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Trinkwasser

15.01.2016

Gechlortes Wasser stinkt den Bürgern

Im Oktober letzten Jahres entstand dieses Foto. Damals gab es einen Tag der offenen Tür im sanierten Trinkwasser-Hochbehälter in Lauterbach, den die Bürger besichtigen konnten. Die Sanierung des Hochbehälters ist Teil der Komplettsanierung der Wasseranlagen in Buttenwiesen.
Bild: Günter Stauch

Einschränkungen in Buttenwiesen. Veraltete Brunnenanlage wird saniert. Das kann aber dauern, womöglich bis ins Jahr 2018

Beim Haarewaschen ist nichts mehr so, wie es war – „ich krieg´s nicht mehr hin“, sagt Cornelia Ring. Bei ihrer Tochter sprießen rote Wimmerle auf der Haut und Wäschewaschen ohne Weichspüler geht auch nicht mehr. „Das ist ein echter Einbruch in die Lebensqualität“: Cornelia Ring aus dem Buttenwiesener Ortsteil Unterthürheim spricht vom gechlorten Wasser, mit dem die Bewohner seit Wochen zurechtkommen müssen. „Seit vier Monaten kann man kein entspanntes Bad mehr nehmen, es riecht immer wie im Schwimmbad, es stinkt“, beschwert sich die Unterthürheimerin über die Einschränkungen. Wasser zum Trinken und Kochen holt sie sich im Supermarkt und für den Hund sammelt sie Regenwasser im Eimer. „Bleibt das ein Dauerzustand?“, fragt sich die berufstätige Hausfrau und Mutter und hat auch schon in der Gemeindeverwaltung nachgehakt.

Anton Tiefenbacher bestätigt dort die Chlorzugabe, die aufgrund von drohender Verkeimung des Wassers notwendig sei und vom Gesundheitsamt angeordnet wurde. Diese Vorsichtsmaßnahme könne noch eine Weile dauern, bis die Grundwassergewinnungsanlage in Pfaffenhofen erneuert ist. Die Gemeinde ist derzeit mit der Sanierung der kompletten Trinkwasserversorgung beschäftigt, die bis zum Jahr 2018 abgeschlossen sein muss. Denn dann läuft das Recht für die Wasserentnahme aus – dieses war erst vor Kurzem vom Wasserwirtschaftsamt verlängert worden, um Zeit für die Sanierung zu schaffen (wir berichteten).

Bauamtsleiter Tiefenbacher spricht aber bereits von einer Entschärfung der Situation. Denn die letzte Wasserprobe am vergangenen Montag hätte ein „einwandfreies Ergebnis“ vorgewiesen – „aktuell gibt es keine Keime“. Nächste Woche wird nochmals eine Probe genommen, dann muss mit dem Gesundheitsamt und Wasserwirtschaftsamt neu verhandelt werden, meint Tiefenbacher. Mit den Ämtern sei die Verwaltung in ständigem Kontakt und in der Diskussion, um die Lage zu verbessern.

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Der Chlorgehalt an der Wasserausgabestelle bei den Brunnen in Pfaffenhofen wird ständig überprüft, seit dort die Gefahr der Verkeimung festgestellt wurde. Laut Verordnung wird dort 0,1 bis 0,3 Milligramm pro Liter Chlor zugegeben. „Wir liegen in der Menge dazwischen“, erklärt Tiefenbacher. Das Chlor wird als flüssige Lösung in die ausgehende Wasserleitung eindosiert, der Wasserwart überprüft dann an verschiedenen Stellen der Leitung den Gehalt. „Das Chlor baut sich im Wassernetz ab“, berichtet Tiefenbacher vom geringen Gehalt, der in den Haushalten dann letztendlich ankomme.

Die Beschwerden der Bürger nimmt die Behörde ernst, „doch dass sind alles subjektive Empfindungen“, verweist Tiefenbacher auf Messwerte, die letztendlich ausschlaggebend für Entscheidungen sind. „Es ist bisher in Buttenwiesen nie gechlort worden, darum merkt man jetzt um so mehr, dass sich was verändert hat“, denkt Tiefenbacher. Sinn und Zweck der Chlorung sei es jedoch, eine Verkeimung und somit Krankheitserreger zu verhindern, wie sie in den technisch veralteten Flachbrunnen in Pfaffenhofen schon aufgetreten sei.

Das gechlorte Wasser könne jedoch uneingeschränkt als Trink- und Haushaltswasser genutzt werden, betont Tiefenbacher. Das bestätigt Dr. Uta-Maria Kastner, Leiterin des Gesundheitsamtes am Landratsamt. Das Chlor schütze die Gesundheit. „Wir wollen vermeiden, dass sich gesundheitsgefährdende Bakterien im Wasser vermehren“, nennt sie den Grund für die Chlorzugabe. Im Falle Buttenwiesen beziehungsweise Pfaffenhofen gehe es um eine langfristige Verunreinigung des Wassers. Denn bei einem Gutachten seien dort die Schwächen des veralteten Systems aufgezeigt worden: „Dort kann immer schnell eine Aufkeimung passieren“. Eine noch höhere Dosierung des Chlors soll vermieden werden, gibt Kastner an.

„Wenn man das Wasser länger ablaufen lässt, dann verliert sich der Chlorgeruch“, nennt sie einen Tipp für die Haushalte. Die Situation in Buttenwiesen sei nicht so schlimm wie in anderen Regionen, in denen das Wasser dauerhaft gechlort wird. Natürlich gebe es auch Überreaktionen, Chlor könne bei bestimmten Menschen Allergien und Hautreizungen hervorrufen. Deshalb rät sie in so einem Fall, sich beim Arzt testen zu lassen. Generell sei die Chlorung jedoch keineswegs gesundheitsgefährdend – im Gegenteil, sie schütze vor Krankheiten. Tiefenbacher und Kastner geben nicht Entwarnung, betonen aber, dass die Chlorung kein Dauerzustand sein wird.

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