mehr zur Branche Landwirtschaft“, sagte Bürger.

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