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Wertingen

14.03.2019

„Fridays for Future“ kommt nach Wertingen

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Die Schülerproteste unter dem Motto „Fridays for Future“ wachsen sich derzeit zu einer weltweiten Bewegung aus. Auf dem Bild ist eine Demonstration im Februar in Landsberg zu sehen. Am morgigen Freitag, 15. März, ist eine Demonstration ab 9 Uhr vor der Wertinger Stadthalle angekündigt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Bei der Aktion streiken Schüler für mehr Umweltschutz. Warum der Initiator nicht mehr nur in München demonstrieren will.

„Fridays for Future“ ist dabei, sich zu einer globalen Bewegung von Jugendlichen auszuweiten, die eine drastische Verbesserung des Klimaschutzes fordern. Inspiriert sind sie unter anderem von der jungen Schwedin Greta Thunberg. Die 16-Jährige Aktivistin begann damit, die Schule zu verweigern, um für den Klimaschutz zu werben. Im Januar wurde sie auf das Weltwirtschaftsforum in Davos eingeladen. Da sagte sie den Mächtigen der Welt unverblümt ins Gesicht: „Ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“

In der Tat scheint der Ernst der Lage in weiten Teilen der Welt immer noch nicht vollständig registriert zu sein. Denn obwohl der Klimarat der Vereinten Nationen jedes Jahr dringendere Warnungen ausspricht, und der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid drastisch verringert werden muss, sind die Pläne der Politik immer noch zögerlich. Zum Beispiel in Wertingen: Da wurde erst im Januar ein Beschluss im Stadtrat gefasst, der die Ansiedlung von Windkraftanlagen auf dem Stadtgebiet verhindert.

"Fridays for Future" in Wertingen statt in München

Diese jüngste Entscheidung ist laut Niklas Zöschinger allerdings nicht der Grund, weshalb die erste „Fridays for Future“-Demonstration im Landkreis am morgigen Freitag, 15 März, in Wertingen stattfinden soll. Gemeinsam mit einigen seiner Mitschüler war der er schon bei Demonstrationen in München dabei. Dort erlebte er eine Atmosphäre unter den tausenden Jugendlichen, die vor positiver Energie nur so sprühte. Da dachte sich der 18-jährige Höchstädter, der in Wertingen die Montessori-Fachoberschule besucht: „Wieso sollen wir Kleinstädter immer in große Städte fahren, um unsere Meinung zu äußern?“.

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Also begann Niklas Zöschinger, eine eigene Demonstration ins Leben zu rufen. Dazu führte er viele Gespräche, unter anderem mit den Wertinger Schulleitern und Bürgermeister Willy Lehmeier. Die Reaktionen der Schulleiter fielen gemischt aus. Während manche das Engagement der Jugendlichen unterstützten, verwiesen andere darauf, dass die Proteste von vielen Schülern nur dazu genutzt würden, die Schule zu schwänzen. Zöschinger äußert sich dazu diplomatisch: „Ich verstehe natürlich die Argumente der Lehrer ebenfalls.“

Für die erste Demonstration im Landkreis erwartet Zöschinger mehrere hundert Teilnehmer, die ab 9 Uhr vor der Wertinger Stadthalle eintreffen sollen. Der morgige Freitag wird ein weltweiter Protesttag sein, an dem zahlreiche Jugendorganisationen für die Durchsetzung drastisch strengerer Umweltgesetze demonstrieren werden. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus. Während von Seiten der SPD, den Grünen und der Linken viel Zustimmung für die Proteste geäußert wurde, sprach etwa FDP-Chef Christian Lindner skeptisch über das Engagement der Jugendlichen. Diese sollten eher im Klassenzimmer bleiben und die Politik den „Profis“ überlassen.

Der Bürgermeister findet die Proteste in Wertingen gut

Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier ist ein langjähriger Profi in der Kommunalpolitik. Und er ist hoch erfreut über die kommende Demonstration in „seiner“ Stadt. „Endlich zeigt sich mal die Jugend“, so Lehmeier gegenüber unserer Zeitung. Deren Anliegen sei in seinen Augen durchweg positiv zu bewerten. Die Jugendlichen haben in seinen Augen einen eigenen, klaren Blick auf die Zukunft und die derzeitigen Verhältnisse, in denen die Weichen für ihre Zukunft gestellt werden. Und da liege eben viel im Argen. Zu dem kontrovers diskutierten Thema der verlorenen Unterrichtszeit während der Demonstrationen sagte Lehmeier: „Ich glaube, die Schüler lernen bei einer solchen Demonstration viele wichtige Dinge, wie bei einem Praxisseminar.“ Er könne die Kritik Christian Lindners nicht nachvollziehen.

Bis Niklas Zöschinger und seine Klassenkameraden Abitur machen, sind es nur noch ungefähr sieben Wochen. Auch deshalb bleibt ein Teil seiner Mitschüler im Unterricht und will dann den Stoff mit den Demonstranten später noch einmal durchgehen. „Ich wollte einfach nicht nur am Rand stehen und zusehen, bis ich die Schule verlasse“, sagt Zöschinger.

Er hat in seinem Freundes- und Bekanntenkreis unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Mit manchen könne er ausgiebig über das Thema diskutieren, andere zeigten wenig oder kein Interesse am Kampf gegen den Klimawandel. Für ihn und seine Mitstreiter wird die Demo am Freitag nur der Auftakt sein, weitere Aktionen sollen folgen, um die Zukunft seiner und nachfolgender Generationen auch in der Region Wertingen ins Gespräch zu bringen. Er hofft im Zuge der Demo auf viele Gespräche – auch mit Bürgern, die dem Anliegen der Jugendlichen kritisch gegenüber stehen.

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