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19.02.2018

„Grüezi“ aus der Schweiz – gefolgt von beißendem Witz

Der schweizer Comedian Alain Frei setzte bissige Pointen.
Bild: Ulrike Walburg

Comedy Der Schweizer Komiker Alain Frei setzte in Binswangen Pointen. Oft jenseits der Schmerzgrenze

Binswangen Was ist eigentlich ein „Schmutzli“? Sein Name ist sein Programm. „Mach Dich Frei“, mit dieser Devise trifft Alain Frei, der junge Schweizer Senkrechtstarter der deutschsprachigen Comedy-szene und Gewinner zahlreicher Comedypreise, am vergangenen Freitagabend in der Sporthalle in Binswangen mit seinem Humor den Geschmack des großen Publikums. Alain Frei ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen und überall im deutschsprachigen Raum unterwegs. Bereits im fünften Jahr in Folge hatte auch heuer wieder der Turn- und Sportverein Binswangen zu einer Comedy-Veranstaltung eingeladen. Ralf Chromik, Veranstalter und Organisator für den Turn- und Sportverein Binswangen, ist mit zweihundertfünfzig anwesenden Gästen voll zufrieden „Mir gefällt die witzige und lockere Art“, zeigt sich Chromik begeistert vom Programm.

Nachdem die Lichter gedimmt sind, durchdringen Kuhglockengebimmel und Alphornmusik die Sporthalle. Das Klangwerk im Hintergrund knüpft an bekannte Klischees von der Schweiz und seinen Bewohnern an. Gemächlich, idyllisch und vor allen Dingen wohlhabend seien die Schweizer. „Vergessen Sie es – vergessen Sie alle Vorurteile“, ruft der Schweizer Comedian Alain Frei seinem Publikum in Binswangen zu. Wie ein roter Faden zieht sich diese Grundaussage durch sein Programm. Der gebürtige Schweizer bleibt ohne zu moralisieren alles andere als neutral. Mit seiner Rebell-Comedy nimmt Frei zahlreiche menschliche Denk- und Verhaltensweisen aufs Korn. Er räumt auf mit Klischees und scheut dabei keine Tabus: „Mach dich frei von Vorurteilen und Klischees.“ In einer Aneinanderreihung von Stand ups begibt er sich „in neue Humorsphären“ und knöpft sich unter enormem körperlichen Einsatz gewichtige Themen der Menschheit vor: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

Die Schilderung seiner Anreise nach Binswangen gleicht einer Abenteuererzählung. Mit der Bimmelbahn über Felder und Wälder, nach Binswangen in Bayrisch-Schwaben. Er betreibt Wortspiele mit Besonderheiten der Region wie „Bierschinken“ und „Doppelhaushälfte“ – also von einem doppelten Haus die Hälfte?

Mit seinem witzigen Programm trifft er anscheinend einen Nerv bei den zahlreichen Gästen, die der Schweizer unterscheidet in diejenigen, die Lust auf seinen Auftritt hatten, und diejenigen, „die mitgeschleppt wurden“.

Sonja Rupp aus Geratshofen gefällt, wie der Comedian sich selbst auf die Schippe nimmt. Auch Karin Reißner aus Binswangen zeigt sich von dem Abend positiv überrascht, „mir gefällt der angenehme Humor, und ich finde den Schweizer Akzent goldig“, sagt sie. Alain Frei provoziert Interaktionen und macht sein Publikum zu aktiven Mitspielern. Pia, aus der hintersten Reihe, ist mit ihren Zurufen und Kommentaren immer dabei. Jürgen aus Höchstädt aus der ersten Reihe holt sich der Comedian zu sich auf die Bühne. Es beginnt, zur großen Begeisterung des Publikums, auf offener Bühne ein humorvoller Dialog. Jürgen kommentiert die Darbietungen des Comedians mit imaginären Geräuschen, macht piep, piep und plopp, plopp. Margot Mayr aus Binswangen ist vom Programm begeistert „Mir gefällt es, wie Alain Frei dem Publikum den Ball zuspielt“, sagt sie.

Mit frechen Wortspielen und mit Situationskomik legt Frei seine Finger in offene Wunden der Gesellschaft. Es mangelt nicht an Statements gegen Rassismus, Homophobie und braune Gesinnung. Er spielt mit allseits bekannten Alltagssituationen, beschreibt diese mit Humor und Selbstironie. Alain Frei – könnte sein Name nicht missverstanden werden, etwa im Sinne von „Allein und frei?“, fragt er sich selbst.

Seit einem Jahr käme eine Putzfrau zu ihm. Er schäme sich so sehr ob seiner Unordnung, deshalb putze er immer vor, um anschließend von der Putzfrau gelobt zu werden. „Wie krass ist das denn?“ Wer kennt nicht die beklemmende Stille, die sich während einer kurzen Fahrt in einem Aufzug unter den Fahrgästen ausbreitet. „Alle sagen nix und starren auf die weiße Tür.“ Der ganze Saal brüllt vor Lachen. Alain Frei führt vor, wie er seinem kleinen Neffen die Furcht vor einem imaginären Gespenst im Keller nehmen will. Ein lautes und unerwartetes „Puhh“ erschreckt dann aber den Comedian doch noch selbst.

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