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Interview

06.07.2020

Fotograf eröffnet neues Café in Wertingen: Das steckt dahinter

Seit 100 Jahren gibt es das Fotostudio Zolleis in Wertingen. Zuletzt war es auf drei Standorte verteilt. Jetzt führte Jonas Ziegler alle Bereiche seiner Z-Studio GmbH zusammen und errichtete ein neues Gebäude am Kreisverkehr an der Umgehungsstraße – einschließlich Café. Am Eingang steht die Kamera seines Uropas (Bild).
Bild: Birgit Hassan

Plus Der Fotograf Jonas Ziegler eröffnet am großen Kreisverkehr an der Wertinger Umgehungsstraße ein neues Café. Im Gespräch verrät er, was Kunden bei ihm ab Montag erwarten können.

Kurz vor seinem 40. Geburtstag eröffnet Jonas Ziegler am großen Kreisverkehr an der Wertinger Umgehungsstraße am Montag, 6. Juli, ein neues Café, eine Erweiterung seiner Z-Studio GmbH. Der vielseitige Fotograf will damit neue Wege gehen. Wir sprachen mit ihm über die Besonderheiten des Cafés ebenso wie über faszinierende neue fotografische Möglichkeiten.

Café und Fotografie – wie passen die beiden Bereiche zusammen?

Jonas Ziegler: Mit dem Café wollte ich einen Platz zum Wohlfühlen schaffen und gleichzeitig unser Fotolabor pushen, das wir seit Urzeiten im Haus haben. Dazu kommt, dass das Medium Bild wieder wichtig für die Menschen wird. Neben unserer normalen Speisekarte gibt’s bei uns daher eine Fotospeisekarte.

Fotograf eröffnet neues Café in Wertingen: Das steckt dahinter

Wertingen: Das steckt hinter dem neuen Café eines Fotografen

Was bieten Sie den Menschen an?

Ziegler: Viele Bilder schlummern auf Laptops und Handys. Bei einer Tasse Kaffee können Kunden beispielsweise in aller Ruhe Bilder aussuchen, direkt an uns schicken, nach kurzer Wartezeit ihre Bilder mitnehmen und direkt bezahlen. Und von uns ist immer jemand da.

Der Service macht sich vermutlich im Preis bemerkbar?

Ziegler: Wir sind keineswegs teurer als ein Drogeriemarkt und bieten durch ein anderes Verfahren eine bessere Qualität.

An den Wänden Ihres Cafés hängen viele Bilder. Deko oder Werbung?

Ziegler: Die Bilder werden sich stetig wandeln und sollen immer mehr werden. Ich sortiere gerade unser altes Archiv aus, habe dabei viele Schätze entdeckt. Meine 94-jährige Oma kann mir zu den Bildern noch viel erzählen. Mit dem Café habe ich die Idee eines Kollegen aus dem Allgäu aufgegriffen, der seinen Kunden alte Bilder aus der Heimat anbietet. Wem eines davon gefällt, kann es für sich zuhause in passender Größe und Material ausarbeiten lassen. Jedes ist signiert mit der Originalunterschrift meines Uropas, die ich nach langer Suche schließlich bei Verwandten in Pfronten fand.

Er war der Gründer des Fotostudios?

Ziegler: Ja, als gelernter Schuhmacher besaß er einen Textilhandel und zog nebenbei die Fotografie hoch – ähnlich wie ich es jetzt mit dem Café mache.

Die Technik und Möglichkeiten der Fotografie von damals und heute unterscheiden sich gravierend. Was ist im Laufe der Jahre weggefallen, was dazugekommen?

Ziegler: Weggefallen ist nie wirklich etwas. Eher immer wieder was Neues dazugekommen. Klar haben sich die Geräte verändert. Die Kamera meines Uropas aus dem Jahre 1910 steht am Eingang des Cafés und Geschäfts. Beim Betreten eröffnet sich den Besuchern gleichzeitig ein Blick in die neuen Technologien. Fotografie hat mittlerweile viele Sparten.

Auf was haben Sie sich spezialisiert?

Ziegler: Wir beackern das ganze Feld der Fotografie, sind mittlerweile eines der größten Fotostudios in Süddeutschland. Mit drei wesentlichen Säulen: der Werbefotografie, den Imagefilmen und Traditionellem wie Hochzeits-, Business- und Porträtbildern. Hier bin ich gespannt, was entsteht. Ich kann mir beispielsweise ein Event vorstellen für die Oma, die 60 Jahre wird – gemeinsames Kaffeetrinken, Kuchenessen und dazu ein Familienfoto.

Ein Fotograf muss sich demnach für Sie heute in vielen Richtungen orientieren?

Ziegler: Unternehmen brauchen heutzutage Pakete, müssen ihre Produkte auf allen Kanälen bewerben können. Neben den eigenen Berufsfeldern habe ich ein großes Netzwerk an Partnern. Mir geht es immer wieder darum, Altes mit Neuem zu verbinden.

Hat es daher auch ein neues Haus gebraucht?

Ziegler: Letztendlich sind verschiedene Faktoren zusammengekommen. Ich hatte ein Studio mit drei Standorten – in Geratshofen, Mertingen und der Wertinger Badgasse. In Geratshofen musste ich raus, das Hin-und-Her-Hoppen war total anstrengend und die 100-Jahr-Feier stand vor der Tür. Ich brauche Platz für die Kulissen, eine gute Anbindung und Parkplätze. 2018 habe ich mich entschieden, aus der Innenstadt raus zu gehen. Die Badgasse ist inzwischen eine gute Wohnlage, aber kein guter Geschäftsbereich.

Was passiert mit dem Haus?

Ziegler: Das habe ich bereits an den Nachbarn verkauft. So wird der ehemalige gemeinsame Garten an der Stadtmauer wieder eins und bleibt erhalten. Für mich wäre das alte Gebäude mit der denkmalgeschützten Mauer bei einem Umbau ein einziges Überraschungspaket geworden.

Kunden sollen sich fotografisch überraschen lassen können

Und der Platz für ein Café hätte ebenfalls gefehlt ...

Ziegler: Das Café ist ein „ad on“. Im Herzen bleiben wir ein Fotostudio.

Ist das Café eigentlich Ihren Kunden vorbehalten?

Ziegler: Keineswegs. Es darf einfach ein Platz zum Sich-Wohl-Fühlen werden, wobei man sich fotografisch überraschen lassen kann. Zum Beispiel können wir ein Paar, das das gerne will, beim Kommen fotografieren und das Bild mit Kakao anschließend auf den Cappuccino platzieren.

Sehen Sie es als günstigen Moment an, derzeit ein neues Café zu eröffnen?

Ziegler: Natürlich müssen wir uns an bestimmte zusätzliche Auflagen halten. Auf der anderen Seite verspüren die Menschen auch wieder das Bedürfnis nach sozialem Kontakt. Ich hab’s gewagt und bin positiv gestimmt. Es gibt einfach Dinge im Leben, die wir nicht im Großen, sondern nur in unserem kleinen Kosmos verändern können – mit der Hoffnung, dass sich durch viele kleine Kosmen auch im Großen was ändern wird.

Was heißt das für Sie konkret?

Ziegler: Meine Oma hat mir erzählt: Wenn jemand zu uns zum Fotografieren gekommen ist, dann bin ich auch zu ihm zum Einkaufen gegangen. Ich habe den Neubau meines Z-Studios ebenso nur mit regionalen Partnern gemacht, jeden einzelnen Handwerker gekannt.

Das spricht für einen heimatverbundenen Menschen.

Ziegler: Auf meinen Polarreisen habe ich viel gesehen von der Welt. Heute lebe ich auf einem ehemaligen Bauernhof in Rieblingen, habe Schafe, Bienen und mehrere Hühner – wenn der Fuchs nicht gerade da war.

Apropos, ein Blick auf Ihre Homepage zeigt, in Ihrer Firma sind Sie der „Hahn im Korb“, sprich der einzige Mann unter vielen Frauen. Ist das Absicht?

Ziegler: Das habe ich nicht forciert. Mir ist es wichtig, dass das Team zusammenpasst.

Wer ist verantwortlich für das Café?

Ziegler: Christine Schäffler aus Gottmannshofen hatte schon bei mir gearbeitet, kehrte dann in ihren Beruf als Konditorin zurück. Jetzt ist sie die optimale Besetzung für mein Café.

Gehen Sie selbst gerne ins Café?

Ziegler: In aller Ruhe ins Café gehen. Der Gedanke gefällt mir. Im Moment fehlt mir dafür die Zeit, ich habe so viele Projekte in meinem Kopf, die mich treiben.

Da braucht’s eine starke Frau im Rücken ...

Ziegler: Oh ja, meine Frau bietet mir ein starkes Rückgrat. Mitten im Umzug kam unser drittes Kind auf die Welt: Leonhard. Das war in dem Moment natürlich wichtiger als alles andere.

Impressionen und Platzreservierungen fürs Café unter 08272/9819001, www.zolleis-cafe.de.

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