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20.02.2015

Fünf Tage krank ohne ärztliche Krankschreibung

Wer so verschnupft ist wie diese junge Frau im Bild oben, soll sich für einen Zeitraum von bis zu fünf Tagen künftig nicht mehr von einem Arzt krankschreiben lassen müssen. Doch nicht alle sind glücklich, wenn die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht mehr ausgestellt werden muss.

Mediziner sprechen sich für eine Lockerung der Attestpflicht aus. Wie denken hiesige Unternehmen darüber?

Die deutschen Arztpraxen sind überfüllt, auch im Zusamtal, wie eine Umfrage der WZ ergab. Die Ursache hierfür ist nicht nur die derzeit kursierende Grippewelle. Eine Studie habe Wolfram Herrmann (Leiter des Magdeburger Forscherteams) zufolge ergeben, dass viele Patienten nur wegen der ärztlichen Bescheinigung einen Allgemeinarzt aufsuchen. Dies überlaste die Hausärzte, denen hierdurch die Zeit für die Behandlung langwieriger Patienten fehle.

Mediziner der Universität Magdeburg raten deshalb, die Regelungen für Krankschreibungen zu lockern. Demnach solle es möglicherweise dem Arbeitnehmer bald möglich sein, sich für die Dauer von bis zu einer Woche ohne einen Arztbesuch krank zu melden. Bisher galt die Attestpflicht in der Regel spätestens ab dem vierten Arbeitstag. Dies ist allerdings von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden.

In der Gärtnerei Maximilian Hurler in Wertingen bringen die Mitarbeiter, laut dem Seniorchef Karl Hurler, ab dem zweiten Tag meist selbst ein ärztliches Attest. Eine feste Frist ist hier jedoch nicht vorgeschrieben. Die EM-Group in Wertingen hat in dieser Angelegenheit dagegen eine feste Regelung getroffen: Kathrin Freudenberg (Mitarbeiterin der Personalabteilung) gibt Auskunft darüber, dass Arbeitnehmer hier verpflichtet sind, ab dem dritten Krankheitstag eine Krankschreibung vorzuweisen. Sorgen um eine widerrechtliche Nutzung der Regelung durch Arbeitnehmer machen sich die befragten Unternehmen im Umkreis nicht. „Wir haben großes Vertrauen in unsere Mitarbeiter“, so Karl Hurler. Zudem sei seiner Meinung nach die Hemmschwelle, in einem kleinen Unternehmen vorzugeben krank zu sein, sehr hoch. „In größeren Betrieben sind schwarze Schafe vermutlich wahrscheinlicher“, so der Seniorchef. Aber auch Kathrin Freudenberg sieht hier keine Probleme: Ihrer Meinung nach sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Regelung überhaupt durchgesetzt werde. Sollte dies allerdings der Fall sein, so wird die EM–Group diese Regelung mit Freude umsetzen. Denn trotz der Größe des Unternehmens sei auch hier das notwendige Vertrauen in die Mitarbeiter gegeben.

Die Gefahr des Missbrauchs der Regelung ist allerdings vorhanden, das glaubt auch die Wertingerin Iris Dorner. Die Systemaussteigerin ist sich jedoch sicher: „Arbeitnehmer, die diese Regel missbrauchen würden, wissen auch warum sie dies tun. Viele Angestellte leiden gegenwärtig unter Depressionen oder Burnout.“ Auch Iris Dorner selbst habe diese Formen der Überarbeitung erlebt, ohne jegliche Hilfe in Form von Kuren oder ähnlichem erfahren zu haben. Deshalb spricht sie sich vollkommen für die Regelung aus.

Ob allerdings die Praxen der Allgemeinärzte durch diese Maßnahme entlastet werden, gilt für Karl Hurler als fragwürdig. „Wenn man krank ist, sollte man so oder so einen Arzt aufsuchen. Schließlich ist das ja auch notwendig.“

Ob die Regelung der gelockerten Attestpflicht allerdings wirklich in Kraft treten wird, ist ungewiss. Ein Arzt der Gemeinschaftspraxis in Buttenwiesen hält diese Angelegenheit aufgrund der rechtlichen Problematik für ein „heikles Thema“. Weiter dazu äußern will sich der Allgemeinmediziner jedoch nicht.

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