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Wertingen

21.08.2019

Für den Vogelschutz gibt es noch viel zu tun

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Regierungspräsident Erwin Lohner betonte die gute Zusammenarbeit der Naturschutzbehörden, Verbände und Landwirte im Wiesenbrüterschutzgebiet.
Bild: Mitterbuchner

Bei einer Festveranstaltung in Mertingen steht der „Wiesenbrüterlebensraum Schwäbisches Donauried“ im Fokus. Was dieses Areal so besonders macht und wie die Bewirtschaftung erfolgt.

Mit mehr als 100 Teilnehmern aus Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunen ist bei einer Fachtagung in Mertingen das Jubiläum „40 Jahre Vogelschutzrichtlinie“ begangen worden. Die Teilnehmer waren sich laut einer Pressemitteilung einig, dass mit den Projekten im östlichen Donauried viel erreicht wurde, dass aber noch viel getan werden müsse, um den massiven Bestandsrückgang an artenreichen Wiesen und wiesenbrütenden Vogelarten wie dem Brachvogel zu stoppen. Eine Voraussetzung dafür sei, dass Naturschutz und Landwirtschaft gut zusammenarbeiten.

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Zum Schutz der wild lebenden Vogelarten und ihrer Lebensräume und als Fundament für den europäischen Naturschutz trat im April 1979 die Europäische Vogelschutzrichtlinie in Kraft. Die Festveranstaltung fand im Rahmen des Kommunikationsprojektes „LIFE living Natura 2000“ der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Kooperation mit der Regierung von Schwaben in Mertingen statt.

Die Wiesenbrüterlebensräume im schwäbischen Donauried sind als EU-Vogelschutzgebiet gemeldet und zählen zu den wertvollsten Großlandschaften in Bayern, unter anderem wegen der geringen Zerschneidung durch Siedlung und Verkehr. Ursprünglich geprägt war das Gebiet durch eine großflächige, blütenreiche Wiesenlandschaft mit Feucht- und Streuwiesen. Daher zählt es zu den bayernweit bedeutsamen Kernlebensräumen für wiesenbrütende Vogelarten und ist eines der „Top-10-Gebiete“ für den Großen Brachvogel in Bayern.

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Wichtiger Lebensraum für Wiesenbrüter nahe Wertingen

Bei einer Exkursion in das Vogelschutzgebiet „Wiesenbrüterlebensraum Schwäbisches Donauried“ zeigte sich Schwabens Regierungspräsident Erwin Lohner erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Die Bewirtschaftung erfolge maßgeblich durch den Bund Naturschutz (BN) und den Landkreis Donau-Ries in enger Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Landwirten, die die kleinparzellierten Flurstücke in dem Gebiet pflegen und die mit ihren Tieren die Beweidung des Wiesenbrütergebietes mit den Naturschutzakteuren abstimmen. So gelinge es, wichtige Lebensräume für seltene Vogelarten, wie Nachtigall, Dorngrasmücke, Kiebitz, durch die Beweidungsmaßnahmen zu erhalten und wiederherzustellen und gleichzeitig hochwertiges Fleisch auf den Flächen des Vogelschutzgebietes zu erzeugen. Durch den umfangreichen Flächenankauf der BN-Kreisgruppe Donau-Ries mit dem Großprojekt „Mertinger Höll – Lauterbacher Ruten“ gelang es laut Mitteilung, einen zusammenhängenden Lebensraum für den Großen Brachvogel und Kiebitz im Rahmen des laufenden Flurneuordnungsverfahrens bereitzustellen.

Das Projekt stellt das größte bayerische Ankaufsprojekt des Bund Naturschutz dar – dabei wurden rund 150 Hektar mit finanzieller Unterstützung des Bayerischen Naturschutzfonds angekauft. Auch die Gemeinde Buttenwiesen und die Gemeinde Mertingen unterstützen aktiv die Maßnahmen für den Schutz des Wiesenbrütergebietes im Donauried.

Einen wesentlichen Beitrag leisten auch die Landwirte, die mit dem Naturschutz auf vielfältige Weise, sei es in der Landschaftspflege oder bei der extensiven Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden, eng zusammenarbeiten. Für ihr Engagement wurden der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Donau-Ries, die Landwirte sowie die Gemeinden Buttenwiesen und Mertingen im Rahmen der Veranstaltung mit der Verleihung der Urkunde einer „Natura-2000-Partnerschaft“ gewürdigt. „40 Jahre und kein bisschen weiter?“ lautete der Titel des Beitrags von Günter von Lossow, Staatliche Vogelschutzwarte am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), auf der Abendveranstaltung in der Alten Brauerei. Bayerns Wiesenbrüterpopulationen befinden sich im Rückgang.

Belohnung durch Natura-2000-Partnerschaft

Um den Rückgang aufzuhalten und die Arten in Bayern vor dem Aussterben zu bewahren, sei neben der Kooperation mit den Landwirten die Sicherung der wichtigsten bayerischen Wiesenbrütergebiete mit überlebensfähigen Populationen dringend notwendig. Von Lossow hob dabei die Ausbildung von Wiesenbrüterberatern, die in den Landkreisen die Ansprechpartner vor allem für die Landbewirtschafter darstellen, als einen wichtigen Faktor für einen langfristigen Erfolg hervor.

Daneben sind auch die Gebietsbetreuer für die langfristige Sicherung der Lebensräume unentbehrlich. Einhard Bezzel, ehemaliger Leiter der Vogelschutzwarte im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen, stellte in seinem Festbeitrag die Ursachen für den Rückgang von Wiesenbrütern und Biodiversität heraus, der großteils durch Monokulturen, Pestizideinsatz, Stickstoffeintrag und fehlende Brachen zu erklären ist. Dazu kommt der gesellschaftliche Druck auf die Lebensräume und der Flächenverbrauch. Letztendlich zählt, was die Gesellschaft bereit ist, für den Erhalt ihrer Artenvielfalt zu investieren. Bezzel zeigte aber auch erfreuliche Entwicklungen auf, wie die des Wanderfalken mit stabilen Populationen in Bayern. Zudem gab er in seinem Vortrag Impulse, was gesellschaftlich nötig ist, um gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu fördern, wie ein Umdenken bei der zu intensiv stattfindenden Gartenpflege, das Aufhalten des Verlusts von altem Baumbestand in Städten oder die Eindämmung des Übertourismus. Den Abschluss der Veranstaltung übernahm der Mundartdichter Alois Sailer, der Geschichten aus dem Wiesenbrütergebiet Donauried erzählte, die er bereits lange vor der Ausweisung als Schutzgebiet in der Mertinger Höll erlebt hat. (dz)

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