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Buttenwiesen

10.07.2020

Grüner Baum: In diesem Gasthaus wird seit 111 Jahren serviert

Das Ehepaar Petra und Jürgen Mengele leitet in fünfter Generation die Dorfgaststätte „Grüner Baum“ in Buttenwiesen. Die geschmiedeten Lampen rechts und links der Eingangstür erinnern an die Zeit, als es im Gasthaus noch Kabarettvorführungen gab. Sie sind von dem Kabarettisten Fredl Fesl.
Bild: Ulrike Walburg

Plus Das Gasthaus „Grüner Baum“ in Buttenwiesen wird in fünfter Generation geführt. Der Musikkabarettist Fredl Fesl hat sich auf besondere Weise verewigt. Und auch die Polizei war früher oft im Haus – nicht nur dienstlich.

Der Grüne Baum in Buttenwiesen ist aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken. Seit sage und schreibe 111 Jahren werden dort Bier und traditionelle Speiesen serviert. Erste Aufzeichnungen aus der Haus- und Familienchronik führen weit zurück in die Geschichte bis in das Jahr 1771. Sie zeigen die Entwicklung, wie aus einem ehemaligen Deutschordens-Federnbauernhof und späteren Sölde die heutige Dorfwirtschaft „Grüner Baum“ wird. Im Jahre 1872 eröffnet der Wirt Wilhelm Gaßner die Wirtschaft. Die Nachkommen, die Eheleute Mengele, reißen das alte Gasthaus ab und errichten im Jahre 1909 einen stattlichen Neubau, der noch heute in Betrieb ist.

Um 1920 gibt es im „Grünen Baum“ Filmvorführungen, eine Tradition, die in den 50er Jahren wieder aufgegriffen wird. Hinzu kommen in den fünfziger und sechziger Jahren Kabarettvorführungen, „Bretteln“ genannt. Sie erweisen sich als großer Publikumsmagnet. Berühmte bayrische Musikkabarettisten sammeln im „Grünen Baum“ erste Erfahrungen vor Publikum. „Die Mehlprimeln und Fredl Fesl sind damals hier aufgetreten“, berichtet Petra Mengele. Sie weist dabei stolz auf die geschmiedeten Leuchter, die noch heute rechts und links die Eingangstür der Gasstätte schmücken. „Die hat der Fredl Fesl gemacht. Und zwar noch vor seiner Karriere als Kabarettist, als er noch Schmied war.“

Der Grüne Baum in Buttenwiesen wird in fünfter Generation geführt

Petra und Jürgen Mengele steigen in die Fußstapfen der Vorfahren. Sie führen die Traditionsgaststätte in fünfter Generation fort. Die Corona-Krise mache ihnen sehr zu schaffen, erklären sie. Die Krise zeige aber auch, dass „einigen der Fortbestand des Gasthauses ein Anliegen ist, denn während des Lockdowns wurde auch für uns sichtbar, welches Potenzial in der Großgemeinde liegt“, sagen die Wirtsleute.

Mittlerweile hat der „Grüne Baum“ auch einen kleinen Biergarten und bietet regionale Biere an. Sulzen, Suppeneinlagen, Brühen, Soßen, Knödel, Gemüse aller Art und frische, vegetarische Gerichte kocht der Chef selbst.

Jürgen Mengele, gelernter Koch und Metzger, bringt jahrelange Erfahrung als Koch bei einer renommierten Hotelkette in der Schweiz und in der Türkei mit nach Buttenwiesen. „Absoluten Wert legen wir auf frische Zutaten von regionalen Lieferanten“, betont Mengele. Er sagt: „Ein ofenfrisches Spanferkel mit lauwarmem Kartoffelsalat ist mindestens das gleiche Geschmackserlebnis wie ein ‚sous vide‘ gegartes Steak, aber eben nicht so hip.“

Zusammen mit seiner Frau Petra – gelernte Hotelfachfrau – führt er den Betrieb. Petra Mengele sieht in der Dorfgaststätte einen besonderen sozialen Aspekt. „Die Dorfgaststätte sehe ich als einen Ort zum Heimkommen und bei seinen Wurzeln zu bleiben,“ sagt sie.

Zur Sperrstunde kontrollierte die Polizei - und trank danach mit den Gästen

Ulrich Käsbohrer aus Buttenwiesen ist seit seiner Jugend hier Stammgast. Er ist heute achtundachtzig Jahre alt. Jeden Dienstag besucht der rüstige Senior die Gymnastikgruppe im Ort. „Danach gehen wir alle zusammen in den ‚Grünen Baum‘ zum Essen, die kochen immer etwas Besonderes für uns“, sagt er. Käsbohrer kann viele Anekdoten und Geschichten aus der Dorfwirtschaft erzählen, denn er erinnert sich an das frühere, gesellschaftliche Leben im „Grünen Baum“. Er berichtet vom Tanz in den Mai, von Tanzveranstaltungen im November zum Jahrmarkt und von jährlichen Faschingsbällen. Er erzählt auch von den Vereinstreffen der Schützen und seinem traditionellen Stammtisch am Sonntag nach der Messe. Als die Rede davon war, dass die Sonntagsmesse nicht mehr morgens um neun Uhr, sondern erst später beginnen sollte, sahen die Mitglieder des Stammtisches im „Grünen Baum“ rot. Sie sprachen mit dem Pfarrer und erklärten dem Geistlichen, dass für sie der Stammtisch fast so wichtig wie die Kirche sei, denn hier könnten sie über alles schwätzen. „Danach blieb alles beim Alten“, so Käsbohrer.

Er erinnert sich an eine Geschichte zur Sperrstunde. Es habe früher Sperrstundenkontrollen in Buttenwiesen gegeben und im Ort gab es drei Dorfpolizisten. Gemeinsam mit anderen Gästen hätten die Polizisten bis spät in die Nacht gefeiert. Als die Sperrstunde kam, habe sich der eine Polizist unter dem Tisch versteckt. Der andere sei aus dem Fenster gesprungen. Der dritte Polizist sei um halb zwölf Uhr nach Hause gegangen, um kurz darauf wieder in der Gaststätte zu erscheinen. Nun trug er seine Uniform und kassierte von jedem Gast eine Strafe. Die Gäste zahlten zwei und der Wirt fünf Mark. Anschließend drückte der Polizist beide Augen zu und Ulrich Käsbohrer erinnert sich: „Für uns gab es danach ein Stehmaß an der Theke.“

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