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Prozess am Amtsgericht Dillingen

26.02.2015

Gassifahrt mit dem Hund endete vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Dillingen wurde der Fall behandelt.

Für einen 42-Jährigen ging es um die Frage, ob er dafür ins Gefängnis muss, oder noch einmal mit Bewährung davonkommt

Wer mit dem Auto auf einem Feldweg unterwegs ist und seinen Hund nebenherlaufen lässt, der begeht rechtlich gesehen eine Ordnungswidrigkeit. Wird er von der Polizei dabei erwischt, droht ein Bußgeld. Etwas härter traf es wegen einer solchen Gassifahrt nun einen 42-Jährigen aus dem Landkreis Dillingen. Bei ihm war die Frage: Muss er ins Gefängnis oder nicht?

Denn er saß nicht nur am Steuer und ließ den Vierbeiner nebenhertraben. Er hatte auch keinen Führerschein, war mit 1,57 Promille erheblich alkoholisiert und stand unter offener Bewährung. Und damit nicht genug: Bei seiner Fahrt auf dem für die Öffentlichkeit gesperrten Feldweg touchierte er auch das Auto eines Jägers, der ihm entgegenkam. Dabei entstand ein Sachschaden von 880 Euro. Der Geschädigte rief die Polizei. Doch in der Zwischenzeit tauschten der 42-Jährige und seine 20-jährige Lebensgefährtin die Plätze. Als der Polizeibeamte dann am Unfallort eintraf, behauptete die junge Frau sofort, dass sie gefahren sei. Dass sie gleich alles zugab und die Schuld auf sich nahm, das sagte der Polizeibeamte vor dem Jugendgericht unter Vorsitz von Beate Bernard, sei ihm schon seltsam vorgekommen. Denn oft stritten Unfallverursacher erst einmal alles ab.

Relativ schnell habe sich dann geklärt, warum die Frau und auch ihr Lebensgefährte so schnell damit waren, zu erklären, dass sie gefahren war. Der Unfallgegner habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass eigentlich der 42-Jährige am Steuer gesessen sei. Und das gaben der Angeklagte und seine Lebensgefährtin auch in der Verhandlung zu. „Das war eine blöde Aktion von mir“, sagte der 42-Jährige. Die 20-Jährige gab an, sie habe Angst gehabt, dass seine offene Bewährung widerrufen werden könnte und deshalb die Schuld auf sich genommen. Rechtlich ist das in ihrem Fall als versuchte Strafvereitelung zu werten.

Doch wer die Tat zugunsten eines Angehörigen begeht, der wird nicht bestraft. So kam es, dass die Staatsanwältin das Paar, das angab, zum Zeitpunkt der Tat im Februar 2014 schon verlobt gewesen zu sein, penibel über die Umstände der Verlobung befragte. Hatte er beim Antrag schon einen Ring parat? Wer wusste davon? Gibt es schon einen Termin? Nachdem schließlich der Polizeibeamte aussagte, dass die Frau kurz nach der Tat auf konkrete Nachfrage gesagt habe, sie seien nicht verlobt, nahm ihnen weder die Staatsanwältin noch die Richterin diese Behauptung ab. So wurde die junge Frau schließlich wegen versuchter Strafvereitelung zu 64 Stunden gemeinnützigen Hilfsdiensten verurteilt. Ihren Lebensgefährten befand die Richterin der fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs, des Fahrens ohne Fahrerlaubnis und der falschen Verdächtigung für schuldig. Sie verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Schließlich, so Bernard, habe er unter offener Bewährung gehandelt und sein Bundeszentralregisterauszug wimmle nur so von Einträgen. „Wo soll man da die Prognose herbekommen, dass er in Zukunft keine Straftaten mehr begehen wird?“

Insgesamt sei nur eine Vollzugsstrafe in Betracht gekommen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass der 42-Jährige länger in Haft muss, als nur ein halbes Jahr. Denn auch die Bewährung für die Freiheitsstrafe von einem Jahr, zu der er 2013 wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde, könnte nun widerrufen werden.

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