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Wirtschaft

17.08.2015

Großgastronom Buhl packt die Umzugskisten

Hermann und Charlotte Buhl räumen am Verwaltungssitz der Buhl-Gruppe in der Wertinger Mühlgasse auf. Das Unternehmen wechselt nach Augsburg.
Bild: Berthold Veh

Das Unternehmen macht am Freitag in Wertingen „das Licht aus“ und wechselt nach Augsburg. Die Zusamstadt habe ihn nicht haben wollen, sagt der Geschäftsmann

Der kommende Freitag ist für Hermann und Charlotte Buhl ein entscheidender Einschnitt. An diesem Tag werden die beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Buhl-Gruppe am Verwaltungssitz in der Wertinger Mühlgasse „das Licht ausmachen“. Der gastronomische Branchen-Dienstleister beschäftigt bundesweit in 50 Niederlassungen etwa 3500 Menschen. Am Verwaltungssitz in Wertingen sind es rund 80 Mitarbeiter, die jetzt in die Fuggerstadt umziehen müssen. Und dabei wären Hermann und Charlotte Buhl, wie sie unserer Zeitung mehrmals sagen, „gerne in Wertingen geblieben.“

Hermann Buhl ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er hat Koch gelernt und sich 1974 selbstständig gemacht. Die Wirtschaft „Beim Hemme“ (heute Schmankerlstube) entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt. Von 1986 bis 1993 betrieb Buhl mit seiner Frau Charlotte die Gastronomie in der Kongresshalle Augsburg und in der Neuen Messe. Weil in Hotels, Gaststätten und bei Events der Bedarf an Mitarbeitern saisonal- und veranstaltungsbedingt stark schwankt, entwickelte der Wertinger, der im Stadtteil Geratshofen aufgewachsen ist, die Idee des Gastronomie-Personalservice. 1993 verlagerte er den Firmensitz von Augsburg in seine Heimatstadt Wertingen. Den wollte die Firma Buhl in der Zusamstadt auf dem Laugnaplatz neu errichten und auch ein Hotel bauen. „Die Stadt hat uns aber den Bauplatz nicht gegeben, den wir gewollt hätten“, bedauert Hermann Buhl.

Bürgermeister Willy Lehmeier bot der Firma Buhl unter anderem Flächen im Gewerbegebiet Geratshofen an. Dazu sagt Hermann Buhl: „Dieses Sumpfloch in Geratshofen wollten wir nicht einmal geschenkt.“ Das Areal Laugnaplatz habe eine Fläche von gut 20000 Quadratmetern. „Und wir hätten nur 5000 Quadratmeter gebraucht“, sagt Buhl: „Man wollte uns nicht in Wertingen haben.“ Anfang 2014 zog der Unternehmer schließlich die Konsequenz und beschloss, den Firmensitz nach Augsburg zu verlagern.

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Der Wirtschaftsraum Augsburg ermögliche dem Unternehmen Expansionsmöglichkeiten, „die wir in Wertingen nie hätten“, erklärt Hermann Buhl. Der ständig steigende Bedarf an Fachkräften könne dort besser gedeckt werden. „Es ist leichter, in Augsburg qualifizierte Mitarbeiter für offene Stellen zu finden, als in Wertingen“, sagt auch Charlotte Buhl, fügt jedoch in einem Atemzug hinzu: „Aber dennoch wären wir in Wertingen geblieben.“

Bürgermeister Lehmeier bedauert die Entscheidung des Ehepaars Buhl, die er zu akzeptieren habe. „Es tut immer weh, wenn ein Unternehmen aus Wertingen geht.“ Die Stadt habe der Buhl-Gruppe „sehr früh“ Gewerbeflächen angeboten. Den Laugnaplatz habe Wertingen von einer Bebauung freihalten wollen. „Wir brauchen dort zentrumsnahe Parkplätze“, betont der Rathauschef. Inzwischen hat der Stadtrat ein Entwicklungsgutachten für den Laugnaplatz beschlossen. Das Argument, dass die Standortbedingungen für die Buhl-Gruppe in Augsburg besser als in Wertingen seien, will Lehmeier nicht gelten lassen. Das Unternehmen sei bisher schon in Wertingen sehr erfolgreich gewesen. „Es gibt aus meiner Sicht nicht einen Punkt, der gegen Wertingen spricht“, betont Lehmeier. Die Stadt sei der Familie Buhl immer „sehr entgegengekommen“. Charlotte und Hermann Buhl, die in Lauterbach wohnen, sehen dies anders. Sie denken über eine Änderung der Satzung der „Charlotte und Hermann Buhl Stiftung“ nach.

Dort heißt es in der Präambel: „Insbesondere liegt uns am Erhalt des Firmensitzes mit allen Arbeitsplätzen am Standort Wertingen.“ Der Stiftungszweck könne so nicht bleiben, sagt Charlotte Buhl. Nach dem Tod der beiden Stifter soll die Stiftung ihr Vermögen erben. Nach dem Ausscheiden der Stiftungsgründer sollten der Wertinger Bürgermeister und ein Stadtratsmitglied den Stiftungsvorstand bilden. Die Satzung will das Ehepaar Buhl nun ändern. „Der Stadt Wertingen entgeht ein Millionenvermögen“, sagt Hermann Buhl. "Kommentar

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