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30.01.2019

Hauswirtschafterinnen fühlen sich plötzlich alt

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Angehende Hauswirtschafterinnen erleben die Handicaps von hochbetagten Personen als Simulation. Die Regierung von Schwaben will das Einfühlungsvermögen fördern.

„Jetzt weiß ich, warum Alte immer so schlurfen.“ Das Gehen fällt ihr schwer, sie sieht schlecht und ständig fragt sie: „Wie bitte?“, weil sie nicht verstanden hat, was ihr Gegenüber gesagt hat. Diana Leix und ihre Kolleginnen der Landwirtschaftsschule Wertingen, Abteilung Hauswirtschaft, testen für eine Woche den „Alterssimulationsanzug“ im Unterricht, den die Regierung von Schwaben bereitgestellt hatte. Leix’ abschließendes Fazit: „Wenn ich mich mal wirklich so fühle wie jetzt mit dem Anzug, dann bin ich wirklich alt.“

Die angehenden Hauswirtschafterinnen, die später in einem Seniorenheim tätig werden können, gewinnen einen Eindruck, warum man im Alter Schwierigkeiten bei alltäglichen Dingen hat. Schließlich ist eine Hauswirtschafterin auch zuständig für die Unterstützung bei Alltagsverrichtungen wie der Betreuung und Versorgung von Personen. Der Anzug soll dabei helfen, sich in die Lebenssituation der Senioren einfühlen zu können. „Treppensteigen geht nur mit Festhalten“, stellt Leix fest, die selbst schon mal in einem Seniorenheim tätig war. Sie muss genau hinsehen, wo sie ihren Fuß als Nächstes absetzt. Die Leichtigkeit, mit der sie sich sonst bewegt, ist dahin. „Ich habe ständig das Gefühl, mich setzen zu müssen.“

Eine ganze Menge an Ausrüstung schränkt die Bewegung ein

Der Anzug besteht aus einer Reihe von einzelnen hinderlichen Ausrüstungsgegenständen: einer Gewichtsweste und Gewichten für Hand- und Fußgelenke, um den Eindruck von nachlassenden Kräften im Alter zu vermitteln. Einer Halskrause aus Schaumstoff sowie Knie- und Ellbogenschützern, um Gelenksteifigkeit zu simulieren. Einem Schallschutz-Kopfhörer, damit das Hörvermögen eingeschränkt wird. Einer eingetrübten, gelb-gläsernen Skibrille, die altersbedingte Sehveränderungen inklusive eingeschränkten Gesichtsfelds vortäuscht. Und schließlich Handschuhe für nachlassende Fingerfertigkeit.

Dann sollen die Studierenden noch so tun, als ob sie an der Supermarktkasse bezahlen müssen. Das Suchen von passenden Scheinen oder Münzen fällt schwer, wenn die Sehkraft nachlässt. „Ich strecke lieber der Kassiererin den Geldbeutel entgegen, damit sie sich die richtige Summe nimmt. Ich sehe ja kaum was,“ sagt Claudia Wiedemann und schmunzelt. „Jetzt weiß ich, warum das immer so lange dauert, wenn Über-90-Jährige an der Kasse bezahlen wollen.“ Für sie ist klar geworden, dass Hochbetagte Schwierigkeiten im Alltag haben.

Große Erleichterung, den Anzug wieder ablegen zu können

„Das Schlimmste ist das eingeschränkte Hör- und Sehvermögen“, sagt Katharina Fuckerer, selbst Lehrkraft an der Hauswirtschaftsschule. Die 30-Jährige testete ebenfalls den Anzug und war verblüfft, wie lange man für das Schreiben eines kurzen Textes am PC braucht. „Ich weiß jetzt, warum Kraft-, Beweglichkeits- und Ausdauertraining im Alltag so wichtig sind. Damit die Einschränkungen im Alter sich in Grenzen halten.“

Alle, die den Anzug ausprobieren, sind froh, dass das Experiment bald wieder ein Ende hat. Erleichterung macht sich bei den Teilnehmern breit, dass sie den Anzug einfach wieder ablegen können – im Gegensatz zu hochbetagten Personen, die jeden Tag mit den Anstrengungen des Alters zu kämpfen haben. Bei den angehenden Hauswirtschafterinnen bleiben Erschöpfung und starke Eindrücke zurück. (pm)

Ankündigung: Das nächste Semester in der einsemestrigen Fachschule für Landwirtschaft, Abteilung Hauswirtschaft, in Teilzeitform in Wertingen startet im September 2019. Dazu findet am 19. März ein Schnuppertag von 8.30 bis 14.30 Uhr statt. Anmeldungen sind bis 12. März unter poststelle@aelf-wt.bayern.de oder unter Telefon 08272/8006-100 möglich. Nähere Infos unter www.aelf-wt.bayern.de.

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