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Städte- und Gemeindebund fordert Ausweitung der Maskenpflicht in Deutschland
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14.03.2009

Gebackene Zwiffl und Birapodeng

Höchstädt In den Kochtöpfen brodelt es, Frauen in historischen Gewändern laufen geschäftig von einer Herdplatte zur anderen und mittelalterliche Musik umrahmt das Geschehen. Im Höchstädter Pfarrheim, so scheint es, ist das dunkle Zeitalter wiedergekehrt. Intensiv duftet es nach Wein. Michaela Thomas, 1. Vorsitzende des Historischen Vereins Höchstädt, erklärt: "Im Mittelalter wurde viel mit Wein gekocht." Zum ersten Mal findet ein Mittelalterkochkurs im Pfarrheim in Höchstädt statt.

Neun Frauen sind an diesem Tag zur Vorbereitung des Essens gekommen, doch am Abend werden 23 Gäste erwartet. Der Kochkurs kommt bei den Leuten gut an, sagt Michaela Thomas. Das nächste Mal soll den Gästen ein Rahmenprogramm geboten werden, beispielsweise mit historischen Tänzen. Zur Zubereitung der Speisen sind nur die weiblichen Teilnehmer anwesend. Michaela Thomas erklärt und lacht: "Die Männer kommen nur heute Abend zum Essen, die überlassen die Küche den Frauen."

Und dort herrscht auch schon geschäftiges Treiben. Doch die Aufgaben sind gut verteilt, jeder hat seinen Platz, es wird fleißig geknetet, geschnitten und gerührt. Alle Anwesenden scheinen großen Spaß zu haben. Gekocht wird nur mit traditionellen Zutaten, ganz wie im Mittelalter: Dinkelgrieß, Graupen oder Schmalz. Kartoffeln und beispielsweise Karotten gab es zur damaligen Zeit in Europa noch nicht.

Doch an Gewürzen wie Muskat, Thymian und Nelken wird nicht gespart, denn je mehr in einem Essen enthalten waren, desto angesehener und wohlhabender waren die Familien. "Oft wurde sogar der Wein mit Pfeffer gewürzt, nur um diesen aufzuwerten", erzählt die Vorsitzende Thomas.

Gebackene Zwiffl und Birapodeng

Die Tafel haben die Teilnehmerinnen des Kochkurses ganz im Zeichen des 15. Jahrhunderts gestaltet. Efeuranken und kunstvollen Blumengestecke erzeugen das richtige Ambiente. Einfache Tonschalen und Krüge stehen dort. Besteck gibt es nicht. Simone Ludwig, Hauswirtschafterin und Leiterin des Kochkurses erklärt, dass man früher nur mit Löffeln gegessen habe und für das Fleisch hätten die Leute ihre eigenen Messer immer am Gürtel getragen. Zusammen mit Renate Kraus, ebenfalls Hauswirtschafterin, hatte sie die Idee für diesen außergewöhnlichen Kochkurs, bei einem Ausflug des Historischen Vereins nach Landshut.

Ribislbermous und Dinkelsuppe

Das Menü für diesen Abend ist schier unendlich, 13 Gänge stehen auf der mittelhochdeutschen Speisekarte. Rind bastetten mit ribislbermous, das bedeutet Fleischpastete mit Johannisbeersoße oder Dinkelsuppe, um nur zwei Spezialitäten aufzuzählen, werden den Gästen am Abend serviert.

In historischen Gewändern

Michaela Thomas freut sich: "Wir werden in historischen Gewändern an der Tafel sitzen, das gibt bestimmt ein sehr schönes Bild." Doch bis dahin muss noch einiges an Zwiebeln gehackt und Teig geknetet werden.

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