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Wertingen

16.08.2020

„Grüner“ Besuch aus dem Bundestag in Wertingen

Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz und Bezirksvorsitzender der Grünen Daniel Pflügl suchten den Dialog mit den Wertinger Bürgern. Themen waren die Polizei, Corona, die Lage der kleinen Betriebe und der Klimawandel.
Bild: Dominik Bunk

Plus Unter dem Motto „Grün hört zu“ suchte die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz den Dialog mit den Wertinger Bürgern. Themen waren Corona, die Lage der kleinen Betriebe, Klimawandel und die deutsche Polizei.

Grün hört zu“ – unter diesem Motto besuchte die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz am Dienstagabend den Gasthof Bergfried am Wertinger Judenberg. Als Schwerpunkt war das Gespräch mit Menschen vor Ort geplant, die stark durch das Coronavirus und zugehörige Maßnahmen betroffen waren und sind, beispielsweise Selbstständige, Betreiber kleiner Läden und Unternehmen oder Menschen, die in sozialen Bereichen tätig sind. Britta Wülfing erwartete sich von dem Abend vor allem Informationen, wie es eben diesen aktuell geht. Zudem meinte die Binswangerin: „Ich freue mich sehr, dass Ekin in Wertingen vor Ort ist, da ich sie sehr schätze.“ Auch ihr Ehemann Robinson Ringler war gespannt auf den Abend. „Ich freue mich, ein weiteres Bundestagsmitglied kennenzulernen und bin gespannt, was sie zu sagen hat,“ sagte er.

Begleitet wurde Deligöz von Daniel Pflügl, dem schwäbischen Bezirksvorstand ihrer Partei. „Ich bin oft unterwegs, um mich bei den Menschen im Bezirk umzuhören“, sagte der Hauptkommissar der Memminger Kriminalpolizei.

Deligöz kritisert in Wertingen die Senkung der Mehrwertsteuer

Das Hauptziel der Grünen sei es, „die Krise nicht zu einer schlimmen Krise werden zu lassen“, wie die Bundestagsabgeordnete erklärte. Deshalb würde zunächst gewartet, was Wissenschaftler zu sagen hätten. Die Demos gegen die Coronamaßnahmen in Berlin machten sie wütend, sagte Deligöz. „Man kann nicht behaupten, das Virus würde gar nicht existieren, nur weil noch niemand im Bekanntenkreis daran gestorben ist“, meinte sie. Auch die Gewichtung der ersten Lockerungen konnte sie nicht nachvollziehen. Damit zielte sie auf die Fußballspiele ab, die anfangs wieder ermöglicht werden sollten, während jedoch nicht über Kinderbetreuung nachgedacht worden sei. Für sie stand fest: „Homeoffice heißt nicht, dass keine Kinderbetreuung benötigt wird.“ Besonders schlimm sei dies für alleinerziehende Berufstätige, die nicht unbedingt einen Garten hätten, in dem Kinder spielen könnten.

Auch die Senkung der Mehrwertsteuer kritisierte Deligöz: „Nur die Großen, wie beispielsweise Amazon und Lidl haben etwas davon, da gab es schon direkt zum Start Werbekampagnen. Ein kleiner Buchladen oder eine Gaststätte hat davon wenig.“

Auch die anwesenden Gäste hatten einige Fragen zu stellen. Eine davon war, weshalb zwar bei einer Krise wie im Moment aufgrund von wissenschaftlichen Aussagen harte Eingriffe wie ein Versammlungsverbot durchgesetzt werden könnten, allerdings beim Thema Klima nichts einschneidendes durchgesetzt werden könne. Daniel Pflügl meinte dazu, dass durch die Bilder zu Corona, die durch die Medien gehen, eine unmittelbare Gefahr dargestellt würde – das Thema Klimawandel jedoch weniger greifbar sei.

"Geiz ist geil"- Einstellung muss verschwinden

Daniel Pflügl wurde die Frage gestellt, wie mehr Vertrauen zum Staat und der Exekutive gefasst werden könne. Der Kripomann meinte, dass mehr versucht werden müsse, eine „Bürgerpolizei“ zu sein. Es müsse mehr offen mit den Bürgern gesprochen werden – auch kritische Fragen, wie ob es ein Rassismusproblem gäbe, sollten beantwortet oder durch eine Studie ermittelt werden, sagte der Hauptkommissar.

Jedoch müsse im Hinterkopf behalten werden, dass Polizisten immer in „negative Situationen“ gerufen würden, da niemand anriefe, um zu sagen: „Bei uns ist alles super, ihr solltet vorbeikommen“. Somit könnten negative Erinnerungen an bestimmte Menschengruppen entstehen, die auf Dauer schlimmstenfalls in einem Schubladendenken enden könnten.

Zum Abschluss meinte Deligöz, dass die „Geiz ist geil-Einstellung“ bei den Menschen verschwinden muss. Besonders, dass Schutzmasken zunächst nicht einmal in Deutschland produziert werden konnten, wäre ein klarer Schock für die Bundestagsabgeordnete gewesen. Mehr zur Regionalität solle zurückgekehrt werden. Sie meinte: „Wir haben uns die Erde von unseren Kindern geborgt, jetzt müssen wir sie ihnen zurückgeben.“

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