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Versorgung

23.10.2020

Heimleiter Günther Schneider verlässt St. Klara

Das Wertinger Seniorenheim St. Klara erfüllt in mancher Hinsicht nicht mehr modernen Ansprüchen und braucht einen Neubau.
Bild: Benjamin Reif

Plus Das Wertinger Seniorenheim wird bald unter neuer Leitung arbeiten. Außerdem muss ein Neubau her. Für den Bau gibt es laut Bürgermeister Willy Lehmeier zwei gangbare Wege

Es sind bewegte Zeiten für das Wertinger Pflegeheim St. Klara. Durch die Coronakrise ist es Angehörigen seit Monaten nur noch mit erheblichen Einschränkungen möglich, ihre Angehörigen zu besuchen. Das Haus erfüllt seit Jahren nicht mehr die notwendigen Standards für die Beherbergung ihrer Bewohner bei den Platzverhältnissen. Aufgrund der gewaltigen Nachfrage an Pflegeplätzen und der Tatsache, dass diese Nachfrage in den kommenden Jahren noch deutlich steigen wird, einigte sich der Stadtrat einstimmig auf einen Neubau, dessen Konzeption noch Anfang Oktober der Heimleiter Günther Schneider dem Stadtrat vorgestellt hatte. Inmitten des Wirbels um das geplante Medizinzentrum am Ebersberg, das zu heftigen Debatten im Stadtrat geführt hatte, ging ein wichtiger Umstand fast unter: Günther Schneider wird das Haus zum Jahresende verlassen.

Der 53-Jährige betont im Gespräch mit unserer Zeitung aber, dass dies nichts, wirklich nichts mit einer Flucht zu tun habe. Der Grund für seinen Weggang liege daran, dass ihm wieder eine Stelle in der Lehre angeboten worden sei – und in diesem Bereich will Schneider sein letztes Jahrzehnt im Arbeitsleben verbringen, wie er sagt. „Ich unterrichte einfach gerne. Ich liebe es, an den Menschen dran zu sein“, sagt er.

Günther Schneider will wieder unterrichten

Dieser Aspekt habe in seinen dreieinhalb Jahren am Wertinger St. Klara nur eine untergeordnete Rolle spielen können. Denn der Hauptteil seiner Arbeit geschieht am Rechner, und beinhaltet in der Regel eine Menge Zahlen, sagt Schneider. Kostenkalkulationen, die Bilanz, mit diesen Aufgaben komme er zurecht, doch sei das nicht seine persönliche Stärke.

Schneider will stattdessen seinen Teil dazu beitragen, dass die „Generalistik“ in der Pflege den jungen Leuten vermittelt wird, die sich für einen Beruf in diesem Feld entscheiden. Generalistik bezeichnet den neuen Ansatz, die Bereiche Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammenzuführen. Schneider steht zu 100 Prozent hinter diesem Vorhaben, und will laut eigener Aussage seinen Teil zu einem Wandel beitragen, und die Begeisterung, die er selber für den Pflegeberuf habe, den jungen Auszubildenden vermitteln. Dreizehn solcher Auszubildenden gibt es zur Zeit in Wertingen – das freut Schneider ungemein. Vor seiner Tätigkeit in Wertingen hat Schneider jahrelang in Augsburg unterrichtet.

Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier bedauert Schneiders Weggang. „Ich verliere einen fachlich sehr guten Mann“, sagt Lehmeier. Er könne die Entscheidung aber persönlich nachvollziehen. Schneider arbeite außerdem mit Einsatz an einem geordneten Wechsel in der Leitung mit. „Da kann ich mich auf die Hilfe von Herrn Schneider verlassen. Und er ist ja nicht aus der Welt“, so Lehmeier.

Die gute Nachricht: Das Interesse an der Stelle ist groß. Schneider und Lehmeier sind somit zuversichtlich, dass bald ein Ersatz für Schneider gefunden wird. Schneider will in allen Bereichen eine tadellose Übergabe gewährleisten – die Lage für das Haus mit seinen 76 Betten ist derzeit ohnehin außergewöhnlich. So gibt es eine Quarantänestation, auf die immer wieder Bewohner verlegt werden müssen, und vier „Besucherinseln“ im Untergeschoss, um einen Ausbruch des Coronavirus zu verhindern. „Wir haben viel dafür getan, dass es zu einem solchen Ausbruch noch nicht gekommen ist“, sagt Schneider. „Doch ehrlicherweise muss man auch dazu sagen: Wir hatten auch eine gute Portion Glück.“

Täglich gehen bei St. Klara Anfragen von Wertinger Bürgern ein

Täglich gehen bei St. Klara mehrere Anfragen ein, meist nach einem Heimplatz, oft auch nach Kurzzeitpflege. Um die Nachfrage zumindest teilweise zu bedienen, hat Schneider sich in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder mit Fachleuten und Planern getroffen, um ein erstes Konzept für einen Neubau dem Stadtrat zu präsentieren. Der Neubau auf dem Krankenhausgelände soll für ungefähr 120 Betten ausgelegt sein und in einer H-Form gebaut werden. Damit seien sogenannte „Pflegeoasen“ innerhalb des Heims möglich, sagt Schneider. Das bedeutet, dass in den einzelnen „Beinen“ des Heims Patienten mit harmonierenden Vorbedingungen und Interessen zu Nachbarn werden können, und einen Teil der Pflege untereinander organisieren können. Also beispielsweise mehrere demente Personen, die einen vergleichbaren biografischen Hintergrund und Interessen haben und sich deshalb noch täglich über das frühere Leben auf dem Bauernhof austauschen oder gemeinsam Musik hören können. Das sei in dem jetzigen Gebäude, wo sich alle Besucher auf einem großen Innenbereich – im Heim „Marktplatz“ genannt – treffen.

Wann das Heim gebaut werden kann, ist noch völlig offen. Es liegt zudem laut Bürgermeister Willy Lehmeier noch die Entscheidung an, ob die Stadt das Heim selbst bauen will oder von einem Investor bauen lässt und sich anschließend „einmietet“.

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