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Bissingen/Buttenwiesen

04.05.2017

Heizen mit Klärschlamm

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Aus Klärschlamm werden unbelastete Pelletts, die weiter verwertet werden können. Getrockneter Klärschlamm (rechte Hand), wird zu Pellets gepresst (linke Hand).

Das Material ist als Dünger wenig gefragt. Bissingen geht mit einer Firma aus Buttenwiesen einen neuen Weg

Pioniergeist herrscht derzeit in Bissingen. Denn beim Thema Klärschlamm geht die Marktgemeinde ganz neue Wege, die für andere Kommunen beispielgebend sein könnten, wie Bürgermeister Michael Holzinger hoffnungsfroh bemerkt. Weil in Bissingen besonders viel Klärschlamm anfällt, wird dort nach Möglichkeiten gesucht, diesen intelligent zu verwerten.

Durch Zufall sind die Bissinger nun auf eine Möglichkeit gestoßen, ihren Schlamm noch effektiver zu trocknen. Das hat etwas mit der Firma Jumbo Group aus Buttenwiesen zu tun, die, im Feldbach-Industriegebiet angesiedelt, sich mit der Herstellung von Anlagen zur Trocknung von Gärresten aus Biogasanlagen befasst. Was für das Material aus Biogasanlagen passt, könnte auch für Kläranlagen passen, dachten die Bissinger und wurden bei der Firma vorstellig. Innerhalb eines Jahres hat nun diese ihre Gärreste- und Biomasse-Trockner umkonstruiert und einen Trockner für Schlamm aus kommunalen Kläranlagen entwickelt. Und nicht nur das. Das getrocknete Material wird zu Pellets gepresst und kann so einer weiteren Verwertung zugeführt werden.

Ein Signal für Bissingen, das nun seine bisherige Schlammlagerhalle umbauen und im Juni dort eine Trocknungsanlage aus dem Hause Jumbo Group installieren wird. Für die Abnahme der in Bissingen erzeugten Klärschlamm-Pellets wurden schon Wege gefunden: Die Märker-Zementwerke Harburg wollen die Bissinger Pellets als sekundären Brennstoff verwerten. Für Bürgermeister Holzinger eine „Win-Win-Situation“. Denn der Bissinger Schlamm muss nicht mehr wie bisher in die Verbrennung zur Firma Empter bis nach Altenstadt bei Schongau transportiert werden. Und – ein Nebeneffekt – die Gemeinde kann ihre Kläranlage künftig autark betreiben.

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Für den Trocknungsprozess werden die heißen Abgase von zwei Blockheizkraftwerken verwendet. Ein Kraftwerk wird zusätzlich zum Klärgas auch mit Erdgas betrieben. Mit dem dabei erzeugten Strom kann die Gemeinde ihre Kläranlage zukünftig nahezu energieautark betreiben.

615000 Euro hat die Gemeinde in das Projekt investiert, die Kosten sollen sich in dreieinhalb Jahren amortisieren. Idee war es laut Holzinger auch, die Schlamm-Masse von rund 2700 Tonnen pro Jahr zu reduzieren. Künftig werden aus der Bissinger Kläranlage durch den Trocknungsprozess nur noch 600 Tonnen Reste pro Jahr anfallen.

Die Nachfrage zur Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft, der dort als Dünger verwendet wird, geht stark zurück. Das betont Holzinger ebenso, wie Jumbo Group-Geschäftsführer Franz J. Kraus. Die Ausbringung von Klärschlamm als oft belasteter Dünger in der Landwirtschaft, werde in Zukunft vom Gesetzgeber weiter eingeschränkt. „Andererseits stecken im Schlamm wertvolle Ressourcen,“ erklärt Kraus. Beispiele sind Bestandteile wie Phosphor, das wieder in einen Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden kann.

Der Trocknungsprozess führe auch zu einer Schadstoffreduzierung des Schlamms. Kraus: „Aus einer Tonne belastetem Klärschlamm macht die Abgastrocknung 250 Kilogramm hygienisierte Biomasse, aus der die Nährstoffe zurückgewonnen und in eine Kreislaufwirtschaft zurückgeführt werden können.“ Die Trocknung erfolgt über den reinen Abgasstrom eines Blockheizkraftwerkes, der 550 Grad heiß ist und den Schlamm auch hygienisiert. Bei Bürgermeister Holzinger, Mitgliedern der Gemeindeverwaltung und Gemeinderäten aus Bissingen stießen die Erklärungen von Franz J. Kraus auf offene Ohren. Die Firma hatte die Bissinger vor Kurzem zu einem Probelauf der Trocknungsanlage eingeladen. Mit dabei war auch Karl Klein, Geschäftsführer der Molkerei Gropper, die am neuen Projekt nicht ganz unbeteiligt ist. Denn Gropper ist der größte Einleiter der Kläranlage Bissingen und als solcher auch finanziell am Projekt beteiligt. „Wir leiten unbelastetes Material ein,“ betonte Klein bei der Trocknungsvorführung mehrfach.

Mit im Boot, und das ganz praktisch an ausführender Stelle, sitzt auch Silke Otterbein. Sie ist die Geschäftsführerin der Firma BSB 5 mit Sitz in Neusäß, die im Auftrag der Gemeinde Bissingen die Kläranlage betreibt. Wie etliche andere Kommunen auch, hat Bissingen den Betrieb der Anlage „outgesourct“ – an eine spezialisierte Firma vergeben. Seit 2003 hat Silke Otterbein die Betriebsführung der Kläranlage Bissingen übernommen. Und inzwischen auch andere Kläranlagen in der Region.

Unter anderem kümmert sich BSB 5 um die Kläranlagen in Holzheim und Buttenwiesen. Silke Otterbein ist es zu verdanken, dass der Kontakt zwischen Bissingen und der Jumbo Group hergestellt werden konnte. Der Besitzer einer Biogasanlage hatte Otterbein auf seinen Gärreste-Trockner aufmerksam gemacht. Und da kam Otterbein im Gespräch mit Bürgermeister Holzinger auf eine Idee … "Kommentar

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